Tennis

Das Erlebnis Grand Slam zählte mehr als Federer und Thiem

Zwischen Frust und Hype bei den French Open: Wie ein Tennisfan aus Österreich vergeblich um eine Karte kämpfte, Roland Garros aber trotzdem genoss.

Wer nicht ins Stadion kommt, nimmt auf dem Liegestuhl vor der Leinwand Platz. SN/mor
Wer nicht ins Stadion kommt, nimmt auf dem Liegestuhl vor der Leinwand Platz.

Heinrich ist einer von rund 35.000 Tennisfans, die an diesem Tag Roland Garros besuchen. Er hat einen "ground pass", aber keine Karte für eines der drei Stadien. Er gehört also zu den Glücklichen, die das Flair eines Grand Slams erleben, und gleichzeitig zu jenen, die Roger Federer sehnsüchtig auf der Leinwand verfolgen müssen.

Als Österreicher hat er auf seiner Liste mit Dominic Thiem freilich einen zweiten persönlichen Helden, dem er unbedingt bei der Arbeit zusehen will. Der spielt am nächsten Tag ebenfalls auf dem Center-Court. Eine Karte zu ergattern gleicht aber einer - zumindest für ihn - unlösbaren Herausforderung. Den Eintritt auf die Anlage, wo man sich seinen Platz auf den kleinen Courts in meist endlosen Schlangen erkämpft, konnte er sich im Vorfeld um 35 Euro sichern. Will Heinrich die Superstars sehen, dann müsste er jetzt aber 600 Euro hinblättern, denn die normalen Tickets um immerhin auch mehr als 100 Euro sind vergriffen. 600 Euro? Das ist ihm nicht einmal Federer wert.

Dagegen sind die 23 Euro für ein Getränk, ein Sandwich und ein Eis, mit dem er in der Sonnenliege vor dem Videoscreen Platz nimmt, billig. Akustisch erlebt er auch vor dem Stadion die Stimmung zumindest ansatzweise mit. Und es ist auch noch nicht aller Tage Abend, um Federer vielleicht doch noch näher zu kommen. Die erste Chance bietet sich nach dem Match, wenn Federer die rund 15 Meter vom Spielerbereich im Stadion ins Medienzentrum zurücklegt.

Heinrich und die Szenen mit dem GOAT

Das rund 20-köpfige Sicherheitspersonal bezieht Stellung, um dem GOAT (Greatest Of All Time) diese 15 Meter mitten in den Fanmassen zu ermöglichen. Rund 45 Minuten Warten, das Handy für einen Schnappschuss aus der dritten Reihe stets griffbereit und dann plötzlich Geschrei, Hysterie. Das Gedränge wird größer. Federer kommt aus den Katakomben, lächelt, hebt mehrmals freundlich die Hand - und verschwindet wieder hinter der Tür. Das Foto ist unscharf, das Erlebnis wird Heinrich aber bleiben.

Dasselbe Szenario spielt sich am nächsten Tag ab, wenn Federer zum Trainingsplatz eskortiert wird. Diesmal ist Heinrich zu spät, der kleine Court mit ein paar Hundert Plätzen ist seit Stunden zum Bersten voll, also keine Chance, um überhaupt einen Blick zu erhaschen. Federer bleibt aber schließlich nicht seine einzige Erinnerung an das Grand Slam. Mit einem Handtuch, dem Klassiker unter den Merchandising-Artikeln, und einem T-Shirt um zusammen 115 Euro verlässt der Österreicher nach zwei Tagen glücklich Roland Garros.

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