Wintersport

Die Hirscher-Show beginnt

Fahnenträger, der Traum von vier Medaillen bei fünf Starts und heute bereits die WM-Premiere in einem Super G: Der Salzburger will es in St. Moritz heuer genau wissen.

Neuer roter WM-Anzug, altbekannte Ziele: Marcel Hirscher träumt in St. Moritz von vier Medaillen. SN/gepa pictures
Neuer roter WM-Anzug, altbekannte Ziele: Marcel Hirscher träumt in St. Moritz von vier Medaillen.

Marcel Hirscher geht das volle Programm. Selbst als Fahnenträger war er Montagabend bei der Eröffnung der alpinen Ski-WM im Einsatz, auch wenn er sich diesen Auftritt vorher wohl anders vorgestellt hat. Denn vor seinem Kurzauftritt hieß es: eine Stunde bei Minusgraden im Freien warten. Nicht gerade die beste Vorbereitung für einen Athleten, schon gar nicht, wenn der kom mende Tag schon um 7.30 Uhr mit der Abfahrtsbesichtigung losgeht und zwei Stunden später das erste Abfahrtstraining angesetzt sein sollte.

Marcel Hirscher will es bei dieser WM offenbar ganz genau wissen - und er liefert gleich eine Erklärung nach, die hellhörig macht: "Vielleicht ist es ja auch meine letzte WM", sagt er. Das meine er gar nicht negativ, sagt er, doch wer Hirschers Karriereplanung ein bisschen kennt, der weiß, dass ihm nur noch ein großer Titel fehlt: Olympiagold. Das soll 2018 in Südkorea her. Die sechste Weltcupkugel für den Gesamtsieg, die er Mitte März in Aspen überreicht bekommt, oder die WM sind schöne Zugaben. Ob er für die WM 2019 die Motivation findet? Sicher nicht, wenn ihm aufgeht, was er sich hier erhofft. "Vier Medaillen", sagt er und korrigiert sich im nächsten Satz gleich. "Eigentlich fünf, aber jeder weiß, dass das theoretisch machbar, aber sportlich unrealistisch ist."

Die geringsten Chancen räumt er sich selbst in der Disziplin ein, in der er heute noch eine seiner selten gewordenen Premieren feiert: im WM-Super-G (12.00 Uhr). "Da gibt es andere Favoriten", sagt er. Jansrud, Fill, Mayer, die üblichen Verdächtigen. Zu genau will er sich gar nicht mit dem Thema beschäftigen, denn wenn er nicht der Favorit ist, interessiert es ihn auch herzlich wenig, wer gewinnen kann. Seine Aufstellung für den heutigen Super G verteidigt er mit kurzen Worten: "Dem ÖSV ist es offenbar das Risiko wert, mich da aufzustellen." Nur falls es eine Nachfrage nach seinem WM-Platz geben sollte . . .

Zumal er viele andere Sachen hat, mit denen er sich hier beschäftigen muss. "Der Schnee hier ist sehr speziell, der Berg ist speziell und letztlich ist auch der Ort recht speziell." Der Schnee ist durch die Höhenlage so speziell, der Start ist knapp unter 3000 Metern Seehöhe, das Zielgelände Salastrains auf 2040 Metern. Hier herrschen Bedingungen wie sonst nur in Nordamerika, und die Frage, ob Hirscher diesen Schnee mag, verbietet sich: Es gibt keine Schneebedingungen, mit denen der Materialtüftler nicht zurechtkommt. So eilte er auch gestern nach dem Abfahrtstraining aus dem Ziel und legte noch vor dem Start des Damen-Super-G zwei weitere Trainingsläufe ein.

Sein größter Konkurrent Henrik Kristoffersen geht den genau umgekehrten Weg. Kristoffersen tritt hier nur in Slalom und Riesentorlauf an, ist noch gar nicht in St. Moritz und will aktuell daheim Kräfte sammeln. Darauf angesprochen zuckt Hirscher mit den Schultern. "Das ist sein Weg, ich gehe diesen." Am letzten Tag der WM wird es im Slalom zum großen Showdown zwischen den beiden kommen, dann wird Hirscher vielleicht schon reich dekoriert sein. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mein Bestes gebe, sobald ich ins Starthaus gehe."

Fünf Medaillen sind also unrealistisch, vier wären sein Traum, aber was wäre sein Mindestziel? "Zwei Medaillen erwarte ich mir doch." Zumindest eine sollte in der Farbe Gold dann doch dabei sein, sagt er später noch.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 03:19 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/die-hirscher-show-beginnt-393514

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