Wintersport

Marko Pfeifer - die Slalom-Erfolge haben einen Vater

Wie Trainer Marko Pfeifer mit viel Geduld ein völlig neues Slalomteam geformt hat.

Sein Team streut ihm Rosen: Österreichs Slalomtrainer Marko Pfeifer.  SN/gepa pictures
Sein Team streut ihm Rosen: Österreichs Slalomtrainer Marko Pfeifer.

Es war eher ein Himmelfahrtskommando denn ein Job, den Marko Pfeifer 2013 angetreten hat: Er übernahm als Techniktrainer Österreichs Slalomteam um Benny Raich, Mario Matt und Reinfried Herbst, das zwar überaus erfolgreich, aber ebenso überaltert war. Neuaufbau hieß die Devise, nur: Junge Läufer waren weit und breit nicht zu sehen. Dafür aber ein Marcel Hirscher, der im Privatteam unterwegs war und jedes Wochenende gezeigt hat, was möglich wäre. Im Gegenzug gab Pfeifer immerhin seinen Job als Cheftrainer des schwedischen Skiteams auf.

Sechs Saisonen später darf der Kärntner seinen Job Dienstagabend richtig genießen: beim Nachtslalom in Schladming vor erwarteten 45.000 Zuschauern - "dem besten Rennen für uns Slalomfahrer im ganzen Jahr". Und er hat mit Marco Schwarz, Michael Matt, Manuel Feller, Christian Hirschbühl und Marc Digruber gleich einige heiße Eisen im Feuer.

Als "Trainer der besten Slalomtruppe der Welt", hat ihn Christian Hirschbühl in Kitzbühel bezeichnet. Dass gerade der Vorarlberger voll des Lobes für Pfeifer ist, ist auch verständlich: "Ich war schon aus allen Kadern geflogen und dann kam noch ein Kreuzbandriss hinzu, aber Marko hat an mich geglaubt. Ohne ihn wäre ich nicht mehr hier." Geduld, Akribie und ein unglaubliches Auge zeichneten Pfeifer aus, sagt etwa Saisonaufsteiger Marco Schwarz. "Er braucht keine Uhr, die mitläuft, er sieht am Schwung, was passt, was schnell ist und was etwa drei Zehntel gekostet hat", sagt Schwarz. Früher sei man große Umfänge gefahren, heute feile man eher an Kleinigkeiten.

Pfeifer selbst sieht sich in erster Linie als Psychologe und dann als harter Arbeiter. "Psychologie hat mich immer interessiert. Man muss als Trainer wissen, wann man einem Läufer Gas gibt und wann man ihn auffangen muss. Ich glaube, dass dies eine Stärke von mir ist."

Der Rest sei einfach viel Organisation. Am Beispiel Slalom-Jänner schaut das so aus: Vor dem Rennen in Wengen trainierte Pfeifer mit dem Team in St. Anton am Arlberg, vor Kitzbühel in Going und vor dem heutigen Heimspiel in Schladming auf der Reiteralm. Jeweils auf Pisten, die den erwarteten Verhältnissen möglichst gleichen sollen. "Das ist mittlerweile meine Hauptaufgabe als Trainer, diese Pisten zu organisieren und zustande zu bringen."

Denn: Im Training das nächste Rennen zu simulieren, das werde immer wichtiger. "Technik und Material - das ist eins. Die Jungs fahren auf so einem Niveau, da brauchst du nicht mehr viel zur Technik zu erklären. Daher musst du jetzt an der Materialabstimmung arbeiten."

Dass Marcel Hirscher, der erfolgreichste österreichische Slalomfahrer aller Zeiten, nicht mit dem ÖSV-Slalomteam trainiert, das empfindet Pfeifer weder als Vor- noch als Nachteil. "Es ist, wie es ist, und im Zweifelsfall ist es eher ein Ansporn für das restliche Team, sich mit ihm zu messen."

Aus einer Tätigkeit in Schweden, wo er ein Topteam um Jens Byggmark, Andre Myhrer, Markus Larsson und Mattias Hargin geformt hat, nahm er viel an Erfahrung mit. "Das waren ganz spezielle Charaktere, bei denen es meist darum gegangen ist, wer am Ende bester Schwede war. Das hat gezählt, auch wenn es nur Rang zehn war. Das versuchte ich hier zu verhindern. Wir schauen auf die Top drei, nicht darauf, wer bester Österreicher ist."

Bleibt noch zu klären: Wer ist denn der große Favorit heute Abend? "Sicher Clément Noël. Er fährt einen kurzen Schwung mit einem extrem kurzen Druckpunkt und ist daher mit dem Schwung so früh fertig. So wie Reinfried Herbst in seinen besten Tagen." Über die Diskussion, ob der Slalom derzeit groß gewachsene Läufer bevorzuge, kann er nur den Kopf schütteln. "Diesen kurzen Schwung muss man fahren können - egal, ob man so groß ist wie Hirscher oder Noël."

SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 03.12.2020 um 02:09 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/marko-pfeifer-die-slalom-erfolge-haben-einen-vater-64829617

Kommentare

Schlagzeilen