Tennis

Bühne frei in London für Dominic Thiem

Österreichs Tennisstar eröffnet das Finalturnier gegen Kevin Anderson. Das erwartete Duell auf Augenhöhe ist bereits richtungsweisend.

Dominic Thiem startet am Sonntag gegen Kevin Anderson (RSA) ins ATP-Tour-Finale in London. SN/gepa pictures
Dominic Thiem startet am Sonntag gegen Kevin Anderson (RSA) ins ATP-Tour-Finale in London.

Kein Tennisevent wird so inszeniert wie das ATP-Tour-Finale in London. Schließlich geht es für die acht besten Einzelspieler und Doppelpaare des Jahres um den inoffiziellen WM-Titel, also um die prestigeträchtigste Trophäe nach den Grand-Slam-Turnieren. Spätestens wenn Dominic Thiem am Sonntag (15 Uhr/live Sky) die Ehre zuteil wird, unter der Akustik und der bildlichen Darstellung eines EKG-Geräts sowie unter dem Beifall von 17.000 Fans den Platz der imposanten O2-Arena zu betreten, wird auch der Puls von Österreichs Tennisstar noch einmal in die Höhe schnellen. Gegen Kevin Anderson eröffnet er den finalen Showdown.

Beide erwarten ein Duell auf Augenhöhe, bei dem die Tagesform entscheidet. "Ich muss vom ersten bis zum letzten Schlag voll da sein", weiß Thiem, der bei seinem dritten Antreten erstmals die Gruppenphase überstehen will. Anderson feiert mit 32 und dem Selbstvertrauen seines besten Karrierejahres sein Debüt beim Saisonfinale. Herausragend war das Erreichen des Endspiels in Wimbledon, wo er im Viertelfinale Roger Federer nach 0:2-Satzrückstand und Abwehr eines Matchballs 13:11 und danach in einem epischen Halbfinale John Isner 26:24 jeweils im fünften Satz niedergerungen hatte. Bereits 2017 stand der 2,03-Meter-Hüne im Finale der US Open.

"Kevin hat Tennis in seiner Heimat groß gemacht", erzählt der Journalist Rob König aus Südafrika, wo sonst Rugby und Cricket den Sport beherrschen. Thiem-Trainer Günter Bresnik warnt davor, Anderson, der auch in Wien im Finale gegen Thiem-Bezwinger Kei Nishikori triumphierte, zum reinen Aufschläger zu degradieren: "Nur mit dem Aufschlag gehörst du nicht zu den besten acht. Der kann alles." Das musste Thiem bei sechs Pleiten gegen Anderson in Folge erfahren. Allerdings nur bis heuer. Denn Mut machen ihm vor allem seine letzten zwei Duelle gegen Anderson. Sowohl im Halbfinale von Madrid als auch im Achtelfinale bei den US Open feierte der 25-Jährige jeweils Siege ohne Satzverlust. "Ein guter Start ist extrem wichtig. Das kann dann schon ein großer Vorteil sein."

Das gilt nicht nur für das Match, sondern natürlich auch für den weiteren Turnierverlauf. 2016 (gegen Novak Djokovic) und 2017 (gegen Grigor Dimitrov) verlor Thiem sein Auftaktmatch jeweils in drei Sätzen, das Halbfinale blieb ihm danach verwehrt. Wie auch Thomas Muster (siehe Interview im SN-Wochenende) bei insgesamt vier Starts zwischen 1990 und 1997. Dass Österreich erstmals überhaupt mit drei Spielern beim gemeinhin als Masters bekannten Finalturnier vertreten ist, ist den Doppelspezialisten Oliver Marach und Alexander Peya zu verdanken. Beide konnten aber auch am Freitag noch kein grünes Licht für einen Start geben. Die Genesung von Peya (Ellbogen) und Marachs Partner Pavic (Bauchmuskel) wird bis zur letzten Minute ein Rennen gegen die Zeit.

International sind nach Rafael Nadals Absage die Augen einmal mehr auf Djokovic und Federer gerichtet. Das "Traumfinale" zu vereiteln liegt auch in der Hand von Thiem. Gewinnen (oder verlieren) beide ihr erstes Match, dann kommt es am Dienstag zum Aufeinandertreffen, sonst am Donnerstag. Federer wird zunächst am Sonntagabend von Nishikori gefordert. Der Schweizer ist zum 16. Mal in 17 Jahren (außer 2016) qualifiziert und stand bereits zehn Mal im Endspiel.

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