Wintersport

Julian Eberhard: Die Waffe wurde zum Freund

Seit Biathlet Julian Eberhard zum zuverlässigen Schützen wurde, liefert er regelmäßig Spitzenresultate. Er traut sich zu, auch bei der WM in Hochfilzen zuzuschlagen.

Julian Eberhard freut sich auf die Biathlon-WM. SN/GEPA pictures
Julian Eberhard freut sich auf die Biathlon-WM.

Damit hätte wohl niemand gerechnet: Als einziger österreichischer Biathlet hat Julian Eberhard vor der WM in Hochfilzen bereits Podestplätze und sogar einen Sieg in dieser Saison im Gepäck. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich der 30-jährige Saalfeldner eine Woche vor Beginn der Titelkämpfe.

Sie sind heuer quasi für Ihre erfolgsgewohnten Teamkollegen eingesprungen. Steigt nun der Druck für Sie bei der WM?
Eberhard: Der Druck ist nicht höher geworden. Denn es geht im Grunde immer ums Gleiche: Schnell laufen und so viel wie möglich treffen. Ich vertraue auch darauf, dass meine Kollegen stark zurückkommen und dass wir bei der WM ein schlagkräftiges Team bilden werden.
Heuer läuft es am Schießstand sehr gut für Sie. Ist die Waffe vom Feind zum Freund geworden?
Ich habe ja schon genug Erlebnisse gehabt, wo ich mit Top-Laufzeiten zum Schießstand gekommen und dann einfach am Schießen gescheitert bin. Jetzt habe ich wirklich die letzten Jahre hart daran gearbeitet, damit das nicht mehr passiert. Ein großer Teil davon war, dass ich die Waffe so anerkenne, wie sie ist und die Sache mit ihr löse. Nicht daran zu zweifeln, sondern selbstbewusst heranzugehen, das funktioniert jetzt sehr gut.
Beziehen Sie besondere Motivation daraus, schneller laufen zu können als alle anderen, Dominator Martin Fourcade eingeschlossen?
Das ist eine Superbasis, auf der man aufbauen kann. Das bringt mich in jedem Rennen in die Situation, es gewinnen zu können. Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht, dieser Situation gerecht zu werden, aber mittlerweile gelingt es immer öfter.

Im Sprint haben Sie das mit zwei Siegen im Weltcup (Khanty-Mansiysk 2016, Oberhof 2017) gezeigt. Ist es auch im Einzel möglich, wo vier Mal geschossen wird?
Im Sprint ist es so komprimiert, dass Laufen und Schießen perfekt funktionieren müssen. Von dem her habe ich das Selbstbewusstsein, dass ich es in jedem anderen Bewerb auch schaffen kann. Die WM in Hochfilzen wäre ein guter Zeitpunkt, das unter Beweis zu stellen.
Stichwort Fourcade: Wie geht man in ein Rennen, wenn man weiß: Da ist einer, der ist in seiner Normalform kaum zu schlagen?
Die Frage muss man eher den 120 anderen stellen. Ich hab' zum Glück nur den einen, die anderen haben mehr (schmunzelt). In erster Linie schaut jeder einmal auf seine eigene Leistung. Sich mit andere Athleten zu beschäftigen, bringt gar nichts.
Hängen sich Konkurrenten in der Loipe an einen schnellen Läufer wie Sie besonders gerne an?
Das wird eigentlich bei jedem versucht, weil man so etwas Kraft sparen kann. Es gibt aber ein paar Tricks, wie man die Verfolger los werden kann.
. . . und die wären?
Einfach noch schneller laufen.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 06:18 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/julian-eberhard-die-waffe-wurde-zum-freund-449359

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