Skispringen

"In Österreich zählt oft nur der erste Platz"

Was ist in der neuen Weltcupsaison von Salzburgs Skispringern zu erwarten? Stefan Kraft und Daniel Huber geben Einblicke in ihren Trainingsalltag und den neuen Teamgedanken.

Größter gemeinsamer Triumph: Bei der Heim-WM in Seefeld holten Kraft und Huber mit Hayböck und Aschenwald (v. l.) Silber. SN/gepa pictures/ ch. kelemen
Größter gemeinsamer Triumph: Bei der Heim-WM in Seefeld holten Kraft und Huber mit Hayböck und Aschenwald (v. l.) Silber.

Stefan Kraft und Daniel Huber sind sportlich schon lang miteinander verbunden. In Stams drückten die beiden Salzburger Skispringer einst gemeinsam die Schulbank und teilten sich ein Internatszimmer, seit Jahren stählen sich die 26-Jährigen Seite an Seite im Springerstützpunkt Rif für den Weltcupwinter - und seit heuer gehören sie quasi auch noch zum gleichen "Stall". Kopfsponsor Manner sei Dank. Die SN trafen Kraft und Huber zum Doppelinterview und sprachen über schlechte Sommer, überzogene Erwartungshaltungen und warum es auch im Skispringen eine gute Kommunikation braucht.

In einem Monat beginnt in Wisła die neue Weltcup-Saison: Bereit dafür? Stefan Kraft: Ich denke, ich habe eine sehr gute Vorbereitung hinter mir. Es geht mir körperlich sehr gut, ich war nie krank und habe kein einziges Training auslassen müssen. Springerisch läuft es auch gut, noch nicht so konstant, wie ich es gern hätte, aber die Form passt. Das lässt sich zwar an den Ergebnissen im Sommer-Grand-Prix (wo Platz sechs beim Heimspringen in Hinzenbach das mit Abstand beste Einzelresultat war, Anm.) nicht ablesen, aber ich hatte auch Probleme damit, meine teilweise starken Trainingsleistungen im Wettkampf zu bestätigen.

Dabei ist man von Ihnen gewöhnt, dass Sie sich gerade im Wettkampf immer noch steigern können ... Stefan Kraft: Ja, genau, deshalb hat es mich auch so gewurmt. Aber ich spüre, dass ich auf einem guten Weg bin.

Wie viel Aussagekraft hat ein Sommer ohne Podestplatz? Daniel Huber: Im Prinzip keine. Klar, es hat schon wesentlich bessere Sommer von uns gegeben. Letztes Jahr zum Beispiel ist der Grand Prix super für mich gelaufen und dann habe ich bis zur Vierschanzentournee gebraucht, um endlich auch im Winter in Schwung zu kommen. Heuer versuche ich das nach Sommer-Platzierungen wie 29. (Courchevel), 30. (Hinterzarten) oder 33. (Wisła) umzudrehen. (lacht)

Es gibt im ÖSV neue Co-Trainer von Andreas Felder, mit Harald Diess etwa einen Ihrer langjährigen Stützpunktbetreuer. Hat sich für Sie dadurch überhaupt etwas verändert? Daniel Huber: Nein. Wir probieren alle gemeinsam Schritt für Schritt voranzukommen, uns gemeinsam zu verbessern. Wir haben die Zusammenarbeit noch einmal intensiviert und die Kommunikation optimiert, um die Verbindung zu unseren Coaches zu verbessern. Das Ziel ist, auch dann gut durch den Winter zu kommen, wenn es einmal brenzlige Situationen geben sollte.
Stefan Kraft: Da mache ich mir ohnehin keine Sorgen. Wir haben im Team eine richtig gute Stimmung, ein sehr gutes Klima. Da gibt es keine Missgunst. Jeder kann seine Meinung oder seine Wünsche äußern. Wenn jemandem etwas nicht passt, diskutieren wir offen darüber.

Wie viel diskutieren Sie beide über Skispringen? Immerhin verbringen Sie auch Ihre Freizeit, ja sogar Ihren Urlaub gemeinsam. Stefan Kraft: Wir philosophieren gern übers Skispringen. (lacht) Erst vor Kurzem haben wir uns während eines zweistündigen Flugs in ein Videostudium vertieft. So versuchen wir uns gegenseitig in die Spur zu bringen.
Daniel Huber: Aber ganz ehrlich: Dem Krafti brauche ich nicht oft sagen, was er zu tun hat. Er ist Weltmeister, Gesamtweltcupsieger und Tourneesieger gewesen, er hält den aktuellen Skiflug-Weltrekord und er ist derjenige von uns, der am besten aufgestellt ist.

Sie sind im Skisprung-Land Österreich einer enormen öffentlichen Erwartungshaltung ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um? Und wie schwierig ist es nach schlechteren Resultaten, Kritik auszuhalten? Stefan Kraft: Den Druck von außen nimmt man als Sportler gar nicht so wahr, den macht man sich ohnehin selbst. Kritik ist okay und gehört dazu, sie macht es aber nicht unbedingt leichter, wenn es gerade nicht funktioniert. Denn ich als Sportler bin ja immer bemüht, nach dem Höchsten zu streben. Und ich bin auch der Erste, der fragt: Warum springe ich nicht weiter?
Daniel Huber: Ich versuche das Drumherum so gut wie möglich auszublenden, denn oben auf der Schanze stehe ich im Endeffekt dann allein. Manchmal ist das dennoch spannend zu beobachten - und teilweise auch ein bisschen schräg. Zum Beispiel letztes Jahr in Zakopane: Als Stefan Kraft den ersten ÖSV-Sieg eingesprungen hat, war plötzlich die Krise im Springerteam bewältigt. Davor hatten wir einige Stockerlplätze, aber das war in der öffentlichen Wahrnehmung offenbar nicht gut genug. Das zeigt schon, dass in Österreich oft nur mehr der erste Platz zählt.

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