Wintersport

Odermatt spürt vor den Schweizer Heimspielen den gestiegenen Druck

Ein neuer Schweizer Skistar und jetzt noch Heimrennen vor Publikum: Bei den Eidgenossen ist alles bereit für ihr Skifest.

Marco Odermatt geht als Weltcupführender in seine Heimrennen.  SN/imago images/Sammy Minkoff
Marco Odermatt geht als Weltcupführender in seine Heimrennen.

Es sei ein "Erwartungs-Tsunami" - so umschreibt die Schweizer Tageszeitung "Blick", was auf ihren Landsmann Marco Odermatt in den nächsten zehn Tagen zukommen wird: Die Schweizer Ski-Heimspiele in Adelboden und Wengen sollen zu Festspielen für den neuen Schweizer Ski-Star werden. Los geht es schon am heutigen Samstag mit dem letzten Riesentorlauf vor Olympia - und zumindest für die Schweizer steht völlig außer Frage, dass der Sieger nur Odermatt heißen könne.

Besonders gewagt ist die Prognose nicht, denn der aktuelle Gesamt-Weltcup-Führende stand in dem Winter in allen vier bisherigen Riesentorläufen auf dem Podest und hat auch drei davon gewonnen. Dazu spielte ihm die Vorbereitung in die Karten: Weil Multi-Talent Odermatt auf den Slalom verzichtet, ersparte er sich den mühsamen und letztlich ergebnislosen Abstecher nach Zagreb, trainierte in der Heimat und geht im Unterschied zu Loic Meillard, Alexis Pinturault, Henrik Kristoffersen, Manuel Feller oder Marco Schwarz ausgeruht in sein Heimrennen.

Die nächsten Tage werden auch zeigen, ob Odermatt wirklich das Zeug zum großen Weltcup-Dominator hat - das bezieht sich nicht auf seine überragende Ski-Technik, das bezieht sich auf den Umgang mit der Erwartungshaltung. "Der Druck ist schon da. Der kommt aber auch von mir selbst", sagt Odermatt. Mit der klaren Ansage, dass er heuer den Gesamt-Weltcup gewinnen wolle, sei der Druck "in dem Winter noch einmal gestiegen".

Bereits an dem Samstag kann er ein schwarzes Kapitel im Schweizer Skisport tilgen, denn seit 2008 (Marc Berthod) hat kein Schweizer mehr den Riesentorlauf von Adelboden gewonnen.

Odermatt hat jedenfalls die Herzen der Schweizer Ski-Fans im Sturm erobert, mit Rekord-Vorsprung wurde er heuer zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt (vor Beat Feuz). Der 24-Jährige erfüllt zudem auch fast schon alle Klischees: Er stammt aus dem kleinen Schweizer Urkanton Nidwalden (nur 43.000 Einwohner), ist seit Jugendtagen mit seiner heutigen Freundin liiert − und setzt mit Stöckli auch noch auf den letzten verbliebenen Schweizer Ski-Produzenten. Dessen Geschichte ist ebenso bemerkenswert. Das kleine Unternehmen produziert pro Jahr nur 60.000 Paar Ski, hat(te) aber mit Tina Maze, Viktoria Rebensburg und jetzt Odermatt immer wieder Topathleten unter Vertrag.

Auf dem Weg zum Sieg in Adelboden und womöglich auch in Wengen in der kommenden Woche darf sich Odermatt auch der Unterstützung der Fans an den Strecken sicher sein: Möglich macht das ein völlig anderer Zugang der Schweizer im Umgang mit dem Corona-Virus, trotz 32.000 täglichen Neuinfektionen sind Fans zugelassen.

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