Wintersport

ÖSV-Adler ohne Spektakel: "Ausreißer nach oben" fehlen

Das Erweckungserlebnis blieb aus, der Tiefschlag aber auch: Österreichs Skispringer gelang mit einem vierten Platz von Stefan Kraft und insgesamt drei Springern unter den zehn Tagesbesten in Bischofshofen ein versöhnlicher Abschluss einer Vierschanzentournee, die bezogen auf das ÖSV-Team kaum Glanzlichter bot. Die Gründe dafür sind laut den Protagonisten vielfältig, die Missstände demnach zu beseitigen.

Weiter verlässlichste Kraft im ÖSV-Team: Stefan Kraft. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Weiter verlässlichste Kraft im ÖSV-Team: Stefan Kraft.

Mangelnde Konstanz, fehlende Coolness und Lockerheit, wenig Wettkampf-Rhythmus nach dem Corona-Gau, aber das grundsätzliche Vermögen für ganz vorne bescheinigten sich Kraft, Michael Hayböck (6.), Daniel Huber (10.) und Philipp Aschenwald (22.) nach dem Tournee-Finale. In der Gesamtwertung führte dies zu den Plätzen acht (Kraft), zehn (Huber), elf (Aschenwald), 22 (Thomas Lackner) und 24 (Hayböck).

"Ich bin echt sehr zufrieden mit dem vierten Platz, aber er passt ein bisschen ins Bild", meinte Kraft. "Uns fehlt das Letzte nach ganz vorne. In ein paar einzelnen Sprüngen hat man es gesehen, aber die Konstanz, dass wir das immer abliefern, die fehlt noch ein bisschen. Das wird vielleicht noch ein paar Wettkämpfe brauchen", sagte Kraft, der nach der nächsten Weltcup-Station in Titisee-Neustadt (GER) eine Wettkampfpause einlegen wird.

"Wir wissen, dass wir von den Leistungen her noch nicht an unserem Optimum angelangt sind", sagte Hayböck. "Wir machen nicht Halligalli und hoffen, dass es von alleine kommt, sondern wir wissen genau, da muss man dranbleiben."

Der Sportliche Leiter Mario Stecher bilanzierte: "Es konnte eine sehr große, kompakte Mannschaft aufzeigen. Die Ausreißer nach oben Richtung Podium hat es leider nicht gegeben. Leider Gottes haben wir nicht mit Konstanz aufzeigen können."

In Sachen Konstanz gelobte man im ÖSV baldige Besserung, "indem wir den eingeschlagenen Weg weiterhin verfolgen", wie Stecher erklärte. "Ich glaube, dass dieser Weg ein sehr guter ist." Cheftrainer Andreas Widhölzl will den Pfad ebenfalls tapfer "weitermarschieren". "Wenn das Erfolgserlebnis kommt, dann wird es immer besser werden." Und: "Ich schätze, dass demnächst das erste Stockerl da ist."

Es steht eine zweite Tournee ohne Einzel-Podestplatz hintereinander in den Büchern. Über den Zustand des österreichischen Skispringens sage dies, so Stecher, aber "sehr, sehr wenig" aus. "Es widerspiegelt überhaupt nicht die Leistung, die wir imstande sind zu bringen. Man muss aber neidlos anerkennen, dass auch die anderen Nationen auf einem sehr hohen Level arbeiten. Und dass einzelne Athleten vorne Sachen unter sich ausmachen."

Heuer sei dies Tournee-Triumphator Kamil Stoch gewesen, der mit einer Galavorstellung seinen emotionalsten Tourneesieg feierte und ein bärenstarkes polnisches Team mit gleich vier Athleten unter den ersten Sechs des Gesamt-Klassements anführte. Stoch habe sich, so Stecher, ähnlich überragend präsentiert wie Kraft in der Wettkampfperiode nach der Tournee im Vorjahr, was im Gewinn des Gesamtweltcups für den Salzburger mündete.

Es gebe wenige im Feld, die "beständig auf so hohem Niveau" wie Stoch und Kraft agieren würden. "Wir haben Gott sei Dank das Glück, zumindest einen davon zu haben", sagte Stecher. Tatsächlich ist das ÖSV-Team seit geraumer Zeit als One-Man-Show unterwegs. Streicht man den Namen Kraft, so steht in den jüngsten vier Saisonen inklusive 2020/21 kein einziger ÖSV-Sieger in den Ergebnislisten. Bezogen auf Top-3-Platzierungen in diesem Zeitraum heißt das: 35 der ersprungenen 44 Einzel-Stockerlplätze im Weltcup gehen auf die Kappe von Kraft (80 Prozent).

Siegspringer würden auch die anderen Nationen, also die Polen, Norweger und Deutschen, nicht einfach so "erfinden", wie Stecher nahelegte. Was der Steirer nicht erwähnte: Norwegen stellt im selben Vier-Jahre-Zeitraum sieben verschiedene Sieger, Deutschland vier, die Polen immerhin noch drei und die Slowenen sogar fünf.

Im ÖSV-Lager blickte man zuversichtlich Richtung Oberstdorf, wo in knapp sieben Wochen Weltmeisterschaften ausgetragen werden. "Gott sei Dank", schnaufte Kraft ob des Datums durch. Bis dahin könne er seinen "Körper noch ein bisschen pflegen, dass ich wieder frei aus der Seele herausspringen kann und nicht so viel daran denken muss." Derzeit kämpfe er nach der Coronainfektion, seinen Rückenproblemen und weniger Krafttraining damit, sein Kampfgewicht zu halten. "Das war davor tadellos", sagte Kraft und verriet. "Ich bin mit dem kürzesten Ski gesprungen, den ich gefunden habe."

Quelle: APA

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