Wintersport

Marcel Hirscher: Just daheim riss die Serie

Marcel Hirscher landete erstmals nach 20 Rennen im Riesentorlauf nicht in den Top 3.

Ski-Superstar Marcel Hirscher konnte es nicht fassen: Der Favorit von Saalbach-Hinterglemm musste sich beim Heim-Riesentorlauf mit Rang sechs begnügen. SN/gepa pictures
Ski-Superstar Marcel Hirscher konnte es nicht fassen: Der Favorit von Saalbach-Hinterglemm musste sich beim Heim-Riesentorlauf mit Rang sechs begnügen.

Man muss lange zurückblättern in den Weltcupstatistiken, um einen Riesentorlauf zu finden, bei dem Marcel Hirscher nicht auf dem Siegerpodest gestanden ist. Fast drei Saisonen: Beim Weltcupfinale am 19. März 2016 belegte der Salzburger in St. Moritz "nur" Rang fünf. Seither wurden 18 Riesentorläufe im Weltcup ausgetragen, bei denen Hirscher meistens gewonnen hat oder in den Top 3 war, nimmt man den WM-Riesentorlauf 2017 und den Olympia-Riesentorlauf 2018 dazu, dann waren es sogar 20 Rennen in Folge - bis am gestrigen Mittwoch das Heimrennen in Saalbach-Hinterglemm kam.

Da hatte der Seriensieger schon nach der Hangbefahrung dunkle Vorahnungen. Ob denn der Zwölferkogel das Zeug habe, eine Lieblingsstrecke von ihm zu werden, wurde er in der Früh gefragt, und er antwortete offen: "Nein, das glaube ich nicht. Etwas zu flach."

Am Ende lag es aber nicht an der Geländebeschaffenheit, dass Hirscher seinen Auftritt "zum Schämen" gefunden hat. Er kam an diesem Tag mit den äußeren Bedingungen und der Materialabstimmung, eigentlich seine Trumpfkarte, nicht zurecht. Im ersten Durchgang wählte er eine zu aggressive Abstimmung, damit stach er sich den Schwung meist selbst ab. Im zweiten Lauf wechselte er das Material vollständig, diesmal fehlte der Grip. "Es ist das gleiche Material, das ich am Sonntag verwendet habe. Da habe ich gedacht, ich kann nicht umfallen, heute habe ich gedacht, ich komme nicht in das Ziel. Es war ein Kampf von oben bis unten", meinte Hirscher, der nach anfänglichem Frust rasch relativ gelöst schien. "Natürlich wäre es mir lieber, wenn es so weitergegangen wäre wie die letzten Rennen, aber man muss akzeptieren, dass es auch solche Tage gibt. Dafür ist Rang sechs ohnedies noch eine richtig gute Schadensbegrenzung", sagte Hirscher, der sich auch für den heutigen Slalom (10, 13 Uhr) angesichts der Bedingungen wenig erwartet. "Ich werde heute sicher schlecht schlafen."

Noch vor drei Tagen hätte man das als übliches Understatement hingenommen, an diesem Tag hat man es ihm glatt geglaubt.

Die zweite dunkle Vorahnung beschlich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, als Hirscher schon im Ziel gestanden ist: "Normal muss das jetzt der Feller gewinnen, aber der ist immer gut für einen Ausfall." So kam es auch - nur diesmal konnte Manuel Feller nichts dafür: Im Mittelteil erwischte er einen Stein, der eine Skikante ruinierte. "Ich konnte keinen Rechtsschwung mehr fahren, musste über den Innenski gehen - da ist es nur eine Frage der Zeit, bis man draußen liegt." Stichwort Ausfälle: 19 Fahrer schieden im ersten Lauf aus, sieben im Finallauf. "Es war der schwierigste Riesentorlauf des Jahres, es war eine Schlacht von oben bis unten", meinte der Schweizer Thomas Tumler. Bei der genau noch ein zweiter Österreicher in die Punkte gekommen ist: Johannes Strolz als 17. "Das ist enttäuschend, die Erwartungen waren deutlich höher. Die Bedingungen waren schwierig, das Eis spröde und brüchig", meinte Cheftrainer Andreas Puelacher.

Weil auch der führende Schwede Matts Olsson danach ausgeschieden ist, war der Weg frei für den slowenischen Sensationsmann Zan Kranjec, der vor Loic Meillard (Sz) und Mikaela Shiffrins Freund Mathieu Faivre gewonnen hat - ein Podium zum Staunen.

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