Wintersport

Alice im Wunderland - Erster Sieg von "Kiwi" Robinson

Mit nur 24 Jahren von der eigenen Vergangenheit eingeholt zu werden, geschieht nicht oft. Mikaela Shiffrin ist das Samstag in Person von Alice Robinson passiert. Wie sie selbst Ende 2012 in Aare gewann die Neuseeländerin nun in Sölden mit erst 17 Jahren sensationell ihr erstes Weltcuprennen. "Es ist wie eine Zeitreise", fühlte sich die geschlagene Favoritin erinnert. "Ein Super-Job von Alice!"

Mit erst 17 Jahren zum ersten Weltcup-Sieg SN/APA (EXPA/Groder)/EXPA/JOHANN GR
Mit erst 17 Jahren zum ersten Weltcup-Sieg

Die im Vorfeld des Saison-Auftakts in Sölden aufgetauchte Frage, wer den Ski-Superstar aus den USA im Riesentorlauf schlagen könne, beantwortete sich gleich am Samstag auf dem Rettenbach-Gletscher. Nach Platz zwei zur Halbzeit genügte dem Sensations-Teenager im Finale freilich die 14. Laufzeit, um Shiffrin (18.) noch um 6 Hundertstel abzufangen. Es war der erst sechste Weltcupsieg für Neuseeland, der erste im Riesentorlauf. Für die anderen hatten Annelise Coberger (1) bzw. die für Neuseeland fahrende Salzburgerin Claudia Riegler (4) jeweils im Slalom gesorgt.

"Bloooooooody awesooooome", postete Riegler am Samstag prompt auf Facebook. "Ich bin immer noch geschockt", meinte Robinson bei der Sieger-Pressekonferenz im Gletscher-Pressezentrum auf 2.600 Metern. "Es wird bestimmt eine Zeit dauern, bis das sinkt", ergänzte die 17-Jährige, die in Sydney in Australien geboren, aber mit vier Jahren nach Neuseeland übersiedelt und dort in Queenstown aufgewachsen ist.

Ihr Premierensieg wird immer verbunden sein mit dem Halbfinal-Aus der All Blacks am Samstag bei der Rugby-WM in Japan. "Darüber bin ich total traurig. Umso mehr hoffe ich, dass mein Sieg für positive News sorgt", sagte Robinson. Im Finale habe sie nicht mehr taktiert. "Es war so eng, ich konnte nur angreifen."

So groß die Überraschung auch war, die wirklich ganz große Sensation ist der Sieg Robinsons nicht. Denn der Teenager hatte schon bei der Februar-WM in Schweden mit Laufbestzeit im zweiten RTL-Durchgang sowie dann Platz zwei beim Weltcup-Finale in Soldeu - hinter Shiffrin - sein Riesen-Potenzial aufgezeigt. Dazwischen war Robinson im Fassatal mit über einer Sekunde Vorsprung Junioren-Weltmeisterin im RTL geworden.

Seit diesem Oktober ist sie deshalb auch im Athleten-Projekt von Red Bull, teilt sich dort den Physio-Therapeuten mit Henrik Kristoffersen und bekommt auch Hilfe beim Organisieren ihrer Europa-Basis in Italien. Ihr Head-Coach Chris Knight hat früher US-Asse wie Julia Mancuso oder Lindsey Vonn trainiert. "Selbst wenn ich ganz weit greife, sehe ich keine fünf Läuferinnen, die so einen Schwung fahren können wie Alice", lautet das Urteil des ehemaligen ÖSV-Coaches Robert Trenkwalder, der das Athletenprojekt leitet.

Robinson hat sogar die einstige Pressesprecherin Vonns übernommen und die hatte in Sölden aufgrund der vielen Anfragen gleich ganz viel zu tun. Auf Robinson kommen jetzt harte Tage zu. Schon am Montag flog die Sölden-Siegerin für eine Woche zurück nach Neuseeland, um ihre Schule zu beenden. Wenn sie wiederkommt, wird sie auch ihr Repertoire erweitern. In St. Moritz ist ein Antreten im Super-G geplant.

Shiffrin gestand ein, dass sie diesmal in Sölden womöglich keine ganz perfekte Leistung abgeliefert habe. "Bei mir war sicher noch Luft nach oben. Aber Alice ist wirklich fantastisch gefahren", gratulierte die Amerikanerin und versicherte, auch über Platz zwei beim Saisonauftakt absolut "happy" zu sein. Die Gefühle Robinsons könne sie erahnen. "Der erste Weltcupsieg ist immer so, als ob er erst gestern passiert wäre."

Die Frage, wie es sei, von einer blutjungen Läuferin geschlagen worden zu sein, beantwortete Shiffrin mit Humor. "Willst du sagen, dass ich alt bin?" scherzte sie. Auch für die dreifache Weltcup-Gesamtsiegerin war der Sieg Robinsons aber keine wirkliche Überraschung. "Man konnte schon im Vorjahr sehen, dass sie auf dem Weg zu einer wirklich starken Skifahrerin ist. Ich mag, wie sie Ski fährt. Dass sie heute gewonnen hat, ist aufregend."

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