Tennis

Nadal gegen Federer: Renaissance elektrisiert Paris

Triumphe und Tränen der ewigen Rivalen - kein Duell hat das Welttennis mehr geprägt als jenes von Rafael Nadal und Roger Federer. Wird auch das Halbfinale der French Open der Legende gerecht?

Die Franzosen und Schweizer bezeichnen es als Renaissance, die Spanier als DEN Clásico schlechthin und für die Sportwelt ist es ganz einfach das Gigantenduell. Roger Federer gegen Rafael Nadal elektrisiert seit mittlerweile 15 Jahren und so auch am Freitag nicht nur die Tennisfans in Paris. Auch wenn die Vorzeichen relativ klar zugunsten des Sandplatzkönigs stehen, ist das 39. Aufeinandertreffen mehr als "nur" ein Grand-Slam-Halbfinale.

Hier das Genie, das alles so leicht erscheinen lässt. Dort die Kampfmaschine, die den Gegner erdrückt. Hier der Sir, der stets Ruhe ausstrahlt. Dort der Matador, der auf dem Platz die Muskeln spielen lässt. Zwei Spielstile, Charaktere und Marken, die kaum unterschiedlicher sein könnten, und die Konkurrenten trotzdem als Freunde vereint. Das unterscheidet die Rivalität zu jenen aus vergangenen Generation wie Borg/McEnroe, Muster/Becker oder Sampras/Agassi. Dass sich die Erfolgreichsten ihrer Zunft gegenüberstehen, hebt das Duell zumindest für das junge und jung gebliebene Publikum sogar auf ein einzigartiges Niveau.

Eine Ära über Generationen

Dabei haben beide gefühlt selbst schon mehrere Generationen geprägt. 15 Jahre sind im Tennis tatsächlich zumindest zwei Generationen, wenn man bedenkt, dass sowohl Federer als auch Nadal schon Andre Agassi gegenüberstanden und sich nun mit Teenagern messen, die dessen Söhne sein könnten. Das erste direkte Duell datiert aus 2004. Der 16-jährige Nadal besiegte den 22-jährigen Federer in Miami glatt. Dass sich fortan eine legendäre Rivalität mit epischen Duellen entwickelt, konnte vielleicht geahnt, sicher aber in diesem Ausmaß nicht erwartet werden.

Auch der dritte Vergleich, 2005 (im Bild) eben hier im Halbfinale der French Open, ging relativ klar in vier Sätzen an Nadal. Der Spanier hält nun bei unerreichbaren elf Triumphen auf dem "terre battue" (Ascheplatz) von Roland Garros. Allein vier Mal musste Federer diese Überlegenheit im Endspiel erfahren. Der letzte Sieg des Schweizers über Nadal, der im head to head 23:15 führt, auf Sand liegt sogar zehn Jahre zurück. Die jüngsten fünf Vergleiche wiederum konnte der 20-fache Rekord-Grand-Slam-Sieger gewinnen.

Vier unvergessliche Momente

Welchen Hype es auslöst, wenn sie nun am Freitag wieder Aufstellung nehmen, zeigt die Erinnerung an ihre vier wohl emotionalsten Momente, alle in Endspielen. Paris 2008: Nadal degradiert, demoralisiert Federer mit 6:1, 6:3, 6:0 zum Statisten. Nur wenige Wochen später wird die erhoffte Revanche Federers ausgerechnet in Wimbledon zum nächsten Drama. Der Rasenkönig holt ein 0:2 in Sätzen auf, um bei Dunkelheit nach fast fünf Stunden doch noch mit 7:9 im Fünfsatzthriller in die Knie zu gehen. Bei den Australian Open 2009 hatte Nadal dann schon sichtlich Mitleid, als er wieder im fünften Satz siegt, dann den weinenden Federer bei der Siegeransprache in den Arm nimmt. Acht Jahre sollte es dann dauern, bis Federer am gleichen Ort endlich wieder über Nadal triumphiert. Wieder waren es fünf Sätze, diesmal aber krönt ein in den Jahren zuvor bereits abgeschriebener Federer sein Comeback-Märchen.

Federer: "Jetzt kriege ich das Match"

"Wir haben die wichtigsten Momente unserer Karriere gemeinsam auf dem Platz verbracht. Es war, ist und bleibt etwas ganz Besonderes, gegen Roger anzutreten", sagt der 33-jährige Nadal, der in Paris unglaubliche 91 von 93 Mal den Platz als Sieger verließ. Es ist genau diese Herausforderung, die Federer reizt, für die er mit nun 37 erstmals seit vier Jahren wieder hier angetreten ist. "Einer der Gründe, wieder auf Sand zu spielen, war es, eine Chance zu haben, gegen Rafa zu spielen. Jetzt kriege ich das Match."

Beide wissen um ihre Strahlkraft, beide kennen die Ausgangslage. Nadal ist der klare Favorit, Federer hat nichts zu verlieren. Die Zutaten für ein weiteres legendäres Duell?


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