Wintersport

45 und kein bisschen müde - Riegler nicht bereit für "Cut"

Fast zwanzig Jahre liegen zwischen dem ersten und dem bis jetzt sechsten und letzten Weltcupsieg von Snowboarderin Claudia Riegler. Der Triumph am Dienstagabend im Flutlicht-Parallel-Slalom von Bad Gastein war ein ganz besonderer für die 45-jährige Salzburgerin, sie reihte ihn gleich nach WM-Gold 2015 am Kreischberg und sprach von einem "genialen Beginn des neuen Jahres".

Riegler startete perfekt ins neue Jahr SN/APA/EXPA/JFK
Riegler startete perfekt ins neue Jahr

Nach dem verpatzten Start in die Weltcupsaison mit zwei verpassten Finalqualifikationen im Parallel-Riesentorlauf schaffte Riegler im Countdown für die WM in Utah ausgerechnet vor Heimpublikum den Turnaround. Am Mittwoch schied sie im Mixed-Teambewerb mit Andreas Prommegger nach einem schweren Patzer bereits im Achtelfinale aus, das ließ sich angesichts der Glanztat am Vorabend aber verschmerzen.

Ihr Debüt im Weltcup gab Riegler am 24. November 1994 in einem Parallel-Slalom in Zell am See (14.), 332 Rennen dieser Leistungs-Kategorie hat sie nun bereits in den Beinen. "Die zwei Ausfälle am Beginn dieser Saison waren nicht so einfach zu verkraften. Da waren schon Zweifel, wenn du ein drittes Mal ausscheidest, dann ist es echt blöd für den Kopf", gab Riegler zu. Den Entschluss, weiterzumachen, hatte sie aber nie bereut. "Gar nicht. Ich war im Training schnell, wusste, ich bin gut drauf. Im Slalom habe ich mich schon viele Jahre nicht mehr so wohlgefühlt wie jetzt."

Also nahm sie sich vor, als Qualifikations-Beste in das Finale zu gehen, und so kam es dann auch. "Es hat alles perfekt zusammengepasst. Die Hymne habe ich einfach nur genossen. Ich habe mir gedacht, jetzt kommt dann eh voll der Trubel. Ich habe über den ganzen Tag nochmals nachgedacht. Die kleinen Visionen, die ich hatte, haben sich bestätigt."

Im nahen Flachau "ein Bier" zum einen angesichts der Schneemassen auf die braven Streckenarbeiter, andererseits auf den Erfolg ihrer Schwester trank Manuela Riegler. Sie ist seit diesem Winter die Medienbetreuerin der österreichischen Alpinski-Damen und war beim Flutlichtslalom im Einsatz. Seit ihrem Karriereende 2010 begleitet die ehemalige zweifache Snowboard-Weltcupgesamtsiegerin ihre ältere Schwester auf deren Wettkampf-Tour. Wegen des neues Jobs kann die 44-Jährige aber nicht mehr immer mit dabei sein.

Gedanklich ist sie das aber freilich, am Liveticker war sie mit dabei. Ein lachendes und ein weinendes Auge habe sie gehabt, denn so gerne hätte sie danach ihre Schwester in die Arme genommen. "Wir sind sehr eng miteinander verbunden, wir spüren, was die andere denkt", sagte Manuela Riegler im APA-Gespräch. Und erinnerte an ein Erlebnis bei der WM 2015, bevor Claudia die Goldmedaille im Parallel-Riesentorlauf im Lachtal gewann und damit ihren Medaillensatz nach Silber und Bronze 2011 in La Molina komplett machte.

"Ich habe im Lachtal am Lift zu ihr gesagt, heute ist ein guter Tag, ich habe das gespürt. Sie hat sich daraufhin selbst den Finger auf die Lippen gelegt und mir damit gedeutet, sie will nicht drüber reden. Denn sie hat es selbst auch gespürt. Sie hat es am Dienstag in Bad Gastein ähnlich gespürt wie bei der WM. Sie wusste, dass der Tag funktionieren wird. Sie wusste, sie hat im Slalom wieder ihr Material gefunden. Sie hat jetzt genau, was sie braucht."

Im Teambewerb am Mittwoch hatte Claudia wieder die Unterstützung von Manuela, die wie ihre Schwester trotz des zähen Saisonauftakts ruhig gelieben war. "Claudia hat immer Startschwierigkeiten, sie fängt immer erst im Jänner so richtig an." Manuela ist es auch, die Claudia schon öfters gesagt hat, sie soll nicht auf die Stimmen von außen hören. Jene nämlich, die fragen, warum hört die nicht endlich auf, die ist ja schon so alt, die kann ja keine Leistung mehr bringen.

"Das Geile ist, sie hat alles widerlegt. Sie wurde mit 41 Weltmeisterin und ist mit diesem Sieg jetzt in die Geschichte eingegangen. Ich sage ihr, fahr so lange du Freude und Leidenschaft hast. Das Leben danach ist auch toll, aber es ist wirklich komplett anders. Es ist ein Cut für immer. Es kann keiner entscheiden, wie lange du fährst, nur du selbst." Und bis jetzt habe Claudia nie gezweifelt, auch nicht, als diese zwischendurch einmal kaderlos gewesen sei.

Und bis der Moment des Aufhören gekommen ist, wird Manuela nach Möglichkeit für Claudia bei Bewerben da sein, mit ihr den Kurs besichtigen, für sie den Rucksack tragen, die Jacke, ihr auf den Rücken klopfen und sagen, bis zum Start sind es nur noch fünf Läuferinnen, die Schwester etwas abschotten, damit diese im Fokus bleiben kann. "Manchmal geht es einfach nur darum, dass ich als Person da bin. Ich mache das, was sie braucht."

Quelle: APA

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