Wintersport

Marcel Hirscher im Audi-Talk: "Mit Schlafen war oft wenig"

Der einstige Ski-Dominator gab in Salzburg eines seiner raren Interviews. Dabei sprach er sehr offen auch über Schlafprobleme während seiner aktiven Karriere.

Marcel Hirscher.  SN/agentur loop new media gmbh
Marcel Hirscher.

Während seine Konkurrenten von früher ein intensives Slalom-Wochenende in Flachau bestreiten, plauderte Hirscher im Audi-Talk mit Moderator Stefan Steinacher. Hirscher sprach unter anderem mentale Hürden und Herausforderungen an, plauderte über schlaflose Nächte und schwärmte von seiner Leidenschaft, dem Freeriden.

"Stürze sind erschreckend"

Marcel Hirscher erinnerte sich auch daran, dass er oft kaum zum Schlafen kam, wenn wichtige Rennen anstanden und er durch das stressige Drumherum keine Ruhe fand: "Mit Schlafen war oft wenig." Auch deshalb vermisse er das Rennfahrerdasein derzeit nicht: "Die Fahrer sind derzeit am Limit. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass Athleten am Limit sind, kaum erholt sind und sagen, sie haben keine Lust mehr, weil es zuviel wird." Dass es zuletzt einige schwere Stürze gab, fand Hirscher "erschreckend", zumal es an nur einem Wochenende einige Podestfahrer erwischt habe, für die nun die Saison vorbei sei.

Der Livestream zum Nachschauen:

"Als junger Athlet null vorbereitet"

Über die Herausforderungen als junger Athlet: "Wie ich mit 22 Jahren das erste Mal den Gesamtweltcup gewonnen habe und dann so in die Öffentlichkeit gehoben wurde, war aufregend aber auch eine riesen Herausforderung. Du bist als junger Athlet null vorbereitet, hast keine Ahnung was dich da erwartet. Ich glaube es gibt wenig Österreicher, die in so jungen Jahren so viele Interviews gegeben haben, da prasselt auf einen jungen Menschen schon sehr viel ein. Da ist schon sehr viel Lehrgeld inkludiert."

Froh über Laura an seiner Seite

Ob er sich in diesen Phasen depressiv oder allein gefühlt habe: "Genau deswegen war Laura immer an meiner Seite, um zumindest noch einen Funken Normalität zu bekommen. Der Wettkampf, die Show, das Adrenalin - jeder stellt sich vor der wird jetzt feiern und eine gute Zeit haben. Wir haben uns dann schlussendlich eh eine gute Zeit gemacht, uns vielleicht am Abend noch eine coole Serie angeschaut und im Idealfall noch etwas gegessen."

Dass er jetzt mehr von sich in sozialen Medien preisgibt, erklärte Marcel Hirscher so: "Es gibt mehr herzuzeigen. Andere Situationen, Projekte einfach eine neue Seite die interessanter ist als blau, rot, blau, rot - und das die ganze Zeit. Ich habe auch die Lust verloren, den tausendsten Schwung zu zeigen, schlussendlich schaut eh jeder gleich aus."

"Nicht wieder in einen Wettkampf gehen"

Seine Leidenschaft fürs Freeriden werde nicht in eine wettkampfmäßige Ausübung münden: "Ich will nicht wieder in einen Wettkampf gehen, mich wieder judgen lassen. Dann mache ich es genau gleich. Wieder mit dieser Akribie und dem Einsatz, der sich schwer mit der buchstäblichen Freude, die im Vordergrund steht, verbinden lässt. Abgesehen davon, auf diesem Level zu performen, das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Mein Skifahren hat mit dem Skifahren nur sehr wenig zu tun. Ich bleibe lieber bei der Leidenschaft und coolen Projekten."

Sohn hat noch keine Lust auf Skifahren

Über Skifahr-Versuche mit seinem Sohn: "Ich frage glaube ich wirklich täglich, muss noch Geduld haben (lacht). Aktuell ist es ein lustiges Kennenlernen, was ist ein Skischuh, was eine Bindung, ein bisschen ein Herumstapfen, mehr will ich gar nicht. Solange das nicht von der Gegenseite kommt und es heißt Papa gemma Skifahren, passiert nichts."

Dakar-Pläne mit Matthias Walkner?

Über Pläne, die Rallye Dakar zu bestreiten: "Ich glaube mein Freund Matthias Walkner hat da schon gewisse Pläne mit mir (schmunzelt), mal schauen, wie sich das alles entwickelt. Die Rallye Dakar ist eines der letzten großen Abenteuer, die leider immer wieder Opfer fordert, es ist schon auch sehr gefährlich, keine Frage. Ich bin fasziniert, dass Audi diesen Schritt mit einem elektrischen Antriebsstrang geht, sehr gespannt wie das was funktioniert und wie die Performance sein wird. Es ist einfach cool die Marke Audi dort zu sehen, wer weiß welche Möglichkeiten sich ergeben, es ist schon wahnsinnig beeindruckend."

Bewegungsarmut bei Kindern: "Schockierend"

Sorgen macht sich Hirscher über die Bewegungsarmut bei Kindern: "Es kann nicht sein, dass viele Kinder keinen Purzelbaum vorwärts und rückwärts können. Wenn man sich Statistiken zeigen lässt, wie viele Bewegung Kinder tatsächlich tagtäglich machen, dann ist das schockierend. Unvorstellbar, ich habe gesagt diese Studie kann nicht stimmen, das gibt es nicht. Das gibt mir persönlich schon zu denken."

Manuel Feller "genial"

Für seine Nachfolger im ÖSV-Team und deren Performance im Slalom von Flachau fand Hirscher lobende Worte. Vor allem den Übergang gleich nach dem Start, der zahlreiche Läufer vor große Herausforderungen stellte, sei Feller "echt genial und überlegen" gefahren. Hirscher staunte, "welcher Punch, welche Dynamik dahinter war". Genau das habe er dem Premierensieger auch per Nachricht mitgeteilt. Die kleine Aufregung über Fellers flapsige Wortwahl vor dem Rennen, als er den Flachau-Hang als "Märchenwiese" bezeichnet hatte, konnte Hirscher nicht nachvollziehen. "Da ist wenig Emotion dahinter. Ich weiß, wie wir reden", meinte er lapidar. Das Terrain sei "nicht das Steilste und Schwerste, was es gibt. Deswegen ist es aber auch nicht leicht zu gewinnen."

Mit Blick auf die aktuelle ÖSV-Techniker-Equipe hab er jedenfalls ein gutes Gefühl. "Die Jungs, die schon während meiner Abwesenheit stark angeklopft haben, dieses erste Jahr alleine hinter sich haben und jetzt voll da sind: Das ist schön zu sehen. Das hat eigentlich keiner geglaubt, auch dass es so schnell geht." Er sei überzeugt, dass sie sich "gegenseitig pushen und motivieren. Sie wissen genau, wie schnell sie sind, haben Vertrauen ins Skifahren, ins Können, ins Setup", betonte der 31-Jährige.

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