Wintersport

Marcel Hirscher: Mit Köpfchen zum 40. Streich

Erst mit Fieber und Ohrenentzündung im Bett, dann entfesselt im Steilhang: Marcel Hirscher beginnt die Slalomsaison mit seinem 40. Weltcupsieg. Dahinter überrascht ein starkes ÖSV-Team.

Marcel Hirscher: Mit Köpfchen zum 40. Streich SN/AP
Auf dem Weg zum Sieg: Marcel Hirscher.

Der Weltcupslalom 2013 endete in Levi mit einem ÖSV-Doppelsieg: Hirscher vor Matt. So lautete auch das Ergebnis 2016: Marcel Hirscher gewann Sonntag nach zwei taktisch hervorragenden Läufen im hohen Norden den ersten Saisonslalom vor Matt - allerdings Michael statt Mario. Michael Matt (23) ist der um 14 Jahre jüngere Bruder des (abgetretenen) Slalom-Olympiasiegers und passte damit exakt ins Bild des Rennens: dort der alles überragende Marcel Hirscher, da ein junges ÖSV-Team, das richtig Lust auf die kommenden Rennen gemacht hat. Denn da war nicht nur Michael Matt, da überraschte auch Marco Schwarz mit Rang zwei nach dem ersten Durchgang, ehe er im zweiten Lauf ausgerutscht ist, Manuel Feller sprang im zweiten Heat von Rang 16 auf Platz fünf.

Über allen thronte an diesem Tag aber Marcel Hirscher. Der Salzburger fuhr zu seinem 40. Weltcupsieg, es war der 19. in einem Slalom, dazu kommen zwei Siege in City-Events. Dabei war wenige Stunden vor dem Start noch nicht einmal klar, ob er überhaupt antreten könnte. Eine Mittelohrentzündung machte ihm zu schaffen, Samstag lag er mit 39 Grad Fieber im Bett, anstatt zur Startnummernauslosung zu gehen.

Doch den Lauf konnte niemand so gut lesen wie Hirscher. Gerade der erste Lauf lud zur Attacke ein, ehe es im Steilhang zur Sache ging - auf diese Einladung fielen zu viele Läufer herein, Hirscher nahm rechtzeitig Tempo heraus und lag damit schon nach Lauf eins in Führung. Im zweiten Lauf gab es dann auch bei ihm Attacke statt Taktik, das summierte sich am Ende zu einem beachtlichen Vorsprung von 1,30 Sekunden auf den zweitklassierten Michael Matt. 1,30 Sekunden zwischen dem Sieger und dem Zweiten, 0,39 Sekunden zwischen dem Zweiten und dem Zehnten - das sagt alles über die Kräfteverhältnisse aus.

"Ich bin sehr zufrieden, aber man darf nicht vergessen, dass der Beste des Vorjahres (gemeint ist Henrik Kristoffersen, Anm.) gefehlt hat. Mit meinen Geheimtipps habe ich keinen Blödsinn geredet." Hirscher meinte nämlich zuvor, dass Marco Schwarz und Michael Matt im Training dominiert hätten.

Für seinen zweiten Sieg in Levi bekam Hirscher übrigens sein zweites Rentier geschenkt - das erste heißt Ferdl (nach seinem Vater), das zweite wird nach Hirschers Bruder Leo benannt.

Bei den Damen kündigt sich unterdessen die große Wachablöse an: Während sich Lindsey Vonn in Vail von ihrer Operation (Bruch des Oberarms) erholt, war ihre Landsfrau Mikaela Shiffrin in Levi einmal mehr nicht zu stoppen. Saisonübergreifend gewann Shiffrin damit bereits zum neunten Mal in Folge einen Slalom und übernahm damit die Gesamtführung im Weltcup. Die Österreicherinnen hatten nichts mitzureden, nur vier von zehn schafften die Qualifikation für den Finallauf, dort war Carmen Thalmann auf Rang zehn die Beste.

Unterdessen rätselt der Weltcup, wann Vonn ihr Comeback geben könnte. Nicht einmal ihr Head-Rennchef Rainer Salzgeber hält es für völlig ausgeschlossen, dass sie trotz Platte im Arm schon Anfang Dezember in Lake Louise am Start steht.

Quelle: SN

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