Wintersport

20 Jahre Schladming: Ein Hang für Geschichte(n)

Vor 20 Jahren eher aus Zufall geboren, wurde der Nachtslalom von Schladming zu einem absoluten Höhepunkt im Ski-Weltcup. Wir erinnern uns an die außergewöhnlichsten Nächte.

50.000 Fans in Schladming und der Beginn vieler Karrieren.  SN/gepa
50.000 Fans in Schladming und der Beginn vieler Karrieren.

Eigentlich begann alles mit einer Rennserie, die es heute nicht mehr gibt: Anfang der Neunziger Jahren gastierte die US-Profi-Tour mit Flutlicht-Parallelslaloms auf der Planai (mit einem Gastfahrer Hermann Maier), was dem ÖSV zwar missfiel, aber wachgerüttelt hat. Am 30. Jänner 1997 stieg der erste aller Nachtslaloms in Schladming, den Albert Tomba gewonnen hat. Der großartige Italiener gewann auch im Jahr danach - doch da waren schon 35.000 Zuschauer an der Strecke. Ein Klassiker war geboren. Nicht das einzige Highlight:

Der Superman: Am 7. Jänner 1999 ging der Stern des Tirolers Benjamin Raich im Nachtslalom auf. Raich lag nach dem ersten Lauf scheinbar hoffnungslos mit 1,29 Sekunden auf Rang 23 zurück. Als er mit der Gondel nach oben fuhr und die 35.000 Fans sah, dachte er: "Was muss da los sein, wenn man da gewinnt." Eineinhalb Stunden später wusste er es, er gewann - und als er bei der Pressekonferenz den Rennanzug öffnete, staunten alle: Da saß ein junger Bursch im Superman-T-Shirt. Die Reporter waren begeistert, Raich hatte die Schlagzeilen, aber die Wahrheit verriet er erst neulich: "Es war das letzte saubere T-Shirt, das ich mithatte."
Immer wieder Benni: Raich sollte noch drei Mal hier gewinnen, am emotionalsten 2007. Jens Byggmark kam mit zwei Slalomsiegen aus Kitzbühel (nach Abfahrts-Absage), galt als unschlagbar, doch Raich entriss ihm den Sieg. "Einer meiner schönsten Sieg, denn es waren zwei perfekte Läufe."

1999 ging der Stern von „Superman“ Benjamin Raich in Schladming auf.  SN/gepa
1999 ging der Stern von „Superman“ Benjamin Raich in Schladming auf.

Bodes Ausreißer: Die Slaloms, bei denen Bode Miller ins Ziel kam, sind überschaubar. Doch 2002 stand er im Scheinwerferlicht, er gewann den Nachtslalom, fuhr als Favorit zu den Olympischen Spielen - und scheiterte.

Herbst und sein Doppel: Jänner 2009: Reinfried Herbst gibt im Slalom das Tempo vor, doch mit dem ersten Sieg will es nicht klappen. In Kitzbühel scheidet er nach Bestzeit aus. "Dann gewinne ich am Dienstag in Schladming", meint er trotzig - und hält Wort: Er siegt mit zwei klaren Laufbestzeiten und 1,16 Sekunden Vorsprung auf Manfred Pranger, 50.000 Fans flippen aus. 2010: Wieder scheitert Herbst in Kitzbühel in Führung liegend. "Egal, ich mache es wie im Vorjahr", meint Herbst. Tatsächlich: Herbst fängt den überlegen führenden Manfred Pranger noch ab und siegt.

Kristoffersens Premierensieg: Jänner 2014: Der ganze Weltcup spricht vom Duell Hirscher gegen Neureuther - bis in Schladming ein völlig neuer Stern aufgeht. Henrik Kristoffersen feiert mit nur 19 Jahren seinen ersten Sieg. "Den Namen Kristoffersen muss man sich gut merken", kommentieren die SN.

Hirschers Blindflug: Hirscher und Schladming, das ist noch nicht die große Liebe. Bei der Premiere schied er aus, es gab nur einen Sieg (2012). Im Vorjahr fährt er mit einem vom Servicemann verkehrt eingesetzten Brillenglas im Blindflug. Hirscher ist schon im Hotel, als er erfährt, dass er doch für Lauf zwei qualifiziert ist - und schafft mit Laufbestzeit noch Rang zwei.

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