Wintersport

Michael Matt: "Hätten drei Siege sein können"

Hinter den Slalom-Giganten Hirscher und Kristoffersen hat sich zuletzt Michael Matt als die Nummer drei etabliert. Zum Sieg fehlte mehrmals nur ein Quäntchen Glück.

Michael Matts Ärger über seinen Ausfall in Kitzbühel soll in Schladming dem Jubel weichen.  SN/gepa pictures
Michael Matts Ärger über seinen Ausfall in Kitzbühel soll in Schladming dem Jubel weichen.

Über das Missgeschick am Vortag in Kitzbühel konnte Michael Matt auch gestern nur den Kopf schütteln. "Viel habe ich letzte Nacht nicht geschlafen", sagte er am Vorabend des heutigen Nachtslaloms auf der Planai (17.45, 20.45), auf den er sich jetzt genau deshalb freut. "Ich muss froh sein, dass es jetzt gleich mit einem Rennen weitergeht."

Der Slalom von Kitzbühel war ein Rennen, das in mehreren Aspekten zu seiner bisherigen Saison gepasst hat. Matt war (wieder einmal) auf dem Weg zum möglichen Sieg, als er eine Haarnadel von der falschen Seite anfuhr. "Drei Siege hätten es heuer schon sein können oder sein müssen", sagt Matt. In Zagreb fehlten ihm nach Halbzeitführung lächerliche fünf Hundertstelsekunden auf Marcel Hirscher. In Adelboden lag er nur 0,13 Sekunden hinter Hirscher zurück, nun das Missgeschick in Kitzbühel.

Doch Matt nimmt auch einige andere positive Seiten aus der bisherigen Saison mit. Mit Rang vier in Val d'Isère hat der bisherige Spätstarter schon früh seine Topform unter Beweis stellen können und als er sich in Wengen im ersten Slalom-Lauf beim Material vergriffen hat, hat er das im zweiten Durchgang ausgebügelt und ist noch auf Platz sechs vorgefahren. "Das hat gezeigt, dass ich aus einer schwierigen Situation das Beste machen kann."

Apropos Material: Das hat bei ihm und seinem Markenkollegen Henrik Kristoffersen in Kitzbühel besonders gut funktioniert, die beiden haben Marcel Hirscher im ersten Lauf um eine Sekunde distanziert, was Hirscher durchaus nachdenklich ("Man muss festhalten, dass ich im ersten Lauf keine Meter hatte") gestimmt hat. Für Matt war aber nicht das Material ausschlaggebend dafür. "Mir ist es im Grunde völlig gleichgültig, ob es jetzt eisig oder weich ist", meinte Matt. "Ich habe für alle Bedingungen meine Abstimmung und ich weiß nicht einmal, welche Abstimmung Henrik Kristoffersen fährt. Es würde mir auch nichts nützen."

Diese Aussage könnte wortgleich von seinem älteren Bruder Mario stammen - aber aufgepasst: Zu viele Vergleiche mit dem Olympiasieger von Sotschi 2014 mag der um 14 Jahre jüngere Bruder auch nicht. "Ich habe kein Problem damit, auf Mario angesprochen zu werden. Aber wenn sich so wie in Zagreb eine ganze Pressekonferenz nur um Mario dreht, dann ist das schon nervend. Aber damit muss ich wohl leben."

Matt verfolgt derzeit praktisch erste Reihe fußfrei das Duell Hirscher gegen Kristoffersen. Was machen die beiden besser? "Sie haben beide einen guten Speed und eine bewundernswerte Konstanz." Die Konstanz hat sich bei Matt in dem Jahr eingestellt, auch wenn ihm noch der erste Saisonsieg fehlt. "Das freut mich an dieser Saison am meisten, dass ich bei allen Bedingungen schnell sein kann."

Beim Blick auf das Duo Hirscher & Kristoffersen fallen aber auch die Möglichkeiten der Konkurrenten auf. "Natürlich würde ich auch gern per Helikopter anreisen, denn das spart einfach viel Kraft und Zeit, die man anders einsetzen kann."

Nach dem Nachtslalom ist normal vor der Party, traditionell ließen die Slalomfahrer ihren Jänner mit einer Feier ausklingen. Diesmal wird das anders sein: Weil bereits am Mittwoch um acht Uhr die Olympia-Einkleidung in Wien ansteht, müssen die Slalomfahrer früh aus dem Bett und mit dem Helikopter nach Wien. Auch da wird getrennt geflogen: Hirscher mit ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel, die anderen vier Slalomfahrer im zweiten Hubschrauber.

Aufgerufen am 16.11.2018 um 06:39 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/michael-matt-haetten-drei-siege-sein-koennen-23279554

Kommentare

Schlagzeilen