Tennis

Jürgen Melzer: "Die Erleichterung ist groß"

Ein gelöster Jürgen Melzer hat sich bei seinem Abschied mit einem weiteren Auftritt belohnt. "Stolz und dankbar" fordert er in Wien Kevin Anderson, ehe ein neues Kapitel für ihn beginnt.

Jürgen Melzer hat in Wien noch einmal seine Klasse gezeigt. SN/apa
Jürgen Melzer hat in Wien noch einmal seine Klasse gezeigt.

Egal wie das Achtelfinale gegen Kevin Anderson heute, Mittwoch, ausgeht, der Abschied von Jürgen Melzer ist gelungen. Österreichs langjähriges Tennis-Aushängeschild hat mit einem 7:6(6), 7:5 gegen Milos Raonic noch einmal seine Klasse gezeigt und sich so mit einem weiteren Auftritt auf der großen Bühne in der Wiener Stadthalle belohnt. Und auch Dennis Novak peilt heute gegen den starken Russen Karen Chatschanow eine ähnliche Überraschung an, wie sie Melzer gegen Raonic gelang.

"Ich bin sehr froh, stolz und dankbar, dass ich mich noch einmal so präsentieren kann und nicht in einer Verfassung, wo sich alle denken, warum hat man dem noch eine Wildcard gegeben?", sagt der 37-Jährige. Ihm ist durchaus bewusst, dass er vereinzelt mit der Weltklasse noch mithalten und sogar Topleute wie Raonic an deren schwächeren Tagen auch schlagen kann. Aber eben nicht mehr Woche für Woche. Da spiele sein Körper nicht mehr mit. "Ich habe okay und schlau gespielt und die vielen Fehler von Raonic ausgenützt. Da muss man die Kirche im Dorf lassen", will er den Sieg über die Nummer 22 der Welt nicht überbewerten.

Starker Melzer hat seinen "Frieden"

Ihm ist ebenso bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit stark steigt, dass er heute im Einzel endgültig ein letztes Mal unter dem Jubel der Zuschauer den Platz betritt und ein letztes Mal zum Handshake schreitet. "Gegen Anderson, der von der Grundlinie viel besser spielt, reicht eine Leistung wie gegen Raonic nicht. Ich werde wieder Punkt für Punkt spielen, als könnte es mein letzter sein." Das wird auch Dominic Thiem gern hören, denn mit einer weiteren Sensation würde ihm Melzer im Rennen um die ATP-Finals Schützenhilfe gegen einen direkten Kontrahenten leisten.

Im Gegensatz zum Montag, als die Halle spät am Abend nur mehr zur Hälfte gefüllt war, bekommt Melzer heute noch einmal eine wohl nahezu ausverkaufte Stadthalle als Abschiedsgeschenk. Die Vorfreude darauf ist viel größer als der Wehmut. "Es ist angenehm für mich, dass es nach dieser Woche vorbei ist. Ich habe da meinen Frieden gefunden", erzählt er. Nachsatz mit einem Schmunzeln: "Außer ich gewinne das Turnier."

So locker und gelöst hat man den ehemaligen Top-10-Spieler in fast zwei Jahrzehnten selten gesehen. Wohl auch deshalb, weil es nur ein Abschied auf Raten ist und er im Doppel weiter hohe Ziele verfolgt. "Das eine Kapitel ist dann fertig geschrieben, das andere noch nicht. Wenn man zwei Grand Slam gewonnen hat, dann will man da wieder hin. Und ich glaube, wenn ich mich spezialisiere, dass ich im Doppel noch viel besser werden kann."

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