Wintersport

Anna Veith - ein Comeback, viele Vorbilder

Anna Veith kehrt heute auf die Rennpiste zurück. Mit freilich (noch) bescheidenen Zielen. Das kann sich ändern, wie die Comeback-Geschichten einiger Ski-Größen zeigen.

Anna Veith blickt gespannt ihrem Comeback entgegen. Hermann Maier, Marlies Schild und Aksel Lund Svindal standen vor einer ähnlichen Herausforderung. SN/GEPA pictures
Anna Veith blickt gespannt ihrem Comeback entgegen. Hermann Maier, Marlies Schild und Aksel Lund Svindal standen vor einer ähnlichen Herausforderung.

431 Tage nach ihrem folgenschweren Trainingssturz mit multiplen Sehnen- und Bänderrissen im Knie und gar 647 Tage nach ihrem letzten Rennen kehrt Österreichs Skistar Anna Veith heute, Dienstag (9.45/13 Uhr), beim Riesentorlauf am Semmering in den Weltcup zurück. "Wenn ich daran denke, wie es mir gehen wird, wieder im Starthaus zu stehen, und meinen Herzschlag im ganzen Körper spüre, kann ich meine Emotionen kaum innehalten", erklärt die Salzburgerin ihr Gefühl vor dem herbeigesehnten Comeback.

Die 27-Jährige hatte sich die Entscheidung über den Zeitpunkt des Starts in ihre "zweite Karriere" nicht leicht gemacht und weiß: "Ja, jetzt braucht es ein großes Stück Mut." "Mein Ziel ist es, ein paar lässige Schwünge in den Schnee zu zaubern, nicht mehr und nicht weniger." Denn körperlich sei sie noch lange nicht wieder auf demselben Level wie vor der Verletzung, doch habe es in den vergangenen Wochen deutliche Fortschritte im Training gegeben. "Daher fühle ich mich bereit." Sie könne es kaum erwarten.

Apropos Erwartungen: Diese lässt die zweifache Gesamtweltcupsiegerin, Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin bewusst nicht in den Himmel wachsen. Ein Blick auf Comebacks von Ski-Größen einst und jetzt zeigt, dass Ausnahmekönner meist wieder an ihr Leistungsniveau anschließen können, wenngleich nicht auf Anhieb.

Hermann Maier: Als dreifacher Gesamtweltcupsieger (41 Siege) sowie je zweifacher Olympiasieger und Weltmeister war der Salzburger längst einer der erfolgreichsten Skifahrer, als im August 2001 ein Motorradunfall seine Karriere zu beenden schien. Doch sein Bein konnte (in einer Notoperation) gerettet werden - und damit auch der endgültige Eintrag in die Geschichtsbücher. Sein erstes Rennen bestritt er 509 Tage nach dem Unfall im Jänner 2003. Als 31. verpasste er im Riesentorlauf von Adelboden den zweiten Durchgang. Nur weitere 13 Tage später war das bis dato vielleicht größte Ski-Comeback dank eines Siegs im Super G von Kitzbühel perfekt. Zwölf Siege, eine große Kristallkugel sowie je zwei Olympia- und WM-Medaillen sollten folgen.

Stephan Eberharter: Der Sensation als Doppelweltmeister von Saalbach 1991 folgte (auch) durch einen Sturz in Gröden 1993, nachdem er mit einer schweren Knieverletzung mehr als eine Saison verpasste, der Fall in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Der Tiroler fiel aus dem ÖSV-Kader und arbeitete sich über den Europacup wieder in den Weltcup, wo seine Karriere erst 1997 wieder, dafür so richtig, an Fahrt gewann. 29 Weltcupsiege, zwei Mal den Gesamtweltcup (2002, 2003), einen kompletten Medaillensatz bei Olympia 2002 sowie WM-Gold 2003 durfte er danach sein Eigen nennen. Aus dem "ewigen Zweiten" hinter Hermann Maier wurde der mit 33 Jahren bisher älteste Gesamtweltcupsieger.

Aksel Lund Svindal: Der Norweger ist ein absoluter Ausnahmekönner, dem trotz 32 Weltcupsiegen, zwei großen Kristallkugeln sowie elf Olympia- und WM-Medaillen bereits drei schwere Verletzungen eine noch erfolgreichere Karriere bisher vereitelten. Comeback Nummer eins: Als regierender Gesamtweltcupsieger (nach einem Herzschlagfinale gegen Benjamin Raich) stürzte Svindal 2007 im Training von Beaver Creek. Mehrere Wochen Krankenhaus, wo ihm wegen der tiefen Schnittwunde sogar ein künstlicher Darmausgang gelegt werden musste, war die Saison vorbei. In der nächsten (2008/2009) setzte sich Svindal wiederum gegen Raich durch und holte mit zwei Punkten Vorsprung den Gesamtweltcup. Comeback Nummer zwei: Im Herbst 2014 riss er sich die Achillessehne und fiel fast die gesamte Saison aus. Im Vorjahr gewann er dann die ersten sieben von neun Speedrennen, kam mit 107 Punkten Vorsprung auf Marcel Hirscher nach Kitzbühel und verließ die Streif nach einem bösen Sturz in der Abfahrt mit einem Kreuzband- und Meniskusriss. In seiner aktuellen Comeback-Saison hat er bereits wieder drei Podestplätze stehen.

Marlies Schild: 20 Weltcupsiege und sieben Olympia- und WM-Medaillen standen zu Buche, als sich die Salzburgerin im Oktober 2008 im Riesentorlauf-Training von Sölden einen Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein sowie einen Bruch des Schienbeinkopfs zuzog. 402 Tage danach fuhr sie im ersten Comeback-Rennen in Levi auf Platz sechs. Sechs Wochen später feierte sie 2009 im Slalom in Lienz ihren ersten Sieg. Über zwei Jahre lang stand Schild dann in jedem Slalom, den sie beendete, auf dem Podest. Olympia-Silber 2010 und 2014 sowie WM-Gold 2011 krönten das Comeback. Mit 35 Siegen ist Schild Slalom-Rekordsiegerin.

Viele ihrer bisher 76 Weltcupsiege durfte auch Lindsey Vonn nach zahlreichen Comebacks feiern. Kann sich auch Anna Veith in diese prominente Riege von Stehaufmännchen einreihen? Die nächsten Wochen, Monate und Jahre werden es weisen.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 03:33 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/anna-veith-ein-comeback-viele-vorbilder-579196

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