Wintersport

Den Abgeschriebenen schien in Kitzbühel die Sonne

Als die Bedingungen auf der Streif umschlugen, nutzen dies Otmar Striedinger (3.) und Daniel Danklmaier (5.) zu satten Überraschungen. Für Max Franz ist die Saison indessen vorbei.

Otmar Striedinger konnte in Kitzbühel jubeln. SN/AP
Otmar Striedinger konnte in Kitzbühel jubeln.

So etwas hat es im Abfahrts-Weltcup schon lange nicht mehr gegeben: Zwei Außenseiter nutzten die Gunst der Stunde und lieferten auf der Streif handfeste Überrachungen: Otmar Striedinger schaffte es hinter Dominik Paris und Beat Feuz auf das Podest, Daniel Danklmaier krönte eine für ihn ziemlich unglaubliche Woche mit Rang fünf - und das mit der hohen Startnummer 41.

Die Geschichte der beiden ist ein Lehrstück, wie dünn der Grad zwischen Triumph und Vergessenwerden im Skisport ist. Striedinger kam fast im Gleichschritt mit Vincent Kriechmayr in den Weltcup, wobei der aus Kärnten stammende und mittlerweile im Lungau lebende Striedinger anfangs die Nase vorn hatte. 2014 fehlten ihm bei den Olympischen Spiele in Sotschi im Super G nur zwei Hundertstel zu einer Medaille. Seitdem wurde es still um ihn, Verletzungen und ein Materialwechsel vor zwei Jahren warfen ihn weit zurück. Sogar aus dem Weltcup-Team. Erst seit dieser Saison läuft es wieder. "Das Vertrauen in das Material ist da und das Wichtigste: der Spaß am Ski fahren."

Der Spaß am Ski fahren, der ist dem 25-jährigen Steirer Daniel Danklmaier aus Aich im Ennstal auch schon fast vergangen. Bevor er sein Weltcup-Debüt 2016 geben konnte, da hatte er schon zwei Kreuzbandrisse erlitten und jeweils ein ganzes Jahr verloren. Dass er überhaupt hier in Kitzbühel sei, das habe "mit Freunden zu tun, die mich immer wieder aufgebaut und zum Weitermachen motiviert haben". Die Trendwende kam kürzlich in Bormio mit Rang 19. "Da hat es den Schalter umgelegt." In der Vorwoche fällte dann Chefcoach Andreas Puelacher eine weitreichende Entscheidung: Er schickte den Steirer zur Europacup-Abfahrt nach Kitzbühel. Dort markierte er im Training zwei Bestzeiten, gewann den Europacup, belegte in den Trainings für die Hahnenkamm-Abfahrt die Ränge drei und vier und setzte im Rennen mit Platz fünf nach. Ein Zufallserfolg sieht anders aus. "Die schwierigsten Minuten waren die vor dem Start: Ich wusste, ich hab es drauf und die Bedingungen werden immer besser. Aber gleichzeitig habe ich gedacht: Übertreibe ja nicht, bringe es in das Ziel."

Mit diesen Platzierungen haben die zwei die Karten im ÖSV-Abfahrtsteam neu gemischt. "An die WM will ich noch gar nicht denken, jetzt erst einmal an den Super G am Sonntag und dann ab nach Garmisch", sagt Danklmaier. Auch Striedinger will trotz des dritten Ranges nicht spekulieren. "Das sind Entscheidungen, die der Cheftrainer zu treffen hat", sagt er. Zu oft haben die zwei schon erlebt, dass es im Skisport ganz plötzlich in die andere Richtung gehen kann.

Das musste auch Max Franz erkennen. Für den Überflieger der ersten Saisonphase kam gestern das Saisonende: Nach einem Schlag nach wenigen Fahrsekunden musste er Freitag abschwingen, die Diagnose war niederschmetternd: Fersenbeinbruch - sechs bis acht Wochen Pause. Das heißt im Klartext: Saisonende. Das blieb Vincent Kriechmayr erspart, überstand eine Schrecksekunde am Hausberg gerade noch ohne Sturz.

Dominik Paris ist und bleibt ein Kitzbühel-Spezialist. Der Südtiroler holte am Freitag schon den dritten Abfahrtssieg und seinen insgesamt vierten Sieg in der Gamsstadt. Erneut geschlagen war der Schweizer Beat Feuz, dem zwei Zehntelsekunden auf seinen ersten Kitz-Triumph fehlten.

Das Rennen im Liveticker:

Ein Selfie mit Daniel Danklmaier. Der Steirer landete sensationell auf Platz fünf.  SN/APA/HARALD SCHNEIDER
Ein Selfie mit Daniel Danklmaier. Der Steirer landete sensationell auf Platz fünf.
Striedinger raste auf der Streif aufs Podest.  SN/APA/EXPA/JOHANN GRODER
Striedinger raste auf der Streif aufs Podest.
Aus und vorbei: Max Franz erlitt einen Fersenbeinbruch.  SN/GEPA pictures
Aus und vorbei: Max Franz erlitt einen Fersenbeinbruch.
Er machte den Anfang: Hannes Reichelt (AUT).  SN/AFP
Er machte den Anfang: Hannes Reichelt (AUT).
Eine Fahrt mit Schrecksekunden: Vincent Kriechmayr (AUT).  SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Eine Fahrt mit Schrecksekunden: Vincent Kriechmayr (AUT).
Starke Leistung: Josef Ferstl.  SN/AFP
Starke Leistung: Josef Ferstl.
Wieder eine Spitzenplatzierung: Christof Innerhofer (ITA).  SN/AFP
Wieder eine Spitzenplatzierung: Christof Innerhofer (ITA).
Entspannt: Beat Feuz (SUI, Dominik Paris (SUI) und Otmar Striedinger (AUT).  SN/GEPA pictures
Entspannt: Beat Feuz (SUI, Dominik Paris (SUI) und Otmar Striedinger (AUT).

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Aufgerufen am 01.10.2020 um 07:09 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/den-abgeschriebenen-schien-in-kitzbuehel-die-sonne-64605205

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