Wintersport

Nachgefragt bei Kitzbühel-Super-G-Sieger Ferstl

Nachgefragt beim deutschen Skirennläufer Josef Ferstl (30), der am Sonntag in Kitzbühel den Hahnenkamm-Super-G gewonnen hat.

Vater und Sohn Ferstl, zwei Kitzbühel-Sieger SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Vater und Sohn Ferstl, zwei Kitzbühel-Sieger

Frage: Es klingt ein bisschen wie ein Märchen: Zweimal schon die Goldene Gams in der Familie, jetzt ist durch Sie noch eine dazugekommen. Wie geht es Ihnen?

Ferstl: "Bis jetzt noch sehr gut! Es geht wirklich ein Traum in Erfüllung. Ich gehe zu Hause jedes Mal an den zwei Goldenen Gämsen vom Papa vorbei. Man denkt, Kitzbühel mal zu gewinnen, das ist eine Vision, ein Traum, den man unbedingt erreichen will. Ich bin Zehnter der Weltrangliste, habe die Nummer 1 nehmen müssen. Ich habe mir gedacht, ich fahre es aus dem Bauch heraus, aus dem Gefühl. Ich denke, dass keiner einen perfekten Lauf heute gehabt hat, weil es war echt ruppig, eisig und zum Teil drehender gesetzt wie sonst. Das Licht, dadurch dass wir um 13.30 Uhr erst gestartet sind, war bei mir noch auf alle Fälle ein bisschen besser. Ausnutzen muss man es - das habe ich gemacht. Das gehört auch dazu. Heute habe ich etwas Glück gehabt. Im Leben kommt es auch immer wieder zurück."

Frage: Sie haben in dieser Saison auch schwierige Zeiten gehabt.

Ferstl: "Ich bin stolz auf das ganze Team, auf alle, die mich immer unterstützt haben und an mich geglaubt haben. Ich habe wirklich Tage gehabt, wo ich alles infrage gestellt habe. Das sind für mich die wahren Helden, die an mich geglaubt haben, und nicht die, die jetzt kommen und gratulieren. Danke an das Trainerteam und den DSV, an meine Eltern, meine Frau und meine Kinder."

Frage: Ihre Beziehung zu Kitzbühel muss eine spezielle sein.

Ferstl: "Mit meinem Papa bin ich jedes Jahr hergefahren, er ist immer wieder eingeladen worden, was ja nicht normal ist von den Veranstaltern. Das ist etwas Besonderes. Er hat eine Gondel, die hier auf und abfährt die ganze Zeit. Das ist einfach der Hahnenkamm."

Frage: Was macht den Mythos Kitzbühel aus?

Ferstl: "Schon die Trainings waren extrem schwierig und unruhig, für uns Läufer auch extrem schwer. Am Freitag hat sich das ganze Hahnenkamm-Team echt sehr viel Mühe gegeben. Klar, die Wettersituation war schwierig, nichtsdestotrotz war es ein Super-Rennen. Da habe ich auch schon eine gute Fahrt runtergelegt in der Abfahrt (Platz 7), habe gewusst, dass ich schnell sein kann. Es ist brutal knapp so ein Rennen, man muss brutal fighten. Kitzbühel ist einfach die schwierigste Strecke, die Präparation ist immer extrem. Aber sie soll auch uns fordern. Es gibt halt alles drinnen."

Frage: Haben Sie ein bisschen Druck zu Hause gespürt, dass Sie unbedingt das erreichen wollten, was der Vater geschafft hat?

Ferstl: "Nein, er unterstützt mich überall, er hat so viel gemacht für mich. Ein Schmarrn, dass er gesagt hätte, du musst Kitzbühel gewinnen. Er wollte immer nur das Beste, das war überhaupt kein Thema. Klar, wenn ich da öfter vorbeigegangen bin, habe ich mir immer meine eigenen Gedanken gemacht. Ich bin immer gern Ski gefahren, weil es Spaß gemacht hat. Er hat mich nicht zu irgendetwas gezwungen. Wie ich das erste Mal da war, da hat er mich gezwungen runterzufahren, mit sechs Jahren. Ja, das war nicht so lustig. Aber ansonsten hat er mir wirklich gar keinen Druck gemacht. Durch Druck geht gar nichts. Wie man sieht, es muss kommen."

Frage: Josef und Sepp Ferstl - ist familienintern schon entschieden, wie das mit der Gondel weitergehen wird?

Ferstl: "Ich habe gleich gesagt, wenn ich das gewinne, möchte ich meine eigene haben. Ich möchte dann nicht irgendwelche Ausbesserungen haben oder nur was dazu gepickt. Es ist wirklich unglaublich. Es war ein Traum von Kind auf, da einmal zu gewinnen, jetzt ist das wirklich passiert."

Quelle: APA

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