Wintersport

Roland Leitinger: Die Sensation der Ski-WM aus Salzburg

Für Roland Leitinger fuhr der Fanclub mit Vater, Mutter und Freundin um halb vier Uhr früh im Pinzgau los. Nur: Quartier hatte man in St. Moritz keines gebucht - da wurde ÖSV-Boss Schröcksnadel aktiv.

Nach Silber im Riesentorlauf wurde es hektisch. Sowohl für Sensationsmann Roland Leitinger, der von einem Termin zum anderen herumgereicht wurde, ehe er um 18.30 auf der Medal Plaza von St. Moritz den Lohn für harte Jahre in Form von WM-Silber erhalten hat.

Aber auch für seinen Fanclub: Die Mitglieder waren nämlich nach dem überraschenden Silber des Pinzgauers blitzartig aus dem Ziel verschwunden. Warum das? "Die haben keine Quartiere gebucht und sind jetzt eilig auf der Suche, damit sie noch ein paar Räume finden", meinte Roland Leitinger schmunzelnd. Eine kurze Begegnung mit Vater Willi, Mutter Annemarie und Freundin Simen war vorerst das Einzige, was er im Zielraum von seinen Fans mitbekommen hat. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel kam die Quartierfrage zu Ohren. Er schaltete sich ein und der Fanklub bekam eine Unterkunft.

Roland Leitingers Unterstützing war am gestrigen Freitag um halb vier Uhr früh in Lofer aufgebrochen, um vor Ort die Daumen zu drücken. Ein Einsatz, der sogar gewackelt hat. Leitingers Rücken hat wieder einmal Probleme gemacht. "Das ist leider ein ständiger Begleiter. Dabei hat das gar nichts mit den aktuellen Belastungen zu tun, denn ich habe manchmal auch im Sommertraining schon zwei Monate aussetzen müssen."

Vor zwei Wochen machte sich der Rücken plötzlich beim Riesentorlauf in Garmisch-Partenkirchen wieder bemerkbar. "Dass ich hier und jetzt mit einer Medaille stehe, da haben ganz, ganz viele Menschen Anteil daran, auch die, die mich in den letzten Tagen fit bekommen haben."

Doch oft ist auch im Unglück ein bisschen Glück verborgen. "Geschadet hat es ihm sicher nicht, so komisch es auch klingen mag", meinte Cheftrainer Andreas Puelacher. "Er ist völlig entspannt und mit vollen Batterien nach St. Moritz gekommen."

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum hatte zwar Leitinger nicht aktuell auf der Liste der Medaillenkandidaten - überraschend kam es für ihn aber auch nicht. "Ihm war das zuzutrauen. Nur ist es halt doch immer wieder eine Überraschung, wenn einem Läufer so etwas bei einer WM gelingt." Da habe Leitinger eben den großen Vorteil gehabt, dass er keinen Druck verspürt habe. "Das ist bei einer WM oft ein Wundermittel."

Leitinger lag sogar in Führung, als der große Favorit Marcel Hirscher ins Starthaus gegangen ist. Was er da gedacht hat? "Dass mein zweiter Lauf sehr gut war und ich eine Medaille fix habe." Und was hat Hirscher nach der Zieldurchfahrt gesagt? "Er ist zu mir gekommen, hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Roli, bist a wilder Hund."

Salzburgs Tourismus-Chef Leo Bauernberger gratulierte aus der Heimat: "Leitingers Erfolg freut uns besonders, weil wir auch einen persönlichen Bezug zu ihm haben. Sein Vater Willi Leitinger war zehn Jahre SLTG-Regionalbetreuer und ist heute Geschäftsführer der Bergbahnen Lofer."

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