Wintersport

Kitzbühel: "Das war ein richtig rauer Start"

Erstes Streif-Training endet mit harscher Kritik. Rennchef Trinkl: "Ich bin nicht der liebe Gott."

Nicht nur der Franzose Guillermo Fayed hatte Probleme am ersten Trainingstag auf der Streif in Kitzbühel. SN/APA/AFP/JOE KLAMAR
Nicht nur der Franzose Guillermo Fayed hatte Probleme am ersten Trainingstag auf der Streif in Kitzbühel.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das Sprichwort, das Weltkriegsveteranen und Börseprofis jederzeit unterschreiben würden, heißt umgelegt auf die Streif: Man soll die Streif nicht vor dem ersten Training loben.

Genau das taten aber die Fahrer am ersten Trainingstag. Von einer der "bestpräparierten und leichtesten Abfahrten auf der Streif seit zehn Jahren" sprach Vincent Kriechmayr nach der Besichtigung.

Doch die Mär von der Streif als Schmusekätzchen hielt genau einen Fahrer lang.

Schon nach Startnummer eins (die der Norweger Aleksander Aamodt Kilde trug) überschlugen sich die Trainer am Funk. "Wir wurden gewarnt, dass die Streif sich ganz anders präsentierten würde als besichtigt und gedacht", meinte Kriechmayr, der dann doch "mit mächtig Respekt" auf die Streif ging. "Und das war gut so."

Denn noch einmal 30 Minuten später war die Sicherheitsdiskussion auf der Streif für das Jahr 2018 auch schon wieder eröffnet. Die erste Breitseite auf die Kitzbüheler schoss just Beat Feuz ab, der am Samstag in Wengen die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen hat. "Das ist unfahrbar", meinte der ansonsten recht gutmütige Schweizer kurz und bündig. "Wir bemühen uns den ganzen Winter um Sicherheit. Das gilt bis Wengen und dann kommen wir nach Kitzbühel und es ist wieder alles ganz anders."

Vor allem die Sprünge kritisierte der Schweizer. "Die sind schlecht gebaut, gehen viel zu weit und haben vor allem einen viel zu hohen Luftstand." Generell wurden vor allem die Sprünge in die Mausefalle und vor der Alten Schneise kritisiert. "Da muss man sich etwas einfallen lassen", meinte Feuz.

Inhaltliche Zustimmung bekam er von Aksel Lund Svindal, doch beim norwegischen Gentleman hört sich das alles eine Spur feiner an: "Der Speed war höher, als alle geglaubt haben. Deswegen waren die Sprünge sehr, sehr weit. Man bekommt nicht oft von den Coaches vor dem Start eine Warnung, dass die Sprünge 50, 60 Meter weit gehen. Das war ein richtig rauer Start in die Kitzbühel-Woche."

Die Kritik zielte direkt auf FIS-Renndirektor Hannes Trinkl. Die SN erreichten den Chef über die Herren-Abfahrten am Nachmittag - natürlich auf der Streif, wo er mit zahlreichen Pistenarbeitern und Maschinen schon dabei war, die kritisierten Passagen umzubauen. "Der Schnee war heute deutlich schneller als zuvor gedacht, weil es eben wärmer geworden ist. Nur: Das macht der liebe Gott und nicht ich", meinte Trinkl zur Kritik, räumte aber ein: "Die Sprünge gingen sehr weit, die Sicht war auch nicht so gut, das war nicht optimal. Aber es ist offenbar auch den Trainern nicht aufgefallen, weil die haben bei der Besichtigung auch nichts gesagt."

Doch ab dem heutigen Mittwoch dürfte man auf der Streif ohnedies andere Probleme haben: Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee (allein für Mittwoch) werden erwartet und die werden die Charakteristik der Strecke verändern. Trinkl: "Der Grundstock ist ausgezeichnet, man sah nach dem ersten Training nicht einmal Spuren. Aber mit dem Neuschnee wird es halt jetzt um einiges langsamer." Der Schneefall nutzt wohl nur Svindals lädiertem Knie. "Ja, ich hoffe auf Schneefall, damit ich nicht jeden Tag fahren muss."  Im Training lag der Südtiroler Christof Innerhofer voran, Hannes Reichelt (5.) war bester Österreicher und der Radstädter Christopher Neumayer (8.) die Sensation des Tages: "Eine richtig geile Fahrt. Es war schwierig und unruhig und die Sprünge sind richtig weit gegangen. Jede Fahrt hier auf der Streif ist gut für mich, weil es die schwierigste Abfahrt der Welt ist."

Dass es in Österreich auch einen starken Ski-Nachwuchs gibt, das zeigte nach dem Training am Dienstag das Juniors Race auf dem Ganslernhang. Den Teambewerb (je drei Burschen und drei Mädchen) bestehend aus Riesentorlauf und Slalom gewann Österreich 2 vor Tirol und Österreich 1 mit dem Salzburger Noah Geihseder, der die Tagesbestzeit im Slalom fixierte.

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