Wintersport

Favoritenkreis für Streif-Abfahrt inkludiert auch ÖSV-Stars

Einzig Hannes Reichelt hat in den vergangenen zehn Jahren die Streif-Abfahrt für Österreich gewinnen können. Zu wenig für den erfolgsverwöhnten Skifan. Zu wenig auch für die ÖSV-Speed-Herren, die am Samstag mit großer Zuversicht in den Klassiker starten (11.30 Uhr). Max Franz ist nach dem Gröden-Triumph ein Topfavorit, Reichelt will nach 2014 und Matthias Mayer nach dem Super-G-Sieg nachlegen.

Max Franz ist heiß auf die Streif.  SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Max Franz ist heiß auf die Streif.

Der Südtiroler Dominik Paris war 2013 der Letzte, der am Hahnenkamm auf der Originalstrecke über 3.312 m triumphierte. Bei Reichelts Sieg 2014 wurde über den Hinterganslern statt dem Hausberg gefahren, 2015 gewann der Norweger Kjetil Jansrud auf verkürzter Strecke ab dem Seidlalm-Sprung, 2016 der Südtiroler Peter Fill ab oberhalb der Mausefalle.

Die Wetterprognosen für Samstag und die damit erst dritte Abfahrt in diesem Winter sind vielversprechend. "Es wird ein fantastisches Wochenende. Nach vielen Jahren fahren wir wieder die komplette Strecke von oben weg", äußerte Jansrud seine Vorfreude. "Einen Klassiker original zu fahren, ist natürlich das Ziel", sagte Franz, der sich im zweiten Training schon ganz nah an die Ideallinie herangekämpft hatte. Während es für Fill noch nicht optimal lief: "Der Druck kann nur wachsen, den muss man sich ein bisserl nehmen", muss es für ihn aber eh keine Trainingsbestzeit sein.

Der im Disziplinweltcup nach erst zwei Saisonrennen führende und im Vorjahr auf der Streif so schwer gestürzte Norweger Aksel Lund Svindal fehlt nach einer Knieoperation. Das erste Saisonrennen am 3. Dezember in Val d'Isere gewann Jansrud vor Fill und Svindal, das zweite am 17. Dezember in Gröden Franz vor Svindal und den US-Amerikaner Steven Nyman. Seitdem gab es nur Absagen. Der Favoritenkreis für das Podest in Kitzbühel ist groß, neben den Genannten gehören u.a. auch Reichelt, Erik Guay (CAN), Dominik Paris (ITA), Patrick Küng und Beat Feuz (SUI), Johan Clarey (FRA) und Aleksander Aamodt Kilde (NOR) dazu.

Nicht nur Jansrud fragt sich aber, was die lange Renn-Pause möglicherweise verändert haben könnte. "Es wird interessant sein zu sehen, wer seine Form gehalten hat und wer nicht." Reichelt rechnet mit "den üblichen Verdächtigen", er selbst darf auch ganz nach vorne schielen. "Meine Verfassung passt gut, ich weiß, die Streif liegt mir, vor allem wenn es so eisig ist." Die Devise sei, halbwegs auf der Linie zu sein, aber trotzdem den Ski laufen zu lassen.

Vollgepumpt mit Selbstvertrauen wird Franz am Start stehen. Der Kärntner könnte der erste Österreicher seit Reichelt 2015 (Garmisch-Partenkirchen und Kvitfjell) werden, der zwei Abfahrten en suite gewinnt. Der zusätzliche Linksschwung an der Hausbergkante passt für ihn. "Du nimmst ein bisschen den Speed raus, es ist so auch schnell genug", sagte der 27-Jährige.

Für die ersten 30 sollte es mit den Lichtverhältnissen heuer ohnehin gut passen, da strahlender Sonnenschein prognostiziert wird, danach fällt der Schatten in den Hausberg, die Traverse und den Zielschuss ein. Dass trotzdem noch was möglich sein könnte, zeigte in den Trainings mit der hohen Nummer 46 Mattia Casse, der einmal Achter und einmal Elfter war. Dass der Italiener mit der Streif zurechtkommt, bewies er schon im Vorjahr mit einmal Trainingsbestzeit. Da das Rennen nach 30 Läufern abgebrochen wurde, durfte er aber nicht mehr aus dem Starthaus.

Olympiasieger Mayer war Donnerstag mit seinem Abschlusstraining nicht ganz zufrieden, hat aber ein starkes erstes runtergebracht. Und außerdem den Super-G am Freitag gewonnen.

Vincent Kriechmayr ist auch ohne Top-Saisonergebnis zuversichtlich. Fehlendes Selbstvertrauen dürfe man sich auf der Streif nicht anmerken lassen. "Ich habe mich noch nie verletzt, und das macht es ein bisschen leichter, als wenn man mit Schmerztablette, oder wenn das Knie oder das Kreuz zwickt, runter muss. Je ruppiger und schwieriger es wird, desto bessere Ergebnisse schauen bei mir raus."

Laut ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher ist hinsichtlich WM-Aufstellung zwar noch "alles offen", wobei Franz als Saisonsieger freilich gesetzt sein dürfte. Nach Kitzbühel gibt es noch zwei Abfahrten in Garmisch-Partenkirchen. Auf einen weiteren Startplatz neben der Kombi in St. Moritz darf damit auch Romed Baumann hoffen. Das Material hat er perfekt abgestimmt, die Strategie gewählt. "Am besten hast du alle Varianten im Kopf. Es ist so schwierig, du bist so schnell weg von der Ideallinie, dass du immer einen Plan B brauchst." Aber das Lässige an Kitzbühel sei, dass man auch mit einer weiteren Linie noch gewinnen könne.

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.11.2018 um 05:03 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/favoritenkreis-fuer-streif-abfahrt-inkludiert-auch-oesv-stars-509350

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