Tennis

Die Jagd auf Nadal ist eröffnet

Wer kann den Sandplatzkönig in Paris vom Thron stürzen? Den Anspruch haben allen voran Novak Djoković und Dominic Thiem. Jeder andere French-Open-Sieger wäre bereits eine Sensation.

Dominic Thiem ist neben Novak Djokovic der härteste Rivale von Rafael Nadal.  SN/gepa/matthias hauer/lisa payr
Dominic Thiem ist neben Novak Djokovic der härteste Rivale von Rafael Nadal.

Roland Garros ist seit jeher jenes Grand-Slam-Turnier, das aus österreichischer Sicht am meisten in den Bann zieht. Thomas Muster und seinen Erfolgen, allen voran der Triumph 1995, sei Dank. Zum vierten Mal in Folge bereits gehört nun Dominic Thiem zum Kreis der Favoriten. Wieder führt er die Riege der Herausforderer des elffachen (!) Champions Rafael Nadal an, erstmals aber scheint die Kluft zum Sandplatzkönig so klein, dass er gestürzt werden kann. Wem ist das in welchem Ausmaß zuzutrauen?

Rafael Nadal



Den Rekord an Titeln bei einem Grand-Slam-Turnier hat der Spanier wohl bereits für alle Zeiten. Zumeist spielte er in einer eigenen Liga. Wenig überraschend wird er daher von allen zum Topfavoriten erklärt. "Ohne Zweifel", sagt etwa Djoković, obwohl der 32-jährige Nadal erstmals seit 2004 mit nur einem Titel auf Sand nach Paris gereist ist. Jener in Rom (mit einem Finalsieg über Djoković) erinnerte aber nach immer wiederkehrenden Verletzungssorgen gerade rechtzeitig wieder an seine besten Zeiten. "Er stand bei vier Sandturnieren drei Mal im Halbfinale und dann ganz oben. Was andere in ihrer ganzen Karriere nicht schaffen, ist bei ihm eine Krise. Das sagt schon alles", erklärt Thiem treffend.

Dominic Thiem, Novak Djoković



Auch Djoković hatte nach seinem Australian-Open-Sieg eine Durststrecke, diese mit dem Titel in Madrid und dem Finale in Rom aber eindrucksvoll beendet. Die Nummer eins der Welt und Österreichs Star sind wohl die einzigen zwei Nadal-Jäger, die auf Sand auch über zwei Wochen ihr höchstes Niveau halten können. "Ich denke, es wird ein gutes Turnier", sagt er.

Nach zwei Halbfinals und einem Endspiel seit 2016 traut Günter Bresnik seinem Ex-Schützling Thiem den Coup mehr zu als je zuvor: "Die Wahrscheinlichkeit ist heuer noch viel größer." Auf seinem Weg zum Titel in Barcelona räumte Thiem Nadal aus dem Weg. Der Knopf für "die größte Herausforderung im Tennis", wie Thiem einen Sieg über Nadal auf Sand bezeichnet, ging ihm aber schon im Vorjahr in Madrid auf. "Volles Risiko ohne Gedanken an Fehler, nur so kannst du gegen ihn gewinnen. Bei der Fünf-Satz-Niederlage bei den US Open habe ich dann gesehen, dass ich dieses Niveau auch über fünf Stunden halten kann. Das war das vielleicht beste Match meiner Karriere", sagt der 25-Jährige. Bis zu einer möglichen Neuauflage des Endspiels von 2018 ist es aber noch ein weiter Weg. Die unmittelbare Zukunft am Montag (4. Partie nach 11 Uhr) heißt Tommy Paul. Der US-Wildcard-Spieler sollte nicht mehr als ein willkommener Gegner zum Einschlagen sein.


Stefanos Tsitsipas, Roger Federer,

Fabio Fognini, J. M. del Potro



Ein Paris-Champion, der nicht Nadal, Djoković oder Thiem heißt, wäre bereits eine Sensation. Das gilt auch für den erfolgreichsten Spieler aller Zeiten. "Es gibt ein paar andere, die es auf dem Weg zum Titel in erster Linie zu schlagen gilt", sagt Roger Federer selbst. Dem bald 38-jährigen Schweizer ist aber freilich auch auf Sand (fast) alles zuzutrauen. Ein Fragezeichen ist, ob er seine Fitness über zwei Wochen halten kann. Das selbe gilt für Juan Martín del Potro. Der Argentinier kann jeden Gegner vom Platz schießen und lieferte sich zuletzt mit Djoković in Rom eines der besten Duelle des Jahres. Dass er seinem US-Open-Sieg 2009 keinen weiteren Majortitel hinzufügen konnte, liegt an seinem lädierten Körper, mit dem er nach wie vor kämpft.

Ebenso gefährlich ist Stefanos Tsitsipas. Der 20-Jährige kommt als Dritter der Jahreswertung und mit einem Turniersieg (Estoril), Finale (Madrid) und Halbfinale (Rom) nach Paris. Nadal besiegte er in Rom. Ob er die Besten auch in Serie bezwingen kann, muss er erst beweisen. Noch unangenehmer kann Fabio Fognini sein. Die unorthodoxe Spielweise und das Auftreten des Italieners haben schon vielen den Zahn gezogen. Auch er hat heuer Nadal (in Monte Carlo) besiegt.

Alexander Zverev, Stan Wawrinka



Einen dreifachen Grand-Slam-Sieger (Wawrinka) und die Nummer fünf der Welt (Zverev) muss man zumindest auf der erweiterten Liste haben, wenngleich beide eine bisher sehr bescheidene Saison spielen. Womöglich gelingt Genf-Sieger Zverev, der schon die größten ATP-Turniere und die ATP-Finals 2018 gewonnen hat, ausgerechnet jetzt der langersehnte Durchbruch auf Grand-Slam-Ebene. Dort reichte es bisher nur zu einem Viertelfinale.

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