Tennis

Djokovic nennt Wimbledon-Aus für russische Profis "verrückt"

Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic hat den Ausschluss von Tennisprofis aus Russland und Belarus vom diesjährigen Turnier in Wimbledon heftig kritisiert. Nach seinem Auftaktsieg bei seinem Heim-Turnier in Belgrad nannte der Serbe die Entscheidung am Mittwochabend "verrückt". Tennisprofis oder Athletinnen und Athleten allgemein hätten mit dem Krieg nichts zu tun, meinte Djokovic.

Djokovic verurteilt Wimbledon-Ausschluss von Medwedew und Co. SN/APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC
Djokovic verurteilt Wimbledon-Ausschluss von Medwedew und Co.

"Wenn sich die Politik in den Sport einmischt, ist das Ergebnis nicht gut", sagte der sechsfache Wimbledonsieger. Der 34-Jährige erinnerte angesichts der Kriege im Balkan daran, dass er selbst ein Kriegskind sei. Er sei der Erste, der Kriege verurteile, betonte Djokovic auch mit Blick auf das Leid der Zivilbevölkerung.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hatten die Wimbledon-Organisatoren am Mittwoch verkündet, dass Profis aus Russland und Belarus bei dem Rasen-Klassiker vom 27. Juni bis zum 10. Juli nicht dabei sein dürfen. Betroffen davon sind unter anderen der Weltranglisten-Zweite Daniil Medwedew aus Russland und sein Landsmann Andrej Rublew (ATP-8.), Karen Chatschanow (RUS/30.) und Aslan Karazew (RUS/30.) sowie bei den Frauen die Weltranglisten-Vierte Aryna Sabalenka aus Belarus, deren Landsfrau Victoria Asarenka (18.) und Anastasia Pawljutschenkowa (RUS/15.). Aktuell würden aus den Top 50 fünf Männer bzw. acht Frauen in Wimbledon fehlen. Die Organisatoren räumten ein, es sei hart für die Betroffenen, dass sie unter den Handlungen der russischen Führung leiden müssten.

"Wir wollen sie nicht komplett ausgeschlossen haben", sagte die ukrainische Spitzenspielerin Jelena Switolina am Donnerstag der BBC. "Wenn Spieler nicht ihre Stimme erheben gegen die russische Regierung, dann ist es das Richtige, sie auszuschließen." Wie andere ukrainische Spieler hatte die pausierende 27-Jährige zuvor die Organisationen WTA und ATP zu einer Aufforderung an die russischen und belarussischen Spieler aufgerufen, sich klar zu positionieren.

Wimbledon ist das erste Tennis-Event, das diesen Schritt geht. Kritik daran gab es auch von den beiden Profi-Organisationen ATP und WTA. "Die WTA hat immer wieder betont, dass einzelne Sportlerinnen und Sportler nicht aufgrund ihrer Herkunft oder aufgrund von Entscheidungen der Regierungen ihrer Länder bestraft oder an der Teilnahme gehindert werden dürfen", hieß es in einer Stellungnahme der Damen-Organisation. Die WTA werde Schritte und mögliche Maßnahmen gegen diese Entscheidung prüfen. Die ATP teilte mit, es sei unfair, Spieler wegen ihrer Nationalität zu diskriminieren und stelle einen Bruch der Regel dar, dass die Teilnahme an dem Grand-Slam-Turnier alleine vom ATP-Ranking abhängig sei.

Russland kritisierte die Entscheidung in Wimbledon scharf. "Ein weiteres Mal werden Sportler zu Geiseln irgendwelcher politischer Befangenheiten, politischer Intrigen, feindlicher Handlungen gegen unser Land gemacht. Das ist nicht hinnehmbar", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Zahlreiche andere Sportarten haben Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus bereits in den vergangenen Wochen von ihren Veranstaltungen ausgeschlossen.

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