Tennis

Die größten drei Tage des Dominic Thiem

Österreichs Tennisstar hat die Krönung bei den French Open verpasst. Wie Thiem die Zeit von Freitag bis zur Siegerehrung erlebte, bleibt für ihn aber unvergessen. Die Dramatik vom Halbfinale bis zum finalen Matchball sowie die emotionalsten Momente und Zitate im Zeitraffer.

FREITAG, 16.03 Uhr: Dominic Thiem und Novak Djokovic betreten den Court Philippe Chatrier, um den Endspielgegner von Rafael Nadal zu ermitteln. Der Serbe kommt mit den Sturmböen überhaupt nicht zurecht. Der Österreicher führt 6:2, 2:3, als das Match zum ersten Mal wegen Regens unterbrochen wird.

17.07 Uhr: Wie verwandelt kommt Djokovic aus der Kabine und gewinnt den zweiten Satz 6:3. Dann führt Thiem wieder 3:1. Djokovic rettet sich Sekunden in die zweite Regenpause, verlässt fluchtartig den Platz.

18.35 Uhr: Der Himmel über Roland Garros ist blau, doch das Halbfinale wird zur Verwunderung des Publikums vertagt. Obwohl noch zweieinhalb Stunden Tageslicht wäre, begründen die Veranstalter die vor allem von Djokovic forcierte Entscheidung mit den unsicheren Wetterprognosen. "Trotzdem gehe ich mit einem Vorteil in die Verlängerung", sagt Thiem.

SAMSTAG, 12 Uhr: Das Match wird bei 6:2, 3:6, 3:1 fortgesetzt. Rund 2:20 Stunden liefern sich die beiden einen Schlagabtausch. Thiem bestätigt das Break, führt 4:1. Obwohl Djokovic auf 4:4 stellt und sogar zwei Breakbälle zum 5:4 hat, behält Thiem die Nerven und stellt mit 7:5 wieder die Satzführung her. Dann gerät er wieder ins Hintertreffen, kämpft sich zurück und muss Satz vier 5:7 abgeben. Die Entscheidung verläuft dann zunächst wieder zugunsten von Thiem. Er zieht auf 4:1 davon, Djokovic kann einen Breakball und damit die Vorentscheidung abwehren, als Sekunden später wieder Regen einsetzt.

15.29 Uhr: Wie am Vortag konnte wiederrum der Serbe aus der einstündigen Pause Kapital schlagen, verkürzte auf 3:4. Doch Thiem schlug mit dem Break zum 5:3 zurück und erspielte sich mit teil sensationellen Schlägen bei 40:15 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle. Vier unerzwungene Fehler in Serie und Augenblicke später war aber wieder alles offen. Doch Thiem behielt bei 5:5 mit einem Zu-Null-Game die Nerven und verwertete seinen dritten Matchball mit einem Winner zum Sieg. Nach 4:13 Stunden Spielzeit und 24 Stunden nach Matchbeginn.

17.25 Uhr: Keine Spur von Müdigkeit als vielmehr das Adrenalin nach seinem "vielleicht größten Sieg", wie er nach einem Eisbad anschließend in der Pressekonferenz den mentalen und köperlichen Kraftakt beschrieb. "Dafür lebe ich Tennis. Das werde ich nie vergessen." Nachsatz: "Ich bin im Finale gegen Rafa zwar klarer Außenseiter, aber ich kann es schaffen. Ich will diesen letzten Schritt gehen. Müde sein kann ich am Montag."

SONNTAG, 11.45 Uhr: Nach "neun bis zehn Stunden" Schlaf schlägt sich der 25-Jährige auf Platz fünf in Roland Garros 45 Minuten ein. Dann verfolgt er auf dem Bildschirm noch die letzten Games von seiner Freundin Kristina Mladenovic, die den Titel im Doppel gewinnt.

15.03 Uhr: Thiem betritt in seinem zweiten Grand-Slam-Finale als Erster den Center Court. Vor 15.000 Zuschauern und den Augen von Thomas Muster. Kann er Österreichs Legende 24 Jahre danach beerben? Gänsehaut-Stimmung kommt spätestens bei der Vorstellung der Spieler auf. Als unter dem ohrenbetäubenden Applaus des Publikums der Stadionsprecher Nadals elf Triumphe in Jahreszahlen einzeln verkündet, wird noch einmal klar, welcher Legende Dominic Thiem gegenübersteht.

15.54 Uhr: Die zwei besten Sandplatzspieler schenken sich nichts. Thiem geht sogar mit Break in Führung, doch Nadal kontert zum 3:3 nach bereits 42 Minuten Spielzeit. Nur zehn Minuten später holt sich der Spanier Satz eins 6:3. Ein Match auf allerhöchstem Niveau entwickelt sich, Sprechchöre und begeisternder Beifall im Minutentakt. "Es kann nicht mehr besser werden", kommentiert ein englischer Reporter.

16.54 Uhr: Davon angetrieben verlangt Thiem dem Sandplatzkönig alles ab. Kaum Fehler und spektakulärste Ballwechsel prägen das Match. Und Thiem erspielt sich zwei Satzbälle. Nach 1:42 Stunden gleicht er mit 7:5 auf 1:1 in Sätzen aus. Liegt die Überraschung in der Luft? Gelingt es erstmals einem Spieler, den "König von Paris" im Endspiel zu entthronen? Oder muss der Österreicher irgendwann doch den vergangenen 48 Stunden Tribut zollen?

17.25 Uhr: Dem scheint so zu sein. Mit 16:1 Punkten zieht Nadal davon und holt Satz drei in nur 23 Minuten 6:1. Es folgt ein letztes Aufbäumen. Thiem erspielt sich Bälle zum Rebreak, probiert alles und gestaltet das Match ausgeglichener als es letztlich das 6:1 aussagt. Doch Nadal lässt nichts mehr anbrennen.

18.12 Uhr: Nadal verwertet den zweiten Matchball zu seinem zwölften (!) Triumph in Paris, bleibt einige Sekunden auf dem Rücken liegen. Thiem kommt auf dessen Seite und umarmt den weiter Unschlagbaren von Roland Garros.

18.25 Uhr: Zum zweiten Mal in Serie stemmt Thiem das silberne Teller für den Finalisten in die Höhe. "Es ist grad sehr hart, aber es waren zwei tolle Wochen. Vielen Dank an alle hier, an mein Team und meine Familie. Ich hoffe ihr seid auch hier, wenn ich hier vielleicht mal meinen Titel gewinne." In Richtung Nadal bleibt ihm auch nur Bewunderung über: "Du bist eine Legende. Zwölf Mal hier zu gewinnen ist unwirklich."

18.28 Uhr: Auch Nadal findet große Worte für Thiem: "Du bist nicht nur einer der besten Spieler, sondern einer der besten Menschen auf der Tour, hast immer ein Lächeln im Gesicht. Wenn ich gegen jemanden verlieren wollen würde, dann gegen dich. Du hättest dir diese Trophäe verdient. Und du wirst sie auch einmal gewinnen."

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