Tennis

Dominic Thiem baut in Paris auf "Heimvorteil"

Österreichs Tennisstar trifft im French-Open-Viertelfinale auf den wiedererstarkten Karen Chatschanow. Die Energie holt er sich auch in Paris in den eigenen vier Wänden. Wetter als Spielverderber?

Dominic Thiem visiert sein viertes Paris-Halbfinale an. SN/AP
Dominic Thiem visiert sein viertes Paris-Halbfinale an.

Dominic Thiem hat als einziger Spieler die Chance, zum vierten Mal in Folge das Halbfinale der French Open zu erreichen. Weder Sandplatzkönig Rafael Nadal (2016 verletzt) noch Novak Djokovic könnten auf diese Serie verweisen. Dazu muss Österreichs Tennisstar den Russen Karen Chatschanow am Mittwoch (2. Match nach 14 Uhr/ live ORF eins) in die Schranken weisen. Was er von sich und dem Russen erwartet und wie es ihm gelingt, dem immer riesiger werdenden Scheinwerferlicht in Paris zu entkommen? Die SN fragten nach und begleiteten ihn ein Stück weit.

Wenn Dominic Thiem in die Arbeit fährt, dann macht er das dieser Tage wie Zigtausende in der Zehn-Millionen-Metropole auch. Denn nimmt der 25-Jährige nicht den exklusiven Shuttleservice, dann kommt er mit dem Elektro-Scooter. Die Security-Mitarbeiter staunen nicht schlecht, als der Topstar, die Tennistasche auf dem Rücken, sein "Fahrzeug" vor dem Trainingsgelände unweit von Roland Garros parkt. "Das ist praktisch. Da bist du unabhängig und auf niemanden angewiesen", sagt Thiem. Er versucht, so bewusst Normalität in seinen Alltag zu bekommen.

Was ihm dabei hilft, ist die Tatsache, dass er während der möglicherweise fast drei Wochen auch fern der Heimat seine eigenen vier Wände hat. Thiem wohnt, ebenfalls einen Katzensprung von Roland Garros, bei seiner Freundin Kristina Mladenovic. Hotelzimmer kennt er von den restlichen rund 25 Turnierwochen im Jahr rund um den Globus ohnehin zur Genüge. Und dass er sich wirklich wie daheim fühlt, wird außer dem Frühstück auch nichts selbst zubereitet. "Ich kann nicht kochen. Wir gehen am Abend mit dem Team meistens essen oder sonst bestellen wir uns etwas nach Hause", erklärt der Österreicher.

Das alles sei perfekt, um Ablenkung und Ruhe vom Trubel zu finden. Dem entkommt er am Dienstagnachmittag für zumindest eine Stunde aber nicht. Hunderte Schaulustige versammeln sich um Platz vier. Dort bereitet er sich mit Coach Nicolas Massu, der wie so oft selbst als Trainingspartner fungiert, auf das Viertelfinale vor. Beinahe jeder Ballwechsel wird wie bei einem Match mit Applaus quittiert.

Der Fokus ist bei jedem Schlag aber voll auf das Duell mit Chatschanow gerichtet. Sein um zwei Jahre jüngerer Gegner hat eine bis Paris sehr bescheidene Saison hinter sich, ist jetzt aber wieder zurück in den Top-10. Thiem ist gewarnt, schließlich hat er das letzte Duell mit dem 1,98 Meter großen "Hardhitter" beim Hallenturnier auf Hartplatz in Paris-Bercy im Herbst 2018 klar verloren. "Und gegen del Potro hat er gezeigt, dass er auch wieder auf einem ähnlichen Niveau spielt", spricht Thiem den hochklassigen Schlagabtausch im Achtelfinale an, den Chatschanow in vier Sätzen für sich entschieden hatte.

Den Russen bezeichnet Thiem als "Riesen-Aufschläger, der auch von der Grundlinie richtig schnell spielen kann". Eben das gelte es für ihn zu unterbinden. Denn Thiem ist sich seit dem Auftritt beim souveränen Viersatzsieg über Gaël Monfils seiner Stärken wieder bewusst. "Wenn ich so spiele und die Punkte wieder meistens diktieren kann, dann habe ich eine gute Chance." Das Auf und Ab, das ihm in den ersten drei Runden mehr Mühe als erwartet verschafft hatte, sollte beendet sein. Thiem scheint endgültig im Turnier angekommen zu sein.

Obwohl er in Paris in der entscheidenden Phase also längst Stammgast ist, streicht er noch einmal heraus, dass es für ihn weiterhin "alles andere als selbstverständlich ist", um die größten Titel mitzuspielen. "Ein Grand-Slam-Viertelfinale wird immer etwas Spezielles sein." Im anderen Viertelfinale auf Thiems Tableauhälfte duellieren sich seine möglichen nächsten Gegner Novak Djokovic und Alexander Zverev. Unabhängig vom Spielverlauf selbst kann die Partie für Thiem zur Geduldprobe werden. Ob sie überhaupt stattfindet, das ist gemäß den Wetterprognosen unsicher. Denn erstmals am zehnten Turniertag soll es von früh bis spät regnen.

Ein heftiges Gewitter, das sich über der Anlage entladen hat, sorgte schon am Dienstag in den ersten Viertelfinalspielen für eine Verzögerung. Diese änderte aber nichts daran, dass Roland Garros am Freitag das "Traum-Halbfinale" erleben wird. Elffach-Triumphator Rafael Nadal schoss den Japaner Kei Nishikori mit 6:1, 6:1, 6:3 vom Platz und trifft nun auf Roger Federer. Der Rekord-Grand-Slam-Sieger setzte sich im Schweizer Duell mit Stan Wawrinka in vier hart umkämpften Sätzen 7:6(4), 4:6, 7:6(5), 6:4 durch. "Gegen Roger ein Halbfinale zu spielen, gibt dir den Extra-Kick", sagt Nadal.

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