Verneigung vor Hirscher und einer WM wie dieser

Marcel Hirscher macht Österreich zur Nummer eins in St. Moritz. Die Ski-WM hat aber nicht nur durch den Ausnahmekönner begeistert.

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Sport | Fußball, Eishockey, Skifahren und Co. Christian Mortsch

Der Beste hat es wieder einmal gerichtet. Marcel Hirscher hat Österreich im Medaillenspiegel dahin gebracht, wo die Skination Nummer eins ihre Ansprüche befriedigt sieht. Mehr noch, denn außer mit dem Salzburger ist man mit weniger Siegfahrern gesegnet als in vergangenen Tagen - und eben dennoch die Nummer eins. Für Hirscher selbst gehen ohnehin die Superlative aus. Der Zuschauer staunt, die Konkurrenz verneigt sich vor einem Ausnahmeathleten.

Der Sportfan bekam in den vergangen zwei Wochen in und aus St. Moritz das serviert, wofür Sport stehen soll. Für Wettkampf, der die Show ganz allein bietet. Für Begeisterung, die keinen Gigantismus braucht. Für Werte wie Leistung und Fairness ganz ohne Doping- oder Korruptionsskandale. Das Postkartenwetter an den meisten Tagen hat seines dazu beigetragen. Das größte Glück für die Veranstaltung - das darf man nicht vergessen - hatte nichts mit dem Sport zu tun. Bei der Flugshow, wo ein Jet der Schweizer Luftwaffe ein Kameraseil im Zielraum gekappt hatte, ist man wohl nur um Meter einer unvorstellbaren Tragödie entkommen. Nicht auszumalen, wenn das Flugzeug in die vollbesetzte Tribüne stürzt.

Abgesehen davon kann die Ski-WM in der Schweiz unter dem Motto "Zurück zu den Wurzeln" kein besseres Beispiel für Großevents sein. Ob sich Olympische Spiele daran aber überhaupt ein Beispiel nehmen wollen, darf bezweifelt werden. Finanzielle Interessen stehen beim Milliardengeschäft an erster Stelle. Die Basis dafür kommt immer öfter aus Ländern, wo Geld keine Rolle spielt. Kleine Länder wie die Schweiz kapitulieren im Konkurrenzkampf schon vorzeitig. So passiert vergangene Woche in St. Moritz, wo rund 60 Prozent der Bevölkerung Graubündens gegen eine Olympiabewerbung stimmten.

Die Messlatte für die nächste Ski-WM in zwei Jahren im schwedischen Åre liegt jedenfalls hoch. Und die Chancen, dass sich 2023 Saalbach der Skiwelt präsentieren darf, stehen nicht schlecht. Die Romantiker unter den Sportfans werden sich daher in Zukunft weiter auf Veranstaltungen wie jene in St. Moritz freuen dürfen. Das ist der Vorteil von Randsportarten, und das ist der Skisport weltweit gesehen. Wobei die Wahrnehmung in Österreich, wo 1,7 Millionen Zuschauer bei der WM-Abfahrt vor dem Fernseher sitzen, natürlich eine andere ist und immer sein wird. Dem Skitourismus und Skilegenden wie aktuell Marcel Hirscher sei Dank. Und Veranstaltungen wie jenen in Kitzbühel, Schladming, Flachau, Zauchensee und eben in St. Moritz sei Dank.




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