Wintersport

Norwegens Skisprung-Jungstar Lindvik: Ausgekochte 21

Gut möglich, dass am Dreikönigstag ein 21-jähriger Norweger Überraschungssieger der 68. Vierschanzentournee wird. Marius Lindvik ist unbekümmert und überzeugt von seiner Idee des Skispringens - eine Mischung, die der Konkurrenz vor dem Finale in Bischofshofen das Fürchten lehrt.

Linvik lehrt seiner Konkurrenz das Fürchten SN/APA (AFP)/CHRISTOF STACHE
Linvik lehrt seiner Konkurrenz das Fürchten

Wenn man wissen will, wer dieser Szene-Aufmischer Marius Lindvik ist, fragt man am Besten Alexander Stöckl. Der Tiroler Cheftrainer der Norweger sollte es doch wissen. "Der Bua", sagt Stöckl, gehe derzeit mit einer "Unbekümmertheit" an die Dinge heran, die erfrischend sei. Er habe außergewöhnliche Fähigkeiten. "Wenn ich ihm eine technische Anweisung gebe, setzt er die sofort um." So gut, dass der Bub vor dem Schlussakt Tournee-Zweiter ist.

Ist er auch Manns genug für den großen Coup? "Er ist sehr kaltschnäuzig und nimmt auch gern Risiko", erklärte Stöckl. "Der sitzt oben am Balken und kriegt nicht mit, was unten los ist. Ob es laut ist oder wie weit der andere vor ihm gesprungen ist, das interessiert ihn nicht."

Ansonsten tut der 21-Jährige, was 21-Jährige tun. Lindvik bedient fast täglich seine Social-Media-Kanäle, als Hobby-DJ (Team-Rufname: Avicii) ist seine Spotify-Playlist natürlich öffentlich einsehbar. Springt er gerade nicht, sieht man ihn selten ohne Handy in der Hand, erklärte Stöckl. Lindvik schläft gern aus und hat in seiner kurzen Berufskarriere bereits eine außergewöhnliche Sturzserie (2019) verdaut. Wer Junioren-Weltmeister (2018) wird, hat gewiss auch Klasse - und derzeit jede Menge Selbstvertrauen.

"Ich versuche die Dinge zu tun, die ich tun muss, um am Balken ruhig zu bleiben", sagte Lindvik nach seinem Bergisel-Sieg, dem zweiten Tournee-Erfolg binnen drei Tagen. Bisher habe er einfach seine Arbeit getan. "Das hat gereicht." Ob er dem Skispringer-Himmel, dem berühmt-berüchtigten Flow nahe ist, konnte er am Samstag nicht sagen. "Es ist so ein Selbstvertrauen-Ding. Du weißt einfach, dass deine Sprünge gut werden." Dass er nun erster norwegischer Tourneesieger seit Anders Jacobsen (2006/07) werden könnte, habe er natürlich nie zu träumen gewagt.

Ein bisschen springt die Ungewissheit mit. Denn Lindvik wird am Montag seine ersten Bewerbssprünge auf der Paul-Außerleitner-Schanze tun. "Bischofshofen ist doch eine spezielle Schanze mit diesem langen Übergang zum Schanzentisch", erklärte Stöckl. Er hofft, dass der Youngster nicht zu früh wegspringt. "Dazu neigt er manchmal."

In der Qualifikation landete Lindvik nach 133 Metern auf Rang neun. Stefan Kraft, der unmittelbar nach ihm wegsprang, meinte, eine gewisse Unsicherheit bemerkt zu haben. Der Debütant selbst meinte, er suche noch ein wenig das Gefühl. Er wird sich wie ein typischer 21-Jähriger auf seine bisher größte Prüfung vorbereiten. "Vielleicht schaue ich mir noch ein paar Youtube-Videos von der Schanze an."

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