Wintersport

Langläufer Johannes Dürr - gewährt der ÖSV dem Dopingsünder eine zweite Chance?

Der bei den Olympischen Spielen 2014 als EPO-Dopingsünder aus dem Verkehr gezogene Langläufer Johannes Dürr hofft bei seinem Vorhaben, als Staffelmitglied bei der Nordischen Heim-WM 2019 in Seefeld antreten zu dürfen, auf Entgegenkommen des Österreichischen Skiverbands. Er möchte eine Aussprache mit höheren Stellen und an ÖSV-Tests und Quali-Wettkämpfen im Spätherbst teilnehmen.

Verstrickt in Doping – die Fotomontage zeigt Johannes Dürr 2014 , der „den größten Fehler seines Lebens“ begangen hatte. SN/gepa pictures
Verstrickt in Doping – die Fotomontage zeigt Johannes Dürr 2014 , der „den größten Fehler seines Lebens“ begangen hatte.

In der ORF-TV-Sendung "Sport am Sonntag" trafen Dürr und Markus Gandler, Sportlicher Leiter im ÖSV für Langlauf und Biathlon, aufeinander. Dürr erklärte, dass er die Vorbereitung alleine und ohne Verbandsunterstützung machen wolle.

Zu seinen Beweggründen für ein Leistungssport-Comeback meinte er: "Ich habe den Sport nach wie vor tief in meinem Herzen verwurzelt. Die Loipe der Heim-WM ist auch meine Heimloipe mittlerweile, weil ich in Innsbruck beim Zoll angestellt bin und jeden Abend nach der Arbeit auf der Loipe bin. Das ist es, was mich zusätzlich antreibt."

"Der größte Fehler meines Lebens"

Er sei zwei Jahre gesperrt gewesen und habe vier gebraucht, um wieder Ordnung in sein Leben zu bringen. "Was ich gemacht habe, war der größte Fehler meines Lebens. Ich möchte zeigen, dass ich es anders auch kann." Sollte es mit der WM-Teilnahme nicht klappen, dann habe er aber alles probiert und alles reingeworfen, was bei seinen Möglichkeiten machbar sei.

Der ÖSV hatte Dürr zunächst lebenslang ausgeschlossen, nach einer außergerichtliche Einigung im November 2016 ist dieser aber wieder Verbandsmitglied. Um eine Lizenz hat der 31-Jährige bisher nicht angesucht, vergangene Saison hätte er keinen Bedarf gehabt, aber es habe sich anders entwickelt, erklärte Dürr.

"Jeder hat eine zweite Chance verdient"

Gandler erinnerte in der ORF-Sendung nochmals daran, welch schwierige Zeiten die Langlaufsporte im ÖSV nach den Vorfällen in Salt Lake City 2002, Turin 2006 und später Sotschi 2014 durchgemacht habe und dass Präsident Peter Schröcksnadel sogar angedacht hatte, die Sparte zu streichen. "Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient", beantwortete Gandler eine entsprechende Frage. "Aber Schröcksnadel hat gesagt, es gibt null Toleranz."

Er selbst sei Sportlicher Leiter und müsse sportliche Leistung beurteilen. "Das kann ich nicht, weil sie nicht da ist", sagte Gandler, der erst seit einigen Tagen von Dürrs Plänen weiß und bei seiner Recherche nur ein Ergebnis bei einem Volkslauf gefunden hat. In Seefeld an den Start zu gehen, würden sich viele wünschen, merkte er an.

"Es ist nicht mehr viel Zeit"

Dürr will das Gespräch mit Schröcksnadel suchen. Gandler im ORF direkt an Dürr gerichtet: "Es ist nicht mehr viel Zeit, viel zu klären. Du wirst viele Wegen gehen und mit höheren Stellen reden müssen." Grundsätzlich würde der ÖSV Dürr für eine Staffel in Seefeld nicht brauchen, es gäbe auch Optionen mit schnellen Kombinierern oder Biathleten.

Was Gandler "maßlos stört", ist, dass Dürr gemeinsam mit dem Autor Martin Prinz an einem Buch über seinen Weg zurück arbeitet. Denn der Schriftsteller hatte zum "Profil" gesagt: "Die gesamte Weltspitze im Skilanglauf dopt. Es gibt so gut wie keinen Athleten unter den 30 Erstplatzierten auf der aktuellen Bestenliste, der nicht zu illegalen Substanzen greift." Gandler meinte: "Solche Menschen haben keinen Platz im Sport." Dürr verteidigte die Kooperation damit, dass jeder eine eigene Meinung haben dürfe und die von Prinz gegensätzlich zu seiner sei.

(Schluss) beg/ttr

Quelle: APA

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