Wintersport

Damen als "ÖSV-Lokomotive" im Weltcup

Österreichs Speed-Damen haben den Schwung aus dem Vorjahr mitgenommen und sind in Lake Louise stark in den Ski-Weltcup gestartet. Dank Nicole Schmidhofer und Co. sind die ÖSV-Ladies derzeit sogar die "ÖSV-Lokomotive". Ihnen ist vor allem zu verdanken, dass Österreich nach der Nordamerika-Tournee die Nationenwertung anführt. Wie bei den Herren ist auch bei den Damen der Riesentorlauf die Baustelle.

Lake-Louise-Abfahrtssiegerin Nicole Schmidhofer SN/APA (AFP)/MARK RALSTON
Lake-Louise-Abfahrtssiegerin Nicole Schmidhofer

Hatte es in Sölden noch vielversprechend begonnen, setzte es in Killington mit Eva-Maria Brem auf Platz 16 fast schon ein Debakel. Seit Brem bzw. Anna Veith durch Verletzungen zurückgeworfen wurden, ist im RTL Krise angesagt. Einzig Stephanie Brunner hat in den letzten 28 Weltcup-Riesentorläufe einen Podestplatz (3. in Killington 2018) geschafft, aber auch die Tirolerin fehlt derzeit verletzt. Dazu kommt, dass mit Ricarda Haaser bzw. nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher bei den Herren Manuel Feller (derzeit zudem verletzt) die auf dem Papier besten ÖSV-Riesentorläufer bisher nicht wirklich aus den Startlöchern kamen.

Dafür ist trotz des Saisonausfalls von Bernadette Schild selbst die Slalom-Fraktion der Damen wieder stark aufgestellt. Die Speed-Damen präsentierten sich sogar äußerst überzeugend. Was Matthias Mayer bei den Herren, ist Schmidhofer bei den Damen. Die Steirerin ist die neue "Bewohnerin" von Lindsey Vonns kanadischem Wohnzimmer. Von den jüngsten vier Abfahrten in Lake Louise hat sie drei gewonnen.

Kein Wunder, dass Lake Louise ihr neuer Lieblingsort ist. "Es bleiben wirklich Winter-Wonderland-Erinnerung. Es war eine tolle Woche mit gutem Skifahren, darauf kann ich aufbauen", sagte die 30-Jährige. Sorge machte ihr nur der Jet Lag nach dem Heimflug über den Atlantik. "Gerade Richtung Österreich habe ich immer etwas Probleme."

Stephanie Venier hätte als Dritte von Abfahrt eins beinahe auch im Super-G einen Podestplatz geschafft. Und das nach Riesensturz am Samstag. "Eine Dummheit. Das hätte auch ins Auge gehen können", war der Tirolerin bewusst. "So gesehen muss ich mehr als zufrieden sein und kann mit gutem Gewissen heim fahren."

Ähnlich sah es Christian Mitter. "Ich verlasse Kanada mit einem sehr guten Gefühl. Wir sind voll dabei in der Abfahrt und im Super-G - und das mit einigen Läuferinnen", zog der Neo-Damenchef zufrieden Bilanz. Mitter gefällt vor allem die Herangehensweise seiner Speed-Damen. "Die Risikobereitschaft, der Wille. Wir haben viele "Did Not Finish" gehabt. Aber die, die am Start stehen, die nominiert werden, probieren durch die Bank, dass sie Vollgas geben. Da wird bedingungslos angedrückt", verteilte der Steirer Komplimente an die Schützlinge von Abfahrtschef Roland Assinger.

Zudem passen auch mannschaftlich die Ergebnisse. "Es sind schon im vorigen Jahr einige zu Siegläuferinnen geworden. Läuferinnen aus der Gruppe Speed 2 können sich da im Schatten sehr gut heranarbeiten. Wir haben eine kompakte Mannschaft. Eine hast du dann immer vorne dabei", sagte Mitter. Man profitiere von der Geschlossenheit. "Wenn man bei uns im Training dabei ist, dann ist man es auch im Rennen."

Was auffällt, ist, dass die interne ÖSV-Konkurrenz eine äußerst Gesunde zu sein scheint. "Niki hat wieder voll zurückgeschlagen. Nach dem kleinen Fehler in der ersten Abfahrt war sie wieder da und hat uns würdig vertreten", verbeugte sich etwa auch Nina Ortlieb vor der Teamkollegin.

Ähnlich tönten Schmidhofers steirischen Landsfrauen Tamara Tippler und Ramona Siebenhofer. "Niki ist super in Form, da kann man was lernen. Es ist immer ein guter Vergleich bei den Trainings. Man weiß immer circa, wo man steht", sagte Tippler. "Wir sind echt gut aufgestellt. Immer volle Attacke, irgendwer reißt uns wieder raus." Siebenhofer meinte: "Cool, wenn der erste Saisonsieg an eine Markenkollegin mit dem gleichen Servicemann geht. Ich weiß, es läuft alles. Wir wissen auch vom Training, dass wir mit Niki mithalten können."

Auch für die Damen geht es nun in Europa weiter. Nach St. Moritz (Super-G und Parallelslalom) folgen Courchevel und Val d'Isere, ehe das Jahr mit Lienz ausklingt. "Jeder Hang und jedes Rennen ist wieder speziell. Aber es ist ein gutes Gefühl, weil der Speed generell da ist", ist Mitter überzeugt, dass es in den Speedbewerben ähnlich erfolgreich weitergeht.

In Kanada war am Sonntag aber noch der übliche Großkampf-Logistiktag angesagt, um alle Läuferinnen samt ihrem Material zeitgerecht nach Hause zu bringen. Donnerstag soll in Westösterreich trainiert werden. Ab Freitag geht es dann mit dem Hangfahren in St. Moritz weiter.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.01.2020 um 04:26 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/damen-als-oesv-lokomotive-im-weltcup-80426362

Kommentare

Schlagzeilen