Tennis

Final-Krimi mit bitterem Ende für Dominic Thiem

Dominic Thiem schrammt bei den ATP Finals an seinem größten Erfolg vorbei. Österreichs Tennisstar unterliegt Stefanos Tsitsipas 7:6(6), 2:6, 6:7(4) und spricht nach einer dennoch großartigen Woche vom "mental brutalsten Sport."

Dominic Thiem verließ die große Bühne, während sich Stefanos Tsitsipas noch feiern lassen durfte. SN/ap
Dominic Thiem verließ die große Bühne, während sich Stefanos Tsitsipas noch feiern lassen durfte.

David Bowies "Heroes" erklang knapp vor 21 Uhr Londoner Zeit in der O2-Arena. Auf dem Center Court durften sich zwei Helden in unterschiedlichen Rollen feiern lassen. Die "tragische" musste diesmal Dominic Thiem übernehmen. Österreichs Tennisstar hatte soeben das Endspiel der ATP Finals gegen Stefanos Tsitsipas 7:6(6), 2:6, 6:7(4) verloren.

Viele schwierige Situationen hatte er zuvor in einem dramatischen und teils hochklassigen Duell gemeistert und schließlich auch jene, als er unter dem Applaus für den Verlierer in Richtung des 21-jährigen Griechen sagte: "Ein unglaubliches Match. Wir spielen den mental brutalsten Sport, aber das ist Tennis und du hast es verdient. Ich hoffe wir haben noch einige große Endspiele gegeneinander vor uns." Drei Punkte hatten Thiem zu seinem bisher größten Erfolg gefehlt, dennoch durfte er auf eine sehr starke Woche zurückblicken. Mit "Danke für alles" verabschiedete er sich.

Hinter ihm lag eine Achterbahnfahrt über zweieinhalb Stunden. Tsitsipas war zu Beginn besser, dem Break näher. Doch Thiem hielt sich im Spiel und zeigte wie so oft in der vergangenen Woche in den wichtigsten Momenten und mit dem Rücken zur Wand sein bestes Tennis. Er wehrte Breakbälle ab, meisterte kritische Situationen. Das Duell der Ästheten mit der einhändigen Rückhand ging ins erste Tiebreak, das alles bot und Thiem für sich entschied.

Dpch plötzlich verlor er völlig den Faden. Gut 20 Minuten, in denen der Österreicher offensichtlich in ein mentales Loch fiel, reichten Tsitsipas für ein 6:2. Man durfte zweifeln, ob Thiem bereit war für die Entscheidung. Die Statistik, wonach Thiem als klar Bester dieser Wertung 2019 fast 90 Prozent (!) aller Entscheidungssätze gewann, gab Grund zur Hoffnung.

Und er kam zurück. Allerdings spielte auch der Grieche weiter entfesselt, ging 3:1 in Führung. Es hätte aber nicht zu Thiems Auftritt in London gepasst, wenn das die Entscheidung gewesen wäre. Angetrieben von seiner Familie, vielen Freunden und Betreuern in der Box sowie knapp 18.000 enthusiastischen Zuschauern lief er ein letztes Mal in diesem Jahr zur Hochform auf. Thiem glich aus und als das Match ins alles entscheidende Tiebreak ging, war die Spannung am Siedepunkt.

Sprechchöre begleiteten jeden Punkt. Noch einmal glich Thiem ein 1:4 aus, doch ausgerechnet in den letzten drei Punkten unterliefen ihm drei Vorhandfehler. Es war bezeichnend für die größere Konstanz bei seinem Gegner. So bitter das Ende für Thiem war, so verdient war es für Tsitsipas. "Ich weiß nicht, wie ich so gut spielen konnte. Diese Leistung und dieser Kampf, das war außergewöhnlich."

War das Endspiel auch bereits so etwas wie die nahende Wachablöse? Roger Federer, der nach dem überraschend schwachen Auftritt im Halbfinale gegen Tsitsipas "frustriert" war, sieht diese noch nicht. "Es war das bisher beste Jahr der Jungen. Aber es sieht so aus, als wären ich, Novak und Rafa gesund. Und auch Andy Murray kann wieder zu alter Stärke finden." Für ihn ist Thiem aber der heißeste Kandidat der nächsten Generation für 2020: "Was er bei diesen Finals gezeigt hat ..."

Alexander Zverev wiederum prophezeit ein Ende der Dominanz von Federer, Rafael Nadal (33) und Novak Djokovic (32). "Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass es einen neuen Grand-Slam-Sieger geben wird", sagte der Deutsche (22) und nannte Tsitsipas (21), Thiem (26), Daniil Medwedew (23) und sich.

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