Wintersport

"Alter Knacker" Reichelt will es Jungen nochmals beweisen

Zum ältesten Alpinski-Weltmeister der Geschichte ist Hannes Reichelt schon geworden, als er vor zwei Jahren in Beaver Creek die Goldmedaille im Super-G gewann.

Reichelt fühlt sich noch nicht zu alt.  SN/APA (EXPA/Groder)/EXPA/JOHANN GR
Reichelt fühlt sich noch nicht zu alt.

Der Salzburger hätte nichts dagegen, diesen Rekord in St. Moritz noch zu toppen, im Super-G am Mittwoch und der Abfahrt am Samstag bekommt er gleich zweimal die Chance dazu.

Als Titelverteidiger am Start zu stehen, macht Reichelt mehr Freude als Druck, wie er versicherte. "Es ist weniger Druck da, als wenn ich den Titel nicht hätte. Aber irgendwie möchte ich doch den Jungen beweisen, dass der alte Knacker mit 36 auch noch mithalten kann." Hat er zuletzt bereits als Gewinner der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen getan, im Super-G war er in Santa Caterina Zweiter.

Sich selbst mache er den Druck, "ordentlich" Ski zu fahren, das müsse er bewältigen. Ansonsten werde man mit dem Alter ein bisserl relaxter. "Alles was von außen reinkommt, lässt einen ziemlich kalt. Man konzentriert sich nur auf Sachen, die vor einem stehen."

Reichelt ist der Einzige aus der St. Moritzer ÖSV-Mannschaft, der bereits 2003 bei der letzten WM in ebendort am Start war. Das ist 14 Jahre her, 22 Lenze zählte er. Er bestritt den Super-G, beendete das Rennen aber nicht. Es siegte Stephan Eberharter überlegen mit 0,77 Sekunden Vorsprung auf die Ex-Aequo-Zweiten Hermann Maier und Bode Miller.

"Wenn ich mich zurückerinnere, dann fällt mir die geniale Pressekonferenz von damals ein", sagte Reichelt. "Das Aufeinandertreffen von Hermann und Steff. Da mittendrin zu sitzen. Vor so vielen Kameras so eine Pressekonferenz habe ich nie wieder erlebt. Auch wenn ich bei dem Rennen nicht ins Ziel gekommen bin, das war ein Erlebnis." Und die einzige Frage an ihn, an die er sich erinnere, sei gewesen, wen er besser einschätze, den Eberharter oder den Maier.

Die legendäre Pressekonferenz, auf der das österreichische Super-G-Team bekanntgegeben wurde, trug den Titel "Hermann Maier und ein Teil des österreichischen Teams". 100 schreibenden Journalisten, rund zehn TV-Stationen und dutzenden Fotografen waren im Hotel Laudinella anwesend.

Nach einem minutenlangen Blitzlichtgewitter sprach der "Herminator" seine ersten Worte: "Das hier ist ja fast wie, wenn Präsident Bush zur Lage der Nation Stellung nimmt." Reichelt wird in der APA-Meldung von damals übrigens wie folgt zitiert: "Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich hier bei dieser Pressekonferenz sitze, hätte ich ihm den Vogel gezeigt."

Die Medientermine heutzutage laufen für gewöhnlich ruhiger ab. So nahm sich Reichelt reichlich Zeit für Fragen nach der Favoritenrolle, dem Druck und der Goldfahrt von vor zwei Jahren. "Die habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das ist ein ganz anderer Hang, eine andere Piste, das kann man nicht vergleichen. Und das Gefühl von Beaver Creek hilft hier auch nicht. Da schaue ich mir lieber die Fahrt von Beat Feuz vom Weltcupfinale hier an. Taktisch genial an den schwierigen Stellen", sagte Reichelt, fügte aber an, vielleicht doch noch einen Blick in altes WM-Videomaterial aus den USA werfen zu wollen.

Die Schweizer hätten aufgrund des exklusiven Trainings auf der WM-Strecke einen "Riesenvorteil", meinte Reichelt. Das werde nicht so leicht. "Da muss ich mir noch mehr Mühe geben, dass es passt."

Quelle: APA

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