Tennis

Thiem muss sich steigern, um Muster zu übertreffen

Dominic Thiem visiert sein viertes French-Open-Viertelfinale in Serie an. Österreichs Tennisstar sieht sich nach dem bisherigen Turnierverlauf gegen Gaël Monfils aber nicht als Favorit.

Dominic Thiem hat den ersten Teil der Pflicht erledigt. Will er bei den French Open zumindest seine Setzung als Nummer vier bestätigen, dann warten bis zum Halbfinale noch zwei dieser Aufgaben. Wobei jene im Achtelfinale gegen Gaël Monfils heute, Montag (3. Match nach 11 Uhr/live ORF Sport+), die bisher größte Herausforderung wird. Österreichs Tennisstar ist bewusst, dass er sich wohl weiter steigern muss, um auch den französischen Publikumsliebling zu eliminieren. Beim 6:3, 4:6, 6:2, 7:5 in Runde drei gegen Pablo Cuevas zeigte er sich verbessert, "aber ganz zufrieden bin ich noch nicht", erklärt der 25-jährige Titelmitfavorit.

"Es gab sehr gute, aber auch sehr schlechte Phasen. Es war mein bisher sicher bestes Match in Paris. Aber es ist auch klar, dass ich konstanter werden muss, wenn ich Monfils schlagen will", sagt Thiem, der sich gegen den Weltranglisten-17. daher nicht in der Favoritenrolle sieht. Er weiß, dass er sich verschenkte Games wie jenes zum Satzausgleich gegen Cuevas ab sofort wohl nicht mehr leisten darf. Wobei auch der Franzose eine oft unberechenbare "Wundertüte" ist. In dessen aktueller Form erwartet Thiem ihn angriffslustig. "Er spielt oft defensiv und viel auf Konter, aber derzeit hat er das Selbstvertrauen, dass er riskieren wird."

"So schlimm wird es schon nicht sein"

Wie immer sich das Match gestaltet: Auf dem modernisierten Court Philippe Chatrier werden die meisten der 15.000 Zuschauer im größten Stadion in Roland Garros auf der Seite des Franzosen sein. "Solche Situationen habe ich jetzt schon oft erlebt. Damit kann ich umgehen. Mir ist lieber, es ist ein volles Stadion gegen mich, als dass das Stadion halbleer ist. So schlimm wie in New York gegen Del Potro wird es schon nicht sein", erinnerte er lächelnd an jene schmerzvolle Achtelfinal-Niederlage bei den US Open 2017, als er 2:0 in Sätzen geführt hatte und gegen einen bis dahin körperlich wankenden Argentinier noch verlor.

Fakt ist, dass Thiem gegen den extrovertierten Showspieler eine 4:0-Bilanz aufweist, wobei die beiden eigentlich schon in ihr achtes Duell gehen. Drei Mal allerdings konnte einer der beiden verletzt nicht antreten. "Und in den vier Spielen waren wir beide nicht auf unserem höchsten Niveau. Es wird also ein ganz anderes Match." Monfils hat in den ersten drei Runden gegen den Japaner Taro Daniel sowie gegen seine Landsmänner Adrian Mannarino und Antoine Hoang noch keinen Satz abgegeben. Thiem seinerseits gegen Tommy Paul, Alexander Bublik und eben Cuevas schon deren drei.

Am Sonntag stand eine rund eineinhalb stündige Einheit mit Coach Nicolas Massu auf dem Programm, der auch oft als Trainingspartner agiert. Gefragt, was sich seit dem Wechsel von Günter Bresnik zum Chilenen am meisten verändert habe, sagt Thiem: "Wir gehen analysieren jetzt noch viel genauer den nächsten Gegner. Er stellt mich da sehr gut ein." Außerdem sei die mentale und emotionale Unterstützung aus der Betreuer-Box essenziell. Massu und Co. springen bei jedem wichtigen Punkt auf, der Blickkontakt ist ständig vorhanden. "Man hat wieder gesehen, was für eine Energie von oben gekommen ist, das war schon wichtig", erklärt Thiem in Bezug auf das Cuevas-Match.

Musters Marke bedeutet Thiem nicht viel

Thiem gehört zu jenen Spielern, die viele Statistiken kennen. Ungefragt zählt er die Ergebnisse seiner Gegner auf. Und auch viele Zahlen von Österreichs Legende Thomas Muster sind ihm geläufig. So wusste er, dass er bei einem Sieg über Monfils mit seinem vierten Viertelfinale (in Serie) seinen Landsmann überholen würde. Bedeuten würde ihm dieser Vergleich aber nicht zu viel. "Auch wenn er etwas überraschend nur drei Mal hier im Viertelfinale war. Er hat das Turnier dafür ein Mal gewonnen und war die Nummer eins der Welt. Das ist dann noch einmal eine andere Hausnummer. Und so nebenbei fehlen mir auch noch 31 Turniersiege", sagt der 13-fache ATP-Titelträger. Gewinnt Thiem, wartet im Viertelfinale entweder Juan-Martin Del Potro oder Karen Chatschanow.

Während Thiem in entspannter Atmosphäre mit einem Tag Verspätung mediale Auskunft gab, sorgte Robin Haase für Gelächter, als er die Gesprächsrunde crashte. "Entschuldigung, aber ich brauche diesen Sessel hier und zwar jetzt sofort", sagte der niederländische Profi in Anspielung auf die am Samstagabend unterbrochene Pressekonferenz (siehe Netzroller).

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