Wintersport

Dreischanzentournee: Wind in Innsbruck beschert Bischofshofen ein Megaprogramm

Das dritte Tourneespringen fiel wie 2008 dem Föhnsturm über dem Bergisel zum Opfer.

Föhnsturm über dem Bergisel. SN/GEPA pictures
Föhnsturm über dem Bergisel.

Ein Skispringen kann langatmig sein. Vor allem dann, wenn eineinhalb Stunden kein einziger Athlet über den Bakken geht. Nach langem Hoffen und Bangen musste am Dienstag das dritte Tourneespringen auf dem von einem Föhnsturm umhüllten Innsbrucker Bergisel abgesagt werden. "So ist unser Sport. Mit dem Wind ist es immer schwierig zu arbeiten, und heute war er unglaublich stark. Jetzt müssen wir Plan B heranziehen und zwei Bewerbe in Bischofshofen durchziehen", sagte FIS-Renndirektor Sandro Pertile.

Erneut. Dieses Szenario gab es bereits 2008, als die Skispringer in Innsbruck ebenfalls regelrecht vom Winde verweht wurden und der Vierschanzentourneesieger in einer "Dreischanzentournee" ermittelt wurde. Der Sieger hieß damals Janne Ahonen, der Finne avancierte damit zum Rekordsieger (5). Diesmal läuft alles auf Ryōyū Kobayashi hinaus. Der Japaner hat sowohl den Auftakt in Oberstdorf als auch das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gewonnen, dazu noch die Qualifikation am Montag in Innsbruck. Die ist von Pertile nun allerdings für ungültig erklärt worden. In Bischofshofen steht somit ein wahres Megaprogramm an: Qualifikation und Wettkampf am 5. Jänner, Qualifikation und das Dreikönigsspringen am 6. Jänner, ehe am Wochenende zwei weitere Weltcupbewerbe auf der Paul-Außerleitner-Schanze ausgetragen werden (siehe dazu auch Lokalteil Seiten 12, 13).

Innsbruck hingegen entwickelt sich als dritte Tourneestation immer mehr zur Wundertüte. Kein anderer Austragungsort hat in den vergangenen Jahren so sehr den Ausgang der Gesamtwertung beeinflusst wie der berühmt-berüchtigte Bergisel. Nachdem am Dienstag bereits der Probedurchgang erst verschoben und dann gänzlich abgesagt werden musste, entschloss sich die Jury nach vier Verschiebungen um 15 Uhr schließlich zur Absage. Neben dem Wind machte auch die Eisspur im Anlauf Probleme, weil die Kühlung der warmen Luft schlicht unterlegen war. Ohnehin wäre zu der spätestmöglichen Beginnzeit nur ein Durchgang durchgeführt worden, da die Lichtverhältnisse nicht mehr zugelassen hätten. Der Innsbrucker Bergisel ist mittlerweile der einzige Tournee-Bakken, an dem es noch keine Flutlichtanlage gibt. Ob nun endlich gehandelt wird?

"Unter solchen Bedingungen hat es keinen Sinn. Die Absage geht daher völlig in Ordnung", meinte ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl, der den Fokus bereits auf Bischofshofen richtete. "Wir kennen die Schanze sehr, sehr gut, daher ist die Umstellung kein Problem." ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer bedauerte die Absage, "angesichts des anhaltenden Winds war die Entscheidung der Jury aber alternativlos". Er sei froh, dass das Organisationskomitee in Bischofshofen so kurzfristig diesen zusätzlichen Bewerb übernommen habe. "Jetzt freuen wir uns auf zwei spannende Tournee-Wettkämpfe und den anschließenden Weltcup in Bischofshofen", betonte Scherer.

Ob wirklich alles so läuft, wie es sich die Veranstalter wünschen, muss jedoch infrage gestellt werden. "Für Bischofshofen ist die Wetterprognose auch nicht so wahnsinnig toll", sagte der deutsche Bundestrainer Stefan Horngacher. "Wir werden sehen." FIS-Renndirektor Pertile verwies darauf, dass man an der Paul-Außerleitner-Schanze dank des Flutlichts flexibler sein werde. So habe die Jury mit der Wahl der Startzeit mehr Spielraum, meinte der Italiener.

Unbeeindruckt davon kann Ryōyū Kobayashi sein. Der 25-jährige Japaner reiste noch am Dienstag in bestechender Form und als überlegener Tourneeleader zum doppelten Finale nach Bischofshofen.

Daten & Fakten zur 70. Vierschanzentournee

Tourneewertung
nach 2 von 4 Bewerben: 1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 593,2 Pkt., 2. Marius Lindvik (NOR) 580,0, 3. Lovro Kos (SLO) 575,5, 4. Markus Eisenbichler (GER) 572,1, 5. Halvor Egner Granerud (NOR) 563,4, 6. Karl Geiger (GER) 560,9, 7. Robert Johansson (NOR) 559,8, 8. Stephan Leyhe (GER) 530,5, 9. Jan Hörl (AUT) 527,3, 10. Daniel Huber (AUT) 526,1.
Weiter: 16. Daniel Tschofenig 501,8, 19. Philipp Aschenwald 489,4,
36. Stefan Kraft 260,1, 40. Manuel Fettner (alle AUT) 234,9.


Gesamtweltcup

nach 11 Bewerben: 1. Ryoyu Kobayashi (JPN) 696 Pkt., 2. Karl Geiger (GER) 675, 3. Halvor Egner Granerud (NOR) 473. Weiter: 7. Stefan Kraft 380, 9. Jan Hörl 299, 14. Daniel Huber 181, 23. Manuel Fettner 142, 29. Daniel Tschofenig und Philipp Aschenwald (alle AUT) je 88.

Nationencup
1. Deutschland 2041 Pkt., 2. Norwegen 1674, 3. Österreich 1609,
4. Slowenien 1465, 5. Japan 1381.

Weiteres Programm
Bischofshofen, Paul-Außerleitner-Schanze, HS 142 m, SR: Dawid Kubacki (POL/2019) 145 m

5. Jänner: Training (11.30 Uhr), Qualifikation (13.00), 3. Tourneespringen (16.30)
6. Jänner: Qualifikation (14.30), Dreikönigsspringen (17.30)

ÖSV-Aufgebot
Stefan Kraft, Jan Hörl, Daniel Huber, Daniel Tschofenig, Philipp Aschenwald, Manuel Fettner, Ulrich Wohlgenannt


Nationale Gruppe: Michael Hayböck, Maximilian Steiner, Clemens Aigner, Janni Reisenauer, Stefan Rainer, Thomas Lackner.

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