Wintersport

Anna Veith: "Manchmal habe ich gefragt: Was tu ich da?"

Zwei Wochen vor dem Weltcupauftakt weiß Anna Veith noch immer nicht, ob sie in Sölden fahren wird - dafür hat sie viel über sich gelernt.

Anna Veith: "Manchmal habe ich gefragt: Was tu ich da?" SN/apa
Anna Veith macht sich Gedanken über ihre Zukunft.

Anna Veith war am Freitag einer der Stars bei der Einkleidung und Modeschau des ÖSV im Salzburger Europark.

SN: Beginnen wir mit der Frage, die Sie an diesem Abend permanent gestellt bekommen: Sind Sie in Sölden dabei?
Veith: Die kann ich leider noch nicht beantworten. Ich muss schauen, wie es mir in den nächsten zwei Wochen geht, und werde mich dann am Tag vor dem Rennen erst definitiv entscheiden.

SN: Das heißt im Umkehrschluss: Es geht Ihnen schon so gut, dass ein Antreten im Bereich des Möglichen ist?
Ja, das heißt es. Die Ärzte sind mit dem Heilungsverlauf sehr zufrieden, mein Knie ist stabil, aber mir fehlt natürlich noch die Belastbarkeit. Da muss ich mich erst herantasten und es ist sofort eine Müdigkeit da, wenn ich das Knie zu sehr belaste. Das Gute ist: Ich merke sofort, wenn es genug ist.

SN: Wie fühlt sich denn die Rückkehr auf Schnee an?
Grundsätzlich super, aber auch gewöhnungsbedürftig. Dass ich wieder auf Ski stehe, das war während der ganzen Regeneration mein Ziel. Aber die Selbstverständlichkeit fehlt noch. Zuschauer, die mit der Materie nicht befasst sind, würden sagen: Der Schwung schaut super aus. Aber ich habe teilweise Probleme, dass ich gerade auf die Tore zufahre. Manchmal dachte ich: Was mache ich da eigentlich? Aber da muss ich mich herantasten. Früher war ich nach ein, zwei Trainingstagen dort, wo ich sein wollte. Heute gibt der Körper das Tempo vor.

SN: Oft sagt man: Auch in einem Unglück liegt ein tieferer Sinn verborgen. Haben Sie einen Sinn für sich gefunden?
Ich lerne derzeit sehr viel über mich selbst. Man sagt ja nicht aus Spaß: Du lernst mehr aus Niederlagen denn aus Siegen. Und wenn ich auf den Sturz blicke: Ja, ich glaube, der Körper nimmt sich die Zeit, die er braucht. Ich habe in Méribel im letzten Saisonrennen den Weltcup gewonnen, das war ein unglaublicher Druck, der sich da aufgebaut hat. Auf dem Weg dorthin habe ich alles aus dem Körper herausgeholt, was gegangen ist. Das geht auf Dauer nicht gut.

SN: Sie haben die Erfolgsmarke "Fenninger" mit Ihrer Hochzeit gegen den Namen Veith eingetauscht. Gab es da nie einen Zweifel?
Nein, den gab es nie. Die Fans, die mich mögen, tun ja das nicht wegen eines Namens, sondern weil sie mögen, wie ich Ski fahre oder wie ich bin. Mir war es immer klar, dass ich bei meiner Heirat einen anderen Namen annehmen werde. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

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