Wintersport

Luitz droht Disqualifikation, Hirscher könnte profitieren

Dem deutschen Alpinski-Fahrer Stefan Luitz droht wegen eines Regelverstoßes die nachträgliche Disqualifikation für den Riesenslalom in Beaver Creek und damit auch der Verlust seines ersten Weltcupsieges. Profitieren würde davon ÖSV-Ass Marcel Hirscher. Der Salzburger hatte am vergangenen Sonntag als Zweiter seinen 60. Jubiläumssieg im Weltcup knapp hinter dem 26-Jährigen verpasst.

Stefan Luitz muss um seinen Sieg zittern, Marcel Hirscher könnte profitieren. SN/GEPA pictures
Stefan Luitz muss um seinen Sieg zittern, Marcel Hirscher könnte profitieren.

Statt mit dem frischen Selbstvertrauen eines Weltcupsiegers geht Stefan Luitz mit der Ungewissheit einer drohenden nachträglichen Disqualifikation in das Alpin-Rennen am Samstag. Eine Woche nach seinem sensationellen Erfolg beim Riesenslalom-Comeback in Beaver Creek untersucht der Skiweltverband FIS einen Verstoß des 26-Jährigen gegen die Anti-Doping-Regeln des Verbandes - wann eine Entscheidung fällt, war auch am Freitagabend noch offen.

Entsprechend schwierig ist die Situation für den Allgäuer. "Das war nicht schön, als es durch die Medien ging. Stefan war dann auch geknickt eine Weile. Aber wir haben dann ein gutes Gespräch gehabt. Jetzt fokussieren wir uns auf das Rennen", sagte Cheftrainer Mathias Berthold.

FIS-Rennchef Markus Waldner sagte beim Treffen der Trainer am Abend vor dem Riesenslalom am Samstag (erster Durchgang ab 10 Uhr) in Val d'Isère nur, dass es eine Untersuchung gebe und der betroffene Fahrer bis zu einer Entscheidung an allen Wettkämpfen teilnehmen dürfe.

Sauerstoff durch eine Maske eingeatmet

Fakt ist: Luitz hat zwischen den beiden Durchgängen am vergangenen Sonntag Sauerstoff durch eine Maske eingeatmet und damit gegen das Reglement der FIS verstoßen. Das bestreitet auch niemand vom Deutschen Skiverband (DSV). "Wir haben einen Fehler gemacht, da stehen wir auch dazu. Weil wir nicht wussten, dass die FIS ihr Reglement an den internationalen WADA-Code nicht angepasst hat", sagte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier der Deutschen Presse-Agentur.

Der Start in Beaver Creek im US-Bundesstaat Colorado liegt mit 3152 Metern sehr hoch, entsprechend dünn ist die Luft in den Rocky Mountains. Sauerstoff hilft den Sportlern. Für die WADA ist das legal, laut Anti-Doping-Regeln der FIS nicht. "Wir haben den Stefan in diese Situation gebracht. Wir haben uns auf den WADA-Standpunkt bezogen (...) und haben in dieser Situation falsch gehandelt", sagte Berthold.

Verstoß hat Disqualifikation zur Folge

Denn in dem Dokument mit Stand Juli 2016 steht auf Seite 13, dass es verboten ist, Sauerstoffflaschen und ähnliches Equipment an oder in die Wettkampfstätte mitzubringen und dort zu nutzen. Ein Verstoß habe die automatische Disqualifikation zu Folge.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erlaubt in ihrer aktuelleren Liste der verbotenen Substanzen und Methoden aus diesem Jahr das Einatmen von Sauerstoff allerdings explizit. In diesem Wissen hatten die deutschen Betreuer Luitz den Sauerstoff einatmen lassen - im Aufenthaltsbereich der Skirennfahrer, sichtbar für alle Konkurrenten. "Wir akzeptieren, wenn man sagt, wir haben einen Regelverstoß gemacht. Aber nicht, dass wir gedopt haben. Wir betrügen nicht", sagte Maier. "Doping ist betrügen. Aber das Einatmen von Sauerstoff ist laut WADA und NADA kein Betrug. Und wir betrügen nicht."

Luitz: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst"

Luitz selbst meinte: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst und habe gedacht, es ist erlaubt. Ich würde deshalb eine Disqualifikation nicht ganz verstehen. Es wäre keine Entscheidung im Sinne des Sports." Zum Riesentorlauf am Samstag meinte der Deutsche: "Es wäre schön, falls mir der Sieg weg genommen wird, morgen den ersten Weltcupsieg gleich absichern zu können."

Wie lange Luitz nun darauf warten muss, ob er seinen Weltcupsieg behalten darf oder nicht, konnte am Freitag niemand abschätzen. Eine Entscheidung noch an diesem Rennwochenende mit dem Riesenslalom und dem Slalom am Sonntag sei nicht auszuschließen, hieß es lediglich.

Hirscher: "Mir tut Stefan leid"

"Mir tut Stefan leid", sagte der hinter Luitz zweitplatziert gewesene Hirscher. "Als Athlet verlässt du dich darauf, was Trainer, Ärzte und Verantwortliche sagen", erklärte der Österreicher in Frankreich gegenüber dem Ö3-Radio. "Wenn Stefan das gewusst hätte, hätte er das bestimmt nicht gemacht", war Hirscher überzeugt. Eine Disqualifikation wäre für Luitz jedenfalls "ein Wahnsinn".

Hirscher bezog sich dabei darauf, dass Luitz diesem ersten Weltcupsieg so lange hinterhergefahren war. "Er ist so oft schon so knapp gescheitert. Aber Stefan ist nicht aufzuhalten und im Riesentorlauf einer der stärksten. Am Samstag gehört er wieder zu den Mitfavoriten", ist der siebenfache Weltcup-Gesamtsieger überzeugt. Er selbst nehme keinen Sauerstoff. "Es ist nicht eindeutig geklärt, ob es was bringt."

Neureuther Nimmt DSV-Verantwortliche in die Pflicht

Luitz' Landsmann Felix Neureuther nahm die DSV-Verantwortlichen in die Pflicht. "Sollte da was sein, müssen die, die entschieden haben, zur Verantwortung gezogen werden und nicht Stefan", sagte der Deutsche. Neureuther kehrt in Val d'Isere nach Daumenverletzung mit einer Plastikschiene ins Renngeschehen zurück. Er überlege, es auch am Sonntag im Slalom zu versuchen. "Ich weiß aber noch nicht, ob es funktioniert", sagte Neureuther, der verletzungsbedingt in Beaver Creek gefehlt hatte. Heute, Samstag, will er auch erstmals wieder antreten. Der 34-Jährige musste sein Comeback nach überstandenem Kreuzbandriss zuletzt zwei Mal verschieben. Zuletzt brach sich der erfolgreichste deutsche Weltcup-Fahrer den Daumen. In Frankreich fährt er mit einer Spezialschiene.

Quelle: SN

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