Wintersport

Jakob Herrmann beim Heimweltcup in den Top-Ten

Bei Topbedingungen ging das Individualrennen beim Weltcup der Skibergsteiger in Bischofshofen über die Bühne. Der Italiener Michele Boscacci holte den Sieg. Lokalmatador Jakob Herrmann war mit Platz acht hochzufrieden.

Sonnenschein, knackige Minusgrade, eine verschneite Winterlandschaft: Die Kulisse für das Weltcuprennen der Skibergsteiger am Sonntag in Bischofshofen war wie für ein Tourismus-Werbevideo gemacht. Der Italiener Michele Boscacci bestätigte beim Individualbewerb am Sonntag seine Favoritenrolle eindrucksvoll und setzte sich in 1:26:14 Stunden vor Landsmann Robert Antonio und Werner Marti (SUI) durch.

Im Skisprungstadion unterhalb der Paul-Außerleitner-Schanze zeigte das Thermometer zwölf Grad unter Null, als sich die Athleten um 9 Uhr früh auf die 16,5 Kilometer und 1600 Höhenmeter in Richtung Hochkeil machten. Das Skibergsteiger-Herz von Organisator Thomas Wallner schlug nicht ganz auf höchster Frequenz: Im eigentlich vorgesehenen Gelände weit oben zwischen Arthurhaus und Mandelwänden hätte es noch schönere Bilder gegeben. Doch dort war wegen des intensiven Schneefalls der vergangenen Woche nicht an ein Renen zu denken. "Aber die Umgebung im Stadion gefällt den Funktionären vom Weltverband besser", tröstete sich Wallner. Die Zuschauer bekamen einiges geboten. Dort wo noch vor 14 Tagen Stefan Kraft und Co. gelandet waren, bildete eine Abfahrt das spektakuläre Finale.

Auch Lokalmatador Jakob Herrmann, der die Mandelwände sieht, wenn er daheim in Werfenweng aus dem Fenster schaut, musste sich umstellen. Seiner Motivation tat es keinen Abbruch. Der 31-Jährige lieferte vor den Augen zahlreicher Fans mit Platz acht, 1:58 Minuten hinter dem Sieger, ein gelungenes Heimrennen ab. "Ich habe mich am Anfang zurückgehalten und hinten raus Gas gegeben", berichtete er.

Herrmanns Aufholjagd steht symptomatisch für die Skibergsteigersparte in Österreich. Der Pongauer trainiert seit dem Herbst als Heeressportler im Olympiazentrum in Rif. Zuvor war der Tourenskisport neben seinen Jobs als Lehrer und Paragleiter-Pilot ein intensiv betriebenes Hobby gewesen. Es ist ein weiterer kleiner Schritt, um zu Athleten aus Italien, Frankreich oder Spanien aufzuschließen. Dort wird die Disziplin schon seit Jahren mit großem Engagement betrieben.

Die Französin Axelle Gachet-Mollaret holte den Sieg bei den Frauen vor Claudia Galicia Cotrina (SPA) und Marianne Fatton (SUI). Sarah Dreier aus Neukirchen/Grv. war auf Platz 23 beste Österreicherin. "Ein Superrennen, ich konnte viel Erfahrung sammeln. Nächste Woche geht's schon in Andorra weiter", sagte Dreier.

Der Tross zieht weiter, die Veranstalter zogen eine rundum zufriedene Bilanz. Bischofshofen brachte dank 15 Jahren Erfahrung mit der Austragung der Erztrophy einen großen Sprung vorwärts für den Sport in Österreich. Umso verwunderlicher, dass der ÖSV dem Ereignis die kalte Schulter zeigte. Thomas Wallner sagte: "Bei einem Heim-Weltcup hätte man schon erwarten dürfen, dass sich jemand vom Verband hier sehen lässt."

Ergebnisse Individual

Herren: 1. Michele Boscacci 1:26:14, 2. Robert Antonioli (beide ITA) +24 Sek., 3. Werner Marti (SUI) +31, 4. Federico Nicolini + +59, 5. Nadir Maguet (beide ITA) +1:23, 6. Toni Palzer (GER) + 1:46, 7. Xavier Gachet (FRA) +1:50, 8. Jakob Herrmann (AUT/Werfenweng) + 1:58, 9. Armin Höfl (AUT/St) +2:08, 10. Oriol Cardona +3:01.

Espoir (U23): 1. Samuel Equy (FRA) 1:29:33.

Frauen: 1. Axelle Gachet Mollaret (FRA) 1:14:30, 2. Claudia Galicia (SPA) +7 Sek., 3. Marianne Fatton (SUI) +7, 4. Alba de Silvestro +32, 5. Giulia Murada (beide ITA) + 2:31. weiters: 23. Sarah Dreier (AUT/Neukirchen) +10:37, 27. Verena Streitberger (AUT/Maishofen) +17:07.
Espoir (U23): 1. Murada; 9. Streitberger.
Junioren: 1. Aurélien Gay (SUI) 1:05:13.

Juniorinnen: 1. Samantha Bertolina (ITA) 51:26.

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