Wintersport

Maier rät Abfahrern in Kitzbühel, den Fokus zu behalten

Österreichs ehemalige Ski-Asse Hermann Maier und Michael Walchhofer bedauern die Absage der Weltcup-Rennen im Wengen und freuen sich mit Kitzbühel über die Austragung nun am Hahnenkamm. Dass die Speed-Asse laut Programm nächste Woche inklusive Trainings damit gleich sechs Mal in Folge die berüchtigte Streif bewältigen müssen, ist nicht alltäglich. Für Maier ist es daher besonders wichtig, nicht den Fokus zu verlieren.

Ex-Rennläufer Michael Walchhofer bei Pressegespräch in Flachau SN/APA/BARBARA GINDL
Ex-Rennläufer Michael Walchhofer bei Pressegespräch in Flachau

"Zuerst Wengen und dann Kitzbühel, das ist normalerweise das absolute Highlight. Schade also wegen der Absage in der Schweiz", bedauerte Maier die Eidgenossen. Walchhofer sieht das ähnlich. "Es ist immer Unglaubliches zu leisten, damit am Lauberhorn eine Strecke rennfertig ist. Die haben dort sicher wieder eine irrsinnigen Aufwand betrieben. Auch wegen Covid. Und dann passiert das", litt auch der ehemalige Abfahrtsweltmeister mit. "Das ist sehr bitter und tut mir extrem leid für die Verantwortlichen dort. Das OK hat sicher das Möglichste getan."

Der ÖSV findet für seine Weltcuprennen in Österreich eine günstigere Situation vor, weil im Gegensatz zur Schweiz hierzulande derzeit keine touristische Beherbergung erlaubt ist und die (wenigen) Hotels nur für den auf Covid getesteten Weltcup-Tross geöffnet sind. Die dazugehörigen Präventionskonzepte haben zumindest bisher gut funktioniert.

Kitzbühel steht rund um die 81. Hahnenkammrennen vor der Herausforderung von fünf Rennen an zwei Wochenenden. Nach den beiden Slaloms am kommenden Wochenende stehen ab Dienstag drei Trainingsläufe und danach zwei Abfahrten und ein Super-G auf dem Programm. Ein Monsterprogramm also auf der legendärsten und für viele auch gefährlichsten Abfahrt der Welt.

"Wenn ich sechs Mal oder öfter wo runter fahre, verliere ich komplett die Lust. Egal, wie schwierig das Ganze ist", rät Maier den Fahrern daher, eventuell das eine oder andere Training auszulassen. "Man muss schauen, den Fokus zu behalten. Ich habe vermutlich deshalb keinen sechsten Super-G (in Kitzbühel, Anm.) gewonnen, weil ich nachdachte, was soll ich anders machen? Und dann fährt man einfach schlecht. Die größte Herausforderung wird also, nichts zu ändern."

Grundsätzlich sei das außergewöhnliche Programm aber zu bewältigen, passe irgendwie zur Zeit. "Was gibt es besseres, als den Höhepunkt gleich zwei Mal zu fahren?" Auch für Walchhofer ist das dichte Kitz-Programm in Anbetracht der Umstände okay. "Ich bin auch schon mal dort Super-G, Abfahrt und Slalom gefahren. Sollte Alexis Pinturault dort gleich alle Rennen fahren, wäre das aber echt was."

Die beiden Familienväter Maier und Walchhofer sind auch nach ihren Rennkarrieren stark beschäftigt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es mir ein Mal langweilig gewesen wäre. Das war es zuletzt vermutlich im Teenager-Alter und ich würde mir wünschen, einmal richtig abschalten zu können", beschrieb Maier seine Situation. "Nach dem Karriereende ist nie ein Stillstand eingetreten. Das schwarze Loch ist an mir vorbeigezogen und hat jemand anderen erwischt."

Walchhofer, der wie Kitzbühels OK- und Skiclub-Präsident Michael Huber als Nachfolge-Kandidat von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel kolportiert wird, verfolgt das Homeschooling seiner Kinder mit Interesse. Erfreut registriert hat Walchhofer die jüngsten Erfolge im Weltcup.

"Es sitzt sich jetzt leichter da als noch zu Weihnachten. Damals waren wir weit weg von unseren Erwartungen", sagte Walchhofer. "Das Blatt hat sich ein wenig gewendet, es geht in die richtige Richtung", ist der Salzburger angesichts der jüngsten Erfolge ("Der Sieg von Marco Schwarz war genial") zuversichtlich. "Das gibt der ganzen Mannschaft Auftrieb", hofft Walchhofer darauf, dass nun eine ähnliche Dynamik wie zu seiner Zeit entsteht. "Wir wollen die Latte woanders hinlegen, wieder ganz vorne mitfahren. Und zwar beständig und nicht durch einen Glücksritt."

Ohne Zuschauer zu fahren, sei natürlich schade. "Mir hat es sehr getaugt, wenn in Kitz schon beim Besichtigen tausende Fans im Ziel waren", so Walchhofer. "Das war genau der Reiz, den ich gebraucht habe, um das Letzte zu geben. Und zu spüren, dass da was Wichtiges ist."

Quelle: APA

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