Wintersport

Roland Leitinger: "Wir sind völlige Kampfsauen"

Der kleine Ort St. Martin/Lofer schickt zahlreiche schlagkräftige Skifahrer und Biathleten in die neue Saison. Davor sprachen Roland Leitinger und Co. über die Licht- und Schattenseiten im Spitzensport.

Hinten v. l.: Bernhard, Roland und Klaus Leitinger. Vorne v. l.: Stefan Pfannhauser und Thomas Volgger.  SN/sw/Andreas Rachersberger
Hinten v. l.: Bernhard, Roland und Klaus Leitinger. Vorne v. l.: Stefan Pfannhauser und Thomas Volgger.

"Bei Erfolgen erntet man viele Schulterklopfer, ist jedermanns Liebling", sagt Willi Leitinger. Bei Verletzungen oder Formtiefs schaue es ganz schnell anders aus. Fünf St. Martiner erzählten am Samstag zum Abschluss der Bildungswoche aus ihren emotionsgeladenen Sportlerleben.

Am Gipfel der Gefühle landete Roland Leitinger (26) im Februar mit seiner sensationellen WM-Silbernen. "Jedes Mal im Sommer, wenn das Training extrem hart war, habe ich wieder an St. Moritz gedacht. Das gibt sehr viel Kraft." Die Sonne schien nicht immer in seiner Karriere. Seine schwierigste Phase hatte er in den Saisonen 2011/12 (Sprungbein-Verletzung) und 2012/13 (Kreuzbandriss) zu überstehen. Er verletzte sich jeweils im Dezember, fiel zwei ganze Saisonen aus. "Es war eine beinharte Zeit. Aber auch wenn es einmal schlechter läuft: Dein Feuer muss immer brennen, für das, was du machst."

Im Glauben fand er Kraft, und im Trainingspensum die Balance beim Ausloten der Grenzen. In den Riesentorläufen dieser Saison will Leitinger um Podestplätze mitfahren. "Das ist mein Anspruch, und mit dem einhergehend sollte einer Olympia-Quali nichts im Wege stehen." Dem abgesagten Rennen in Sölden trauert er etwas nach: "Ich war schon gut drauf". So geht's für ihn am 3. Dezember mit dem RTL in Beaver Creek weiter.

Die Brüder Klaus (24) und Bernhard Leitinger (27) sind bestens befreundet, aber nicht verwandt mit Roland. Sie greifen im B-Kader des Biathlon-Nationalteams an, am Freitag und Samstag kämpfen sie gegen vier weitere Athleten um drei Startplätze für den Auftakt im IBU-Cup, der zweiten Liga im Biathlon.

Bernhard feierte seinen "bisher größten Erfolg" gegen eine Krankheit. Im Jänner 2015 wurde bei ihm aggressiver Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. "Es war die Hölle auf Erden, mein Immunsystem war tot. Ich habe die Krankheit dann in einen Wettkampf umgemünzt, gesund zu werden bedeutete den Sieg." Nun will er sportliche Erfolge nachlegen, sich für den IBU-Cup qualifizieren, beständig punkten, eine Stufe höher anklopfen. Zwei dritte Plätze im IBU-Cup, die aus der Saison 2011/12 datieren, sollen nicht der Höhepunkt gewesen sein. "Der Weltcup ist das große Ziel. Dafür habe ich gearbeitet, mein Feuer brennt mehr denn je."

Bei Klaus Leitinger ging es speziell in der Vorsaison auf und ab. Um 0,1 Prozent verpasste er die Qualifikation für die ersten Saisonrennen im IBU-Cup. "Ich war den Tränen nahe, habe mich aber zurückgekämpft." So gut, dass er im Jänner mit Platz zwei beim Sprint von Martell sein bestes IBU-Cup-Ergebnis feierte. Er kam ins Gespräch für das Weltcup-Team, ein Einsatz blieb ihm noch verwehrt. Im März musste er einen Ellenbruch verdauen, Glatteis wurde ihm zum Verhängnis. In der neuen Saison will er wieder ein paar Schritte in Richtung Weltcup machen. Denn sein großes Vorbild Ole Einar Björndalen (43) ist noch immer aktiv: "Über den Kopf bin ich ihm gewachsen, aber noch nie gegen ihn gelaufen. Ich hoffe, er wartet auf mich."

Stefan Pfannhauser (19) zählt zum Salzburger Landeskader alpin, im Vorjahr war er Zweitbester Österreicher seines Jahrgangs im Super-G. Er ist zuversichtlich, dass es für ihn kontinuierlich nach oben geht. Eine Gewichtszunahme sollte sich positiv auswirken: "Ich habe endlich 80 Kilo geschafft." Für einen Speed-Fahrer kein Nachteil.

Thomas Volgger (18) raste im März in Saalbach zum Abfahrts-Vize-Staatsmeistertitel seiner Altersklasse, aufgrund dieses Ergebnisses hätte er einen Kaderstatus beim SLSV erhalten. Darauf hat er aber verzichtet: "Ich trainiere weiter bei Schild Skiracing, werde dort perfekt unterstützt." Volgger und Pfannhauser wollen sich heuer bei den FIS-Rennen bewähren. Nächste Etappenziele: ÖSV-Kaderstatus und Europacup-Startplatz.

Eingeladen war auch Matthias Haider (12), krankheitsbedingt musste er die Gesprächsrunde aber absagen. In der Vorsaison hat er in seiner Altersklasse die Landescup-Gesamtwertung gewonnen. "In diesem Alter ist aus unserem Ort noch keiner so gut unterwegs gewesen. Er ist ein Versprechen für die Zukunft", sagt Willi Leitinger.

Roland Leitinger freut sich über den großen Sportsgeist in seinem Dorf: "Wenn du zur internationalen Spitze willst, musst du eine völlige Kampfsau sein. Das sind wir St. Martiner."

Aufgerufen am 18.10.2018 um 03:55 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/roland-leitinger-wir-sind-voellige-kampfsauen-20577964

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