Nordische-WM zum WM-Schwerpunkt ...
Nordische Ski-WM 2019

Mario Stecher im Interview: "Wichtig ist die Nachhaltigkeit"

Mario Stecher hat Anfang April 2018 die Nachfolge von Ernst Vettori als Sportlicher Leiter für Skispringen und Nordische Kombination angetreten. Im Gespräch mit der APA betonte der zweifache Kombinations-Team-Olympiasieger die nachhaltige Bedeutung der Heim-WM in Seefeld. "Es muss gelingen, in der Bevölkerung Begeisterung für den nordischen Skisport zu entfachen."

Stecher ist auch die Bevölkerung von Seefeld ein Anliegen SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Stecher ist auch die Bevölkerung von Seefeld ein Anliegen

Der 41-jährige Steirer mit Wohnsitz im Tiroler Pitztal hält bei den Titelkämpfen vier Medaillen in seinen zwei Sparten für möglich, je eine im Skispringen der Damen und Herren und zwei in der Kombination. Der zweifache Titelverteidiger Stefan Kraft hat laut Stecher das Zeug für einen erneuten Medaillengewinn. "Wichtig wird sein, dass er nicht alles zerreißen will. Seine normale Leistung ist ausreichend, um mit den Besten mitzuspringen und der Beste zu sein."

APA: Sind die WM-Vorbereitungen erledigt, kann sich der Sportliche Leiter wenige Tage vor dem Start schon zurücklehnen?

Mario Stecher: "Nein, die Arbeit läuft auf Hochtouren. Es gibt schwierige Entscheidungen mit der Nominierung im Skispringen, ich bin in Willingen dabei. Auch während der WM ist mit Trainings und Wettkämpfen das Programm sehr dicht, dazu ist fast jeden Tag ein Empfang. Das wird keine leichte, aber eine schöne Zeit, ich freue mich darauf. Es liegt unglaublich viel Schnee, die WM beginnt bei schönem Wetter. Tirol wird sich von der besten Seite präsentieren."

APA: Ihre Bestellung erfolgte recht knapp vor der WM, zu knapp für eine Heim-WM?

Stecher: "Ich habe mich gefreut, die Aufgabe anzunehmen, also war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin mit dem großen Ziel gekommen, in allen Sparten erfolgreich zu sein. In der Kombination ist es bisher sehr gut gelaufen, im Springen gibt es gute Ansätze, die Damen haben sich gut entwickelt. Es ist eine sehr große Herausforderung, der ich mich stellen will."

APA: Wie stufen Sie die Entwicklung der im vergangenen Olympia-Winter stark kritisierten Skispringer ein?

Stecher: "Es ist sehr viel passiert in der heurigen Saison. Vor der Tournee waren die Erwartungen nicht allzu groß, aber dann gab es recht gute Leistungen, nicht nur von Stefan Kraft. Auch die letzten Vorstellungen von Michael Hayböck, der in die Spur gefunden hat, von Daniel Huber, der beständig in die Top Ten springt, und von Philipp Aschenwald waren eine gute Werbung für die WM."

APA: Die ÖSV-Erfolge werden sicher zu einer tollen Stimmung beitragen.

Stecher: "Veranstaltungen positiv zu transportieren, das hat man gelernt in Tirol. Wichtig ist aber die Nachhaltigkeit. Es muss gelingen, in der Bevölkerung Begeisterung für den nordischen Skisport zu entfachen. Der Langlauf ist als Gesundheitssport im Winter das Pendant zum Radsport, da kann Seefeld einen wichtigen Beitrag leisten."

APA: Wollen Sie sich auf ein Medaillenziel für Ihre Sparten Skispringen und Kombination festlegen?

Stecher: "Vier Medaillen sind möglich. Im Springen bei Damen und Herren je eine und in der Kombination zwei. Das könnte ich mir gut vorstellen. Im Skispringen ist viel drinnen, es kann aber schnell gehen und man ist nur Fünfter. Es muss an diesem Tag alles passen. Bis zur WM ein starkes Springer-Team zu stellen, war das Ziel und das scheint gelungen."

APA: Stefan Kraft ist in beiden Skisprung-Einzelbewerben Titelverteidiger. Wie schätzen Sie seine Chancen ein?

Stecher: "Stefan Kraft bringt Woche für Woche Spitzenleistungen, er hat in jedem Bewerb eine Medaillenchance. Wichtig wird sein, dass er nicht alles zerreißen will. Seine normale Leistung ist ausreichend, um mit den Besten mitzuspringen und der Beste zu sein. Damit kann er locker in die Wettkämpfe gehen."

APA: Sie haben als Aktiver 1999 in Ramsau selbst eine Heim-WM erlebt. Wie groß ist der Heimvorteil?

Stecher: "Man kennt alles, es wird keine Überraschungen geben. Es ist einzigartig, sich vor heimischem Publikum zu präsentieren. Das löst Euphorie aus, da kann man noch bessere Leistungen bringen. Die Schanzen und Strecken sind aber natürlich allen Athleten bekannt, daher ist das nicht so ein großer Vorteil."

(Das Gespräch führte Franz Egger/APA)

Quelle: APA

Aufgerufen am 30.10.2020 um 09:26 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/nordische-ski-wm-2019/mario-stecher-im-interview-wichtig-ist-die-nachhaltigkeit-65867413

Kommentare

Schlagzeilen