Wintersport

Puelacher über Striedinger: "Nie am Potenzial gezweifelt"

Im Fall von Max Franz war der im Vorjahr vorgenommene Materialwechsel sofort ein Erfolgsbringer, andere mussten ihr Glück länger suchen. Otmar Striedinger wechselte einmal, kam völlig aus den Tritt und rutschte in den ÖSV-Kadern nach unten. Er machte den Schritt ein weiteres Mal und befindet sich auf Salomon nun im Aufwärtstrend. Nach Rang drei in der Kitzbühel-Abfahrt soll noch mehr kommen.

Überraschungsmann Otmar Striedinger SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Überraschungsmann Otmar Striedinger

ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher ist überzeugt, dass "wir mit Otmar noch eine große Freude haben" werden. "Er präsentiert sich schon einige Zeit sehr stark, Teilzeiten auf den anderen Abfahrten waren auch schon hervorragend. Aber auch Positionsfehler am Ski habe ihm oft einen guten Platz gekostet." Auf der Streif indes habe er es "von oben nach unten fast perfekt hingebracht".

Und es wäre auch noch mehr möglich gewesen für den 27-Jährigen: "Wenn er Steilhang-Ausfahrt diesen Schlag nicht aufnimmt, wo es ihm zwei Meter versetzt, dann wäre es vielleicht sogar noch knapp geworden für Herrn Paris. Aber er ist auch glücklich mit dem dritten Platz." Der Südtiroler Dominik Paris gewann den Klassiker 0,20 Sekunden vor dem Schweizer Beat Feuz und 0,37 vor Striedinger.

Mit Platz zwei im Weltcup-Super-G in Beaver Creek im Dezember 2013 und Olympia-Rang fünf im Februar 2014 in Sotschi ebenfalls im Super-G, nur 2/100 Sekunden hinter Bronze, hatte sich Striedinger in die Nationalmannschaft gefahren, in der er bis inklusive der Saison 2015/16 Mitglied war. Folglich rutschte er erst in den A-, dann in den B-Kader ab, hielt sich aber im System.

"Wir haben nie an seinem Potenzial gezweifelt", sagte Puelacher zur APA - Austria Presse Agentur. "Klar ist es schwierig mit der Argumentation, wenn du keine Ergebnisse hast. Aber zum guten Glück gibt es bei den Kaderkriterien das berühmte Trainerurteil, das haben wir bei Otmar sehr stark angewandt, weil wir an ihn glauben, an ihn festgehalten haben." Das Kitzbühel-Ergebnis solle ihm nun einen großen Schub "vor allem an Selbstvertrauen" geben.

Anders gelagert war die Sache beim Steirer Daniel Danklmaier, der als ebenfalls B-Kaderfahrer als Fünfter in Kitzbühel sein mit Abstand bestes Karriereergebnis herausfuhr. Puelacher stellte den 25-Jährigen in diesem Winter auf Weltcupbühne nur im Bormio-Super-G (19.) und nun Kitzbühel auf. "Er war frustriert, aber er war zu langsam zum Aufstellen", sagte Puelacher. Tatsächlich hatten drei schwere Knieverletzungen den Athleten immer wieder zurückgeworfen, und es dauerte, bis dieser das Vertrauen in sich selbst zurückgewann.

"Hut ab vor Daniel, sechs Mal in sieben Tagen auf der Streif und der schlechteste Platz war ein Fünfter", lobte nun also Puelacher. Er hatte den Athleten aus Wengen nach Kitzbühel beordert, wo dieser letztlich die Europacupabfahrt gewann und sich in einen wahren Rausch fuhr. "Mit dieser Woche kannst du nur Selbstvertrauen haben. Mir gefällt, dass er es auch bestätigt hat, das war sicher nicht ganz einfach das erste Mal im Rampenlicht der Medien. Er ist das Rennen cool runtergefahren", merkte der Herren-Chef an.

"Die vermeintliche zweite Garde hat das Rennen für uns gefahren", bilanzierte nun also Puelacher den Abfahrtsklassiker. Hannes Reichelt auf Platz acht und Matthias Mayer auf neun hätten skifahrerisch gute Leistungen gezeigt, mit den Startnummern 1 und 3 sei man aber "nicht ganz glücklich" gewesen. Für Max Franz ist mit Fersenbeinbruch die Saison vorbei. Wengen-Sieger Vincent Kriechmayr vermied mit Bravour zweimal einen Sturz.

"Und wir haben natürlich auch ein Riesenglück gehabt bei Vinc. Der hat drei Schutzengerl gehabt, nicht nur einen. Klar will man Erfolg, aber in erster Stelle steht sicher die Gesundheit der Athleten", sind auch bei Puelacher in Kitzbühel die Nerven angespannt. Wenn Kriechmayr die Bilder sehen werde, werde er selbst feststellen, dass er das nicht machen hätte sollen. Gemeint ist die Passage nach der Hausbergkante, als das Rennen wegen des Fehlers in der Mausefalle für den Oberösterreicher schon gelaufen war.

"Aber das sind Renntypen, man muss sicher darüber reden, aber die wollen auch den Erfolg. Es haben nicht nur wir riskiert, auch Feuz war am Limit. Paris hatte einen Traumlauf in meinen Augen, aber er hatte auch Probleme da runter. Man sieht wie angespannt die ganzen Leute sind. Ein Kitzbühel-Erfolg ist halt einfach für die Ewigkeit."

Quelle: APA

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