Tennis

Thiem mit Ziel Halbfinale - doch zunächst wartet Anderson

Knapp 24 Stunden vor dem Beginn seiner dritten ATP World Tour Finals hat sich Dominic Thiem der APA - Austria Presse Agentur bei einer Bootsfahrt auf der Themse von der O2-Arena zum Spielerhotel direkt beim berühmten "London Eye" einem Interview gestellt. Der 25-jährige Niederösterreicher wirkte am Samstag in London in Begleitung seiner Freundin Kristina Mladenovic locker und entspannt.

Dominic Thiem und seine Freundin Kristina Mladenovic SN/APA/GERALD WIDHALM
Dominic Thiem und seine Freundin Kristina Mladenovic

Am Sonntag (15.00 Uhr/live Sky) wird es hingegen ernst für den diesjährigen French-Open-Finalisten. Kevin Anderson ist zum dritten Mal in diesem Jahr und zum insgesamt neunten Mal sein Gegner. Thiem hat sich für sein drittes "Masters", in dem er in Gruppe "Lleyton Hewitt" auch noch auf Superstar Roger Federer (SUI) und Kei Nishikori (JPN) trifft, einiges vorgenommen.

Doch auch wenn er den London-Hattrick geschafft hat, zur Routine oder Gewohnheit ist dieser groß aufgezogene Event mit täglich zwei Sessions zu je 17.500 Zuschauern für ihn nicht geworden. "Nein, das ist ein komplett spezieller Event. Das ist von der Anreise her, wie man sieht, bis zur Abreise komplett außergewöhnlich. Es ist schon richtig schön, dass ich zum dritten Mal dabei bin, vor allem in dem Jahr, weil ich es mir am Anfang vom Jahr zum Ziel gesetzt habe", sagte Thiem. Zudem habe es 2018 doch auch einige Höhen und Tiefen gegeben und er habe sich einige Zeit auch außerhalb der Top 8 befunden.

"Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, auch wenn es eine Last-Minute-Qualifikation war." Die Tatsache, dass danach mit Juan Martin Del Potro (ARG) und Rafael Nadal (ESP) noch zwei Topstars verletzt absagen mussten, und er es ohnehin geschafft hätte, spielt da keine Rolle. "Ich war dann schon um einiges entspannter, als Federer gegen Nishikori gewonnen hat (in Paris-Bercy, Anm.)."

Vor zwei Jahren habe er es nur geschafft, weil Nadal abgesagt hat. Doch manchen damaligen Unkenrufern zum Trotz meint Thiem: "Jeder, der hier dabei ist, hat es sich verdient, weil im Endeffekt ist es auch eine Qualität, fast das ganze Jahr über fit zu sein. Wenn manche das nicht schaffen, schaffen es halt andere so wie jetzt Nishikori oder Isner."

Thiem ist mit höheren Ansprüchen als zuletzt zu seinem dritten Masters angereist. Ein einzelner Round-Robin-Sieg wie 2016 gegen den Franzosen Gael Monfils und im Vorjahr über den nach einem Match durch Pablo Carreno Busta (ESP) ersetzten Rafael Nadal möchte Thiem 2018 mehr. Im Vorjahr hatte er im letzten Gruppen-Duell mit dem späteren Finalisten David Goffin um den Aufstieg ins Halbfinale gegen Roger Federer gespielt. Dieses Jahr hat er den Schweizer Superstar in seiner Gruppe.

Doch Thiem eröffnet zunächst einmal gegen den Südafrikaner Anderson. Der Wien-Sieger hatte von 2014 bis 2017 die ersten sechs Duelle gegen den Niederösterreicher gewonnen, aber in diesem Jahr gelang Thiem mit zwei Siegen ohne Satzverlust die Trendumkehr: Im Halbfinale des Masters-1000-Turniers auf Sand mit 6:4,6:2 und - noch wertvoller - auf Hartplatz im US-Open-Achtelfinale mit 7:5,6:2,7:6(2).

Die Ausgangslage ist nach seinem bisher besten Profi-Herbst auch für ihn "komplett anders". "Die positiven Sachen haben bei den US Open begonnen und das habe ich bis jetzt weitertragen können", erklärte Thiem. "Ich hoffe, dass ich meine gute Form bestätige. Es ist von einem sang- und klanglosen Ausscheiden in der Gruppenphase bis hin zum Turniersieg alles möglich. Das gilt für jeden Spieler."

Was Thiem gerne verhindern würde, ist eine Wiederholung von 2016 und 2017. "Da war ich immer schon im zweiten Match mit dem Rücken zur Wand. Das will ich vermeiden. Ich will das Match morgen unbedingt gewinnen, aber das kann man nicht planen. Es kommt auch auf die Tagesverfassung von uns beiden an."

Als Vorteil für sich sieht er die größere Erfahrung in der O2-Arena, denn Anderson ist ja mit 32 Masters-Debütant. "Ich hoffe, dass ich das ausnutzen kann." Das Gute am Round-Robin-Modus ist aber freilich, dass man auch trotz einer Niederlage noch alle Chancen hat. "Man fühlt sich zwar ein bisserl schlecht, aber ich habe sofort wieder den Fokus auf die nächste Partie gehabt", erinnerte sich Thiem.

Das Ziel ist vorgegeben: überstehen der Gruppenphase. "Genau, das zum ersten Mal zu erreichen, ist das ganz große Ziel. Aber es wäre auch kein Weltuntergang, wenn ich es nicht schaffe, weil dann hätte ich Partien gegen ganz starke Gegner verloren. Das wäre sicher nicht so bitter, als wie wenn ich bei einem Grand Slam früh ausscheide."

Quelle: APA

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