Kitzbühel 2019: Die Streif, die Gams und viele Promis

Kitzbühel 2019: Die Streif, die Gams und viele Promis

Kitzbühel im Bann der Hahnenkamm-Rennen: Bei der 79. Auflage geht es am Freitag (Abfahrt), Samstag (Slalom) und Sonntag (Super-G) um insgesamt 550.000 Euro Preisgeld für die alpinen Ski-Herren. Neben den sportlichen Bewerben steht traditionell der Partymarathon im Zentrum der Aufmerksamkeit.

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Mit der ungeliebten Nummer eins hat Josef Ferstl den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Der Deutsche gewann am Sonntag den prestigeträchtigen Weltcup-Super-G in Kitzbühel. Hinter dem Franzosen Johan Clarey (+0,08) und Abfahrtssieger Dominik Paris aus Südtirol (0,10) verpassten Vincent Kriechmayr (0,15) und Matthias Mayer (0,18) auf den Rängen vier und fünf das Podest nur knapp.

Die Öffentlichkeit ist aber zwiegespalten. Überwiegt die Bewunderung für die Ski-Gladiatoren oder die Feierlaune im VIP-Bezirk?

Den Super-G zum Abschluss der 79. Hahnenkammrennen am Sonntag in Kitzbühel haben laut Angaben des Organisationsteams 21.000 Besucher live im Zielstadion und an der Strecke verfolgt. Bei der wetterbedingt auf den Freitag verschobenen Abfahrt waren 25.000 Zuschauer gezählt worden, zum Slalom am Samstag 39.000. Somit hat es am Wochenende insgesamt 85.000 Besucher gegeben.

Selten hat ein Sport-Superstar so schön seinen Rücktritt erklärt. Und das auch noch an einem so geschichtsträchtigen Ort wie Kitzbühel. Im Smoking teilte der Norweger Aksel Lund Svindal am späten Samstagabend auf der elitären "KitzRaceParty" mit, dass die Rennen bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Aare seine letzten sein werden. Ein Abfahrtsieg auf der Streif blieb ihm verwehrt.

An den ersten beiden Tagen der Hahnenkammrennen der alpinen Skirennläufer haben 64.000 Zuschauer die Rennen live in Kitzbühel verfolgt. Zur Abfahrt am Freitag auf der Streif kamen 25.000 Leute, was für den Wochentag mehr als zufriedenstellend war, zum Slalom am Samstag bei dichtem Schneetreiben am Ganslernhang rekordmäßige 39.000. Am Sonntag steht noch der Super-G auf dem Programm.

Mit Clement Noel gibt es derzeit im Slalom-Weltcup einen Wiederholungstäter. Der junge Franzose gewann am Samstag eine Woche nach seinem Sieg in Wengen auch den Kitzbühel-Slalom. Mit einem furiosen Finale auf dem Ganslernhang schwang sich Marcel Hirscher als Zweiter (+0,29 Sekunden) auf das Podest. Dritter wurde mit Alexis Pinturault (+0,36) ein weiterer Franzose.

Beat Feuz stand in Kitzbühel bereits dreimal als Zweiter auf dem Abfahrtspodest. Am Freitag hatte er aber zumindest nach außen hin wenig Probleme, sich Sieger Dominik Paris geschlagen zu geben. Mit dem Südtiroler verbindet ihn eine enge, ja freundschaftliche Beziehung. "Ich glaube, wir haben die gleiche Mentalität, sei es im Sport oder neben der Piste", sagte der Schweizer, der in Tirol lebt.

Ferdinand Hirscher über "positiven Ehrgeiz", Kitzbühel und die Angst vor Marcels Karriereende.

Der dritte Streif-Erfolg verschlug sogar dem Südtiroler seine unnachahmliche Sprache. Beat Feuz bleibt der "ewige Zweite".

1959 übertrug der ORF erstmals eine Abfahrt aus Kitzbühel live - mit vier Kameras. Fritz Melchert, viele Jahre Chefregisseur, erinnert sich zurück.

