Wintersport

Anreise nach Aare wurde für viele zur Odyssee

Alpinskisportler lieben Schnee - aber nicht unbedingt auf Start- und Landebahnen von Flughäfen. Heftige Schneefälle am Sonntag etwa in München und Stockholm haben die Anreisepläne des Ski-Zirkus zu den am Dienstag beginnenden Weltmeisterschaften in Aare gehörig durcheinandergewirbelt und viele Top-Stars zum Improvisieren gezwungen.

Die Abfahrts-Helden Beat Feuz, mit seiner Tiroler Lebensgefährtin Kathrin Triendl und Töchterchen, und Dominik Paris, Österreichs Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum, Ski-Prinz Hubertus von Hohenlohe und zahlreiche Serviceleute von Skifirmen, Journalisten sowie der Matthias-Mayer-Fanclub landeten erst um 0.30 in der Nacht auf Montag in Östersund. Von dort ging es in Autos noch rund 80 Kilometer durch die tiefwinterliche Landschaft nach Aare weiter.

Eine wahre Odyssee erlebten u.a. der deutsche Kitzbühel-Super-G-Sieger Josef Ferstl, der Südtiroler Christof Innerhofer ("Wo es hingeht? Malediven!") und der Franzose Adrien Theaux. Ferstl verpackte das Ganze in ein gut gelauntes Instagram-Video - inklusive Schafkopf-Spielen, Sushi-Essen und Super-Bowl-Schauen am Stockholmer Flughafen beim Warten auf das Gepäck. Letztlich mussten die Abfahrer in Stockholm in den Zug Richtung Aare klettern, weil längst kein Flieger mehr ging - den letzten hatten Feuz und Co. noch erwischt -, da war es schon weit nach 04.00 Uhr.

Viele hatten am Sonntag ihre Reiseroute ändern müssen, vier Flüge bis zur Destination wurden zur Norm. Da die Mehrheit über Stockholm reisen wollte und dort wegen heftigen Schneefalls bis zum späteren Abend auch nichts ging, war auch aus Frankfurt nicht für alle ein Weiterkommen möglich. Die meisten aber saßen in München fest und kamen dort am Sonntag auch nicht mehr weg. 350 Flüge waren am Sonntag wetterbedingt in München und wegen eines Streiks in Hamburg ausgefallen.

Und es ging am Montag munter weiter mit Absagen. Mit einer erneuten wurde auch Manuela Riegler, die Pressesprecherin der österreichischen Ski-Damen, im eiligst organisierten Hotelzimmer geweckt. Die ehemalige Top-Snowboarderin musste ihre neu zusammengestoppelte Skandinavien-Reiseroute wieder umbuchen, wollte nun von Frankfurt via Aarhus in Dänemark und Stockholm in Schweden nach Trondheim in Norwegen. Von dort sind es nochmals zwei Autostunden nach Aare.

"Gestern war die Stimmung mal kurz am Kippen, weil ich ja eigentlich für meine Mädels in Aare da sein will. Aber meine positive Ader hilft mir, ich war immer zuversichtlich", sagte Riegler zu Austria Presse Agentur. Mit ihr festgehangen war auch Alexandra Meissnitzer, die Ex-Rennläuferin und ORF-Co-Kommentatorin. Ebenso wie etwa Teile des slowenischen Teams rund um Abfahrer Bostjan Kline und die Fans von Ramona Siebenhofer und Stephanie Venier.

Eine erste unmittelbare Reaktion auf die vielen verspäteten Ankünfte - vor allem wegen jener der Medienvertreter - war die Verschiebung der Pressekonferenz von US-Skistar Lindsey Vonn von Montag auf Dienstag. Auch die Pressesprecherin des US-Skiteams, Megan Harrod, hing fest. "Hoffentlich schaffen wir es heute", meinte sie.

Andere durften sich bei ihrem Skiverband bedanken, so Doppel-Olympiasieger Matthias Mayer, Hannes Reichelt und Co. Nach der Absage der Abfahrt am Samstag in Garmisch-Partenkirchen wegen zu viel Neuschnees ging es im Privatjet nach Aare. "Das Rauffliegen ist jetzt auch relaxter, sonst hätten wir schon einen Stress gehabt", hatte Vincent Kriechmayr folgerichtig vorhergesagt. "Ich bin sehr froh, dass sich der ÖSV das ein bisschen was kosten lässt. Es ist sinnvoll investiertes Geld", sagte Reichelt.

Gemeinsam im Privatjet reisten nach den Rennen in Maribor auch Mikaela Shiffrin, Ilka Stuhec, Federica Brignone und Wendy Holdener.

Die vielen Flugausfälle waren den Schneemengen geschuldet, viele Maschinen konnten nicht abheben, weil sie in Stockholm nicht landen konnten. Aber natürlich gingen die Emotionen bei den Beteiligen hoch - vor allem wegen ihrer Meinung nach nicht vorhandenem Krisenmanagement auf den Flughäfen. Auch fehlten in Stockholm etwa Taxis, um in die spontan organisierten Hotels zu kommen.

"Die Fluggesellschaft SAS hätte jemanden da haben müssen, keiner war da. Wir wussten nicht, was tun", sagte etwa FIS-Chef-Renndirektor Markus Waldner, der mit der Gruppe um Kitzbühel-Sieger Josef Ferstl unterwegs war. "Ich bin schon lange dabei, aber so was habe ich überhaupt noch nicht erlebt", meinte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier zu dpa. "Dass man uns am Flughafen liegen lässt und nicht mal Notbetten hat, das habe ich etwas daneben gefunden."

Österreichs Speed-Pilot Hannes Reichelt befand: "Das ist ein Vollschaß im Endeffekt. So etwas darf nicht passieren." Wenn man zu einer WM fliege, dann müssten SAS oder Lufthansa einfach schauen, dass man die Leute raufbringe. "Allein die Negativ-Publicity für die Airlines ist ein Wahnsinn." Im Reichelts Fall saß sein Schwiegervater am Sonntag "den ganzen Tag am Münchener Flughafen" fest. "Der ist heute erst am Nachmittag weggeflogen. Ich hoffe, dass der heute Nacht heroben ist."

Quelle: APA

SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 26.10.2020 um 11:09 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/anreise-nach-aare-wurde-fuer-viele-zur-odyssee-65190745

Kommentare

Schlagzeilen