Wintersport

Erstes WM-Gold in Hochfilzen an Deutschlands Mixed-Staffel

Der erste Titel der Biathlon-WM in Hochfilzen ist am Donnerstag in der Mixed-Staffel an Deutschland gegangen. Die Deutschen gewannen vor Titelverteidiger Frankreich, dessen Topstar Martin Fourcade im Schlusssprint den Russen Anton Schipulin in Schach hielt. Gastgeber Österreich landete vor 10.700 Zuschauern nach einer Strafrunde von WM-Debütantin Fabienne Hartweger nur auf Rang neun.

Schlussläufer Simon Schempp sicherte die Goldmedaille.  SN/APA/BARBARA GINDL
Schlussläufer Simon Schempp sicherte die Goldmedaille.

"Natürlich wünscht man sich, dass wir weiter vorne wären. Eine Strafrunde kann man sich nicht leisten bei dieser Dichte", meinte Schlussläufer Dominik Landertinger, der selbst fehlerfrei geblieben war. "Für mich hat es sehr gut gepasst, ich habe mir ein super Gefühl für das Wochenende geholt", ergänzte der Ex-Weltmeister, der unmittelbar hinter dem enttäuschenden Mitfavoriten Norwegen das Ziel erreichte.

Hartweger, die von Startläuferin Lisa Theresa Hauser (2 Nachlader/"So kann es weitergehen.") als Dritte ins Rennen geschickt wurde, musste nach dem Liegendschießen in die Strafrunde und verlor dadurch den Anschluss. "Das ist ärgerlich. Das darf auf dem Heimschießstand nicht passieren", meinte Hartweger, die angab, bei ihrem Debüt nicht nervös gewesen zu sein.

Die Steirerin hatte den Vorzug vor Dunja Zdouc bekommen, die als deutlich bessere Schützin gilt. ÖSV-Cheftrainer Reinhard Gösweiner verteidigte die Aufstellung. "Sie hat bisher in der Staffel noch nie eine Strafrunde gedreht, das Gesamtpaket hat für sie gesprochen. Läuferisch war ihre Leistung brav, die Strafrunde ist natürlich schade." Insgesamt sei der Auftakt der Heim-WM aber natürlich nicht erfreulich, zumal man in den vergangenen beiden Jahren in der Mixed-Staffel fünfte Plätze erreicht hatte. "Ich bin auf keinen Fall zufrieden, es wäre mehr möglich gewesen", erklärte der Oberösterreicher.

Simon Eder, der an der 14. Stelle von Hartweger übernahm, machte mit zwei Nachladern und ansprechender Laufleistung einige Positionen gut. "Damit muss ich zufrieden sein", sagte der Salzburger. Das Rennen sei für ihn nach seiner Krankheitspause ein guter Test gewesen, so der Einzel-WM-Dritte des Vorjahres. Über die Nichtaufstellung seiner Trainingskollegin Zdouc wollte er sich nicht äußern.

Während Landertinger, als Elfter gestartet, im Niemandsland des Feldes ein gutes Rennen abspulte, lieferten einander Fourcade und Schipulin einen harten Kampf. Der Seriensieger aus Frankreich attackierte mehrmals, kam aber nicht weg. Im Schlusssprint behielt er aber doch die Oberhand. Deutschlands Schlussmann Simon Schempp lief davor ungefährdet mit 2,2 Sekunden Vorsprung ins Ziel.

"Das Duell mit Schipulin war heftig. Ich bin ruhig geblieben, dann habe ich den Sprint angezogen. Ich hatte keine Chance mehr auf den Sieg. Ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Rennen. Das ist ein guter Start für unser Team", meinte der Topfavorit für die Einzelbewerbe, der bei seinem Wechsel den russischen Ex-Dopingsünder Alexander Loginow offenbar unabsichtlich zu Fall gebracht hatte.

Der Franzose und Schipulin lieferten sich deshalb und wegen eines zuvor auf dem Podium verweigerten Handschlags der Russen mit Fourcade ein Wortgefecht. Fourcade verteidigte seine Anti-Doping-Linie und beharrte auf Fairplay von allen Seiten. Er hatte sich auch schon davor mehrfach kritisch zu den Vorgängen um überführte und unter Verdacht stehende Russen geäußert. Dafür musste er zuletzt in sozialen Netzwerken Anfeindungen aus Russland einstecken.

Dass Russland mit dem EPO-Dopingsünder Loginow eine Medaille holte, gefällt freilich auch vielen anderen nicht. "Das hat einen fahlen Beigeschmack. Wir kennen die Situation schon aus dem Radsport. Zwei Jahre Strafe sind zu wenig", meinte etwa Eder und Gösweiner ergänzte: "Das sind keine angenehmen Dinge, weil der Sport in ein schlechtes Licht gerückt wird."

Noch viel mehr überschattet wurde das erste Rennen jedoch von einer Polizeirazzia mit 30 Beamten im Quartier des kasachischen WM-Teams. Dabei wurden am Mittwochabend zahlreiche Medikamente und medizinische Utensilien sichergestellt. Das Bundeskriminalamt ermittelt seit einem doping-verdächtigen Fund im Jänner in Osttirol, ob von den Kasachen einerseits Verstöße gegen das Anti-Doping Bundesgesetz vorliegen und andererseits der Tatbestand des Sportbetruges nach dem Strafgesetzbuch erfüllt ist.

Im Zuge der Razzia wurden auch Dopingtests bei allen kasachischen WM-Teilnehmern durchgeführt. Die Ergebnisse lagen Donnerstagabend noch nicht vor. Auch die Ermittlungen der Polizei dauern an. Trotz der Vorkommnisse nahmen die Kasachen um ihre in diesem Winter besonders starke Topläuferin Galina Wischnewskaja an der Mixed-Staffel teil. Das Quartett landete nicht weiter hinter Österreich an der elften Stelle.

Quelle: APA

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