Wintersport

Kobayashi will bei Tournee "möglichst viel Spaß haben"

Vor einem Jahr war Ryoyu Kobayashi ein Mitläufer im Skisprung-Weltcup, er beendete seine zweite Vierschanzen-Tournee als 22. Vor dem Auftakt der 67. Auflage in Oberstdorf drängten sich am Freitag die internationalen Medien um den 22-jährigen Japaner. Mit vier Siegen und zwei weiteren Podestplätzen in sieben Bewerben gilt er als einer der ersten Anwärter auf den Gewinn der Adler-Trophäe.

Kobayashi gilt als gro§er Favorit SN/APA (dpa)/Daniel Karmann
Kobayashi gilt als gro§er Favorit

Eine Erklärung für seinen rasanten Aufstieg vermochte Kobayashi im Allgäu selbst nicht zu liefern. Er habe in den vergangenen zwei Saisonen viel verbessert und von anderen gelernt, sagte das zweitjüngste von vier skispringenden Geschwistern.

Sein Heimtrainer in Sapporo, Janne Väätäinen, glaubt den Grund für den Aufschwung zu kennen. "Als Ryoyu verstanden hat, mehr machen zu müssen, als nur Porsche zu fahren, ist er gut geworden", sagte der Finne der "Tiroler Tageszeitung". Früher sei Kobayashi lieber mit seinem gebraucht gekauften Geländewagen durch die Gegend gebraust, doch nach der punktelosen Saison 2016/17 habe sich seine Einstellung gewandelt.

Nun bewundern Springer-Kollegen und Trainer gleichermaßen den Stil der Entdeckung der Saison. Kobayashi nütze den Radius vor dem Schanzentisch so perfekt aus, keiner nehme nach dem Absprung so viel Geschwindigkeit mit, keiner finde nach der Schanze so rasch die perfekte Flugposition, lauten die Erklärungen für die Überlegenheit des 1,73 m großen Athleten aus dem Norden Japans. Seine ersten, kleinen Sprünge habe er auf Langlaufskiern absolviert, erzählte Kobayashi, und mit elf Jahren habe er so richtig mit seinem Sport begonnen.

Dass er nun erstmals bei einem der Saisonhöhepunkte im Mittelpunkt steht und die Favoritenrolle innehat, scheint Kobayashi nicht zu stören. "Ich spüre keinen Extra-Druck, ich will bei der Tournee möglichst viel Spaß haben", erklärte der Sohn eines Sportlehrers, der Gregor Schlierenzauer als eines seiner Vorbilder nennt. Wie Noriaki Kasai springt er für das Firmenteam des Wohnbau- und Immobilienunternehmens Tsuchiya.

Bei seinen Siegen zeigt Kobayashi seine Freude mehr als die meisten seiner Landsleute zuvor. Die Antwort auf die Frage, welcher Typ er sei, klang vielversprechend. "Ich bin ein Neo-Japaner, ein verrückter Japaner." Doch auf Nachfrage ruderte Kobayashi gleich wieder zurück. Zu viel von seiner Persönlichkeit wollte er dann doch nicht preisgeben.

Stattdessen will er weiterhin mit seinen Sprüngen brillieren. Ungeachtet der zwei langen Flüge und des Zeitunterschieds von acht Stunden, um die Weihnachtspause in der Heimat zu verbringen. Seine Lieblingsschanze sei Bischofshofen, sagte Kobayashi. Am 6. Jänner möchte er dort über den Gesamtsieg jubeln. Als erster Japaner seit dem extrovertierten Kazuyoshi Funaki vor 21 Jahren.

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