Weder die Vorverlegung des Rennens, noch das mögliche Schlechtwetter bremsen die Euphorie und Vorfreude von Österreichs Slalom-Assen vor dem Klassiker am Samstag auf dem Ganslernhang. Marcel Hirscher hat in Kitzbühel bereits 2013 und 2017 gewonnen, der Norweger Henrik Kristoffersen 2016 und 2018. Der Franzose Clement Noel ist nach dem Wengen-Sieg auch in der Gamsstadt heiß.

Zum bereits dritten Mal hat Dominik Paris den Abfahrtsklassiker in Kitzbühel gewonnen. Der Südtiroler setzte sich am Freitag 0,20 Sekunden vor dem Schweizer Beat Feuz durch, Dritter wurde überraschend Otmar Striedinger (+0,37). Der 27-jährige Kärntner nutzte mit Startnummer 27 die besser werdende Sicht aus und landete das zweite Mal im Ski-Weltcup auf dem Podest.

Mit Bravour hat Vincent Kriechmayr am Freitag in der Kitzbühel-Abfahrt gleich zweimal einen Sturz vermieden. Der Wengen-Sieger war froh "dass ich heil herunten stehe", aber das sei nicht seine Ambition gewesen. "Ich wollte das Rennen gewinnen. Ich habe volles Risiko gegeben, das hat von oben bis unten nicht funktioniert. Ich war vielleicht die Spur zu viel am Limit", erklärte der 27-Jährige.

Aksel Lund Svindal will einem WM-Start mit Erfolgsaussicht in Aare alles unterordnen. Das sagte der Abfahrts-Olympiasieger aus Norwegen am Freitag in Kitzbühel. Das Knie hatte ihn zu einem Verzicht auf die Abfahrt gezwungen, das Schwierige sei nicht das Zusehen, sondern dass er diese Entscheidung treffen habe müssen, erklärte der 36-Jährige.

Vorhang auf für die zweite Riege: Der 27-jährige Otmar Striedinger als Dritter und der 25-jährige Daniel Danklmaier als Fünfter haben am Freitag auf der Kitzbüheler Streif die Abfahrtselite aufgemischt und als die einzigen zwei Läufer des Feldes die besser werdenden Bedingungen mit mutigen Fahrten bestens ausgenützt. Davor mussten aber beide einen Vincent-Kriechmayr-Schreckmoment beiseiteschieben.

Als die Bedingungen auf der Streif umschlugen, nutzen dies Otmar Striedinger (3.) und Daniel Danklmaier (5.) zu satten Überraschungen. Für Max Franz ist die Saison indessen vorbei.

Der "Kaiser" im Kitz-Olymp: Skilegende Franz Klammer wurde am Donnerstag ein Stein am "Walk of Kitz" in der Kitz Galleria, dem Kaufhaus der Gamsstadt, zuteil. Der Olympiasieger von 1976 und vierfache Streif-Triumphator nahm die Ehrung unter anderem in Anwesenheit von Tochter Sophie entgegen.

Der Ski-Superstar verrät sein neues, einfaches Erfolgsrezept. Aber fährt er am Samstag seinen letzten Kitzbühel-Slalom?

Seinen Traum vom Abfahrtssieg auf der Streif wird sich Aksel Lund Svindal auch heuer nicht erfüllen. Der Olympiasieger verzichtet wegen neuerlicher Knieprobleme auf ein Antreten am Freitag. Auch sein Teamkollege Kjetil Jansrud muss wegen zweier gebrochener Mittelhandknochen passen. "Das tut weh", sagte der norwegische Herren-Cheftrainer Christian Mitter zum Ausfall seiner Topstars.

Dominik Paris im SN-Interview über Heavy Metal, Strecken wie die Streif und das Risiko.

Die 79. Hahnenkammrennen werden am Sonntag (13.30 Uhr/live ORF eins) ungeplanterweise nach wetterbedingter Verschiebung mit dem Super-G beendet. Der steht in Kitzbühel einigermaßen im Schatten der Abfahrt, obwohl es sich um den vielleicht schwierigsten im Weltcup handelt, betonten die ÖSV-Asse im Vorfeld. "Der Super-G da ist weniger Super-G, sondern mehr Abfahrt", urteilte Hannes Reichelt.

