Tennis

US-Open-Sieger Dominic Thiem landete "müde, aber umso glücklicher" in Österreich

Nach seinem Triumph bei den US Open kehrte Dominic Thiem am Dienstag nach Österreich zurück. In Wien gewährte der Grand-Slam-Sieger einen Einblick in seine Gefühlswelt und richtete den Blick bereits in die Zukunft.

Am Dienstag in der Früh ist Dominic Thiem wieder in Österreich gelandet. "Müde, aber umso glücklicher", und mit der fast obligaten Verspätung eines Superstars stellte sich der US-Open-Sieger dann auf dem Tennisplatz im UniCreditCenter in Wien den Fragen der Journalisten. 36 Stunden nach seinem Finaltriumph über Alexander Zverev sprach der 27-Jährige unter anderem über ...

Final-Thriller

Die nervliche Anspannung hat ihn selbst überrascht. "Ich war so nervös wie noch nie zuvor. Als würde ich Blei am Körper tragen. So habe ich mich nicht gekannt. Das hat man knapp zwei Sätze lang auch gesehen", sagt Thiem. Wie sich das Match dann entwickelt hat, mit den vielen Wendungen und vor allem dem verrückten fünften Satz, bezeichnete auch Thiem als "nicht zu überbietende Dramaturgie." Er gestand, dass ihn Gedanken, eine große Chance zu verpassen, das gesamte Spiel über begleitet hätten. "Als ich nach dem Matchball auf dem Boden gelegen bin, das Gefühl war dann dafür unbeschreiblich."

Wertigkeit

Kritische Stimmen, dass das Fehlen von Rafael Nadal und Roger Federer den Wert eines Grand-Slam-Titels mindern würden, lässt Thiem nicht gelten. Im Gegenteil, führt er die besonderen Umstände an, die er meistern musste. "Als Novak Djokovic disqualifiziert wurde, hat sich der Druck erhöht. Auch die Tatsache, dass ich mich vier Wochen lang nicht frei bewegen konnte und nur das Hotel und die Tennisanlage gesehen habe, war eine extreme Herausforderung. Zudem habe ich im Turnier davor katastrophal gespielt. Daher würde ich diesen Titel in mentaler Hinsicht sogar noch wertvoller einschätzen, als wenn es ein ganz normales Grand-Slam-Turnier gewesen wäre", erklärt er.

Fitness

"Ich war topfit. Die Krämpfe im Finale waren rein die Folge aus der nervlichen Anspannung und daher schon ein paar Stunden nach dem Match kein Thema mehr." Auch die Achillessehne soll bis zu den French Open (in knapp zwei Wochen) kein Problem mehr darstellen. Die Müdigkeit konnte er bisher mit dem emotionalen Ausnahmezustand bekämpfen: "Ich bin richtig paniert, weil ich in den vergangenen 50 Stunden nur zwei Stunden im Flugzeug geschlafen habe. Das nehme ich aber gern in Kauf."

Euphorie

Keine Fans im Stadion, dafür umso mehr vor den TV-Schirmen in der Heimat. Thiem entging das auch in New York nicht. "Ich merke natürlich, dass das Interesse steigt. Es gibt auch Auftrieb, dass viele Zuschauer vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken." Das sieht er als eine der wichtigsten Folgen seines Erfolgs. "Für den Sport und das Tennis speziell in Österreich. Wenn dadurch mehr Leute Tennisspielen, dann macht mich das glücklich. Es ist nämlich ein schöner Sport, egal in welchem Alter. Angefangen bei den Kindern."

Freiheit

Das Leben in der Blase hat an ihm gezehrt. Am meisten freue er sich nun auf das, was er vier Woche lang nicht hatte. "Das, was man sich nicht kaufen kann: Auf die Zeit mit meiner Familie und den Freunden, auf das Bewegen in der Natur, auf die Couch daheim. Ich werde einfach die Freiheit wieder genießen."

Nummer eins

Die Nummer eins der Weltrangliste zu werden, ist für Thiem nur ein sekundäres Ziel. "Natürlich schwirrt das in meinem Kopf herum. Aber die großen und größten Turniere zu gewinnen, das ist mir wichtiger." Im Gegensatz zu vielen Experten sieht er die Wachablöse noch nicht kommen. "Djokovic und Nadal sind weiter die, die es zu schlagen gilt. Auch in Paris sind sie die Topfavoriten." Was er dort in schon knapp zwei Wochen von sich selbst erwarten darf? "Ich weiß es nicht. Es kommt drauf an, wie lange ich brauche, um das alles mental zu verarbeiten."

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