Der in Kitzbühel vorgenommene Renntausch bringt auch einen Routinier wie Marcel Hirscher in die Situation, kurz darüber nachzudenken, was noch dringend erledigt werden muss. Jeder Woche ist im Leben des Salzburgers gut durchgeplant, so wäre freilich am Samstag der letzte finale Test geplant gewesen. Nun fährt er auf dem Ganslernhang um den Slalomsieg und die abendlichen Siegerehrung.

Im Kreis der Favoriten für die auf Freitag (11.30 Uhr) vorgezogene Hahnenkammabfahrt tummeln sich auch einige ÖSV-Stars. So jagen Matthias Mayer und Hannes Reichelt nach ihren Trainingsbestzeiten die jeweils zweite Goldene Gams im Ski-Mekka, Wengen-Sieger Vincent Kriechmayr und Max Franz wollen ihre erste. "Die Möglichkeit besteht, dass einer gewinnt, wir werden alles daran setzen", sagte Mayer.

Der Salzburger Hannes Reichelt mit Bestzeit und der Südtiroler Dominik Paris als Dritter (+0,36) haben am Donnerstag im zweiten Abfahrtstraining in Kitzbühel aus dem Favoritenkreis die besten Leistungen gezeigt. Der Rest der Asse hielt sich vor dem Klassiker zurück. Daniel Danklmaier überzeugte erneut und fuhr sich als Vierter wohl ins ÖSV-Abfahrtsteam.

SN-Kolumnist Fritz Strobl analysiert die Abfahrt des Jahres in Kitzbühel - vor der Österreichs Abfahrer dank Vincent Kriechmayr schon einen Klassiker gewonnen haben.

Von Arnold Schwarzenegger bis Sebastian Vettel: Die VIP-Gäste feiern auf den unzähligen Partys in der Hahnenkamm-Woche.

Nach dem regierenden kanadischen Super-G-Weltmeister Erik Guay im November hat am Mittwoch in Kitzbühel mit dem Schweizer Patrick Küng ein weiterer ehemaliger Goldmedaillengewinner im alpinen Skisport seinen Rücktritt erklärt. Der 35-jährige Abfahrts-Weltmeister von 2015 gewann in seiner Karriere zwei Weltcuprennen, 2013 den Super-G von Beaver Creek, 2014 die Abfahrt von Wengen.

Die Streif gilt als die härteste Abfahrt der Welt. Wie geht es den Athleten, wenn sie vom Starthaus hinaus in den Abgrund schauen?

Max Franz und die Streif, das fühlte sich anfänglich wie die mögliche große Liebe an. Ein paar Jahre lang verlief das Verhältnis auch recht vielversprechend, vier Top-13-Ränge von 2012 bis 2015 waren ein guter Start, doch danach stellten sich die Probleme ein. "In den letzten Jahren sind mir die Zielankünfte ein bisserl ausgeblieben", rekapitulierte der Kärntner und hofft auf die Trendwende.

Streif-Abfahrtssieger Thomas Dreßen wird den Klassiker am Samstag aus dem Zielraum mitverfolgen. Der deutsche Skirennläufer befindet sich nach einem Kreuzbandriss auf dem Weg zurück, die Reise nach Kitzbühel ließ er sich nicht nehmen. Nicht starten zu können hat schon "ein bisschen wehgetan in der Magengrube", sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Matthias Mayer hat das erste Abfahrtrainings der alpinen Ski-Herren auf der Kitzbüheler Streif am Dienstag mit Bestzeit beendet. Der Kärntner lag 0,15 Sekunden vor dem Kanadier Benjamin Thomsen, 0,24 Sek. vor seinen Landsmann Daniel Danklmaier, der am Montag auf verkürzter Strecke die Europacup-Abfahrt gewonnen hatte, und 0,33 vor dem Südtiroler Dominik Paris.

Der Höhepunkt des Weltcup-Winters steht bevor: Das Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Testen Sie Ihr Wissen über die legendäre Streif-Abfahrt.

Kitzbühel steht jedes Jahr Kopf, wenn die Hahnenkamm-Rennen auf dem Programm stehen. Die Bilder der Streif, von Partys und Prominenten prägen dann das Bild der Tiroler Stadt. Der Kitzbüheler Fotograf Markus Mitterer zeigt "Kitzbichel" in seinem neuen Fotoband von einer anderen Seite.