Wintersport

Saalbach hofft auf Zuschlag für Ski-WM: "Skisport trifft unser Herz"

Mit einer emotionalen Präsentation bogen Landeshauptmann Haslauer und Saalbach-Hinterglemm in das WM-Abstimmungsfinale.

Bgm. Saalbach Alois Hasenauer, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Peter Schröcksnadel ÖSV und Bartl Gensbichlaer SN/land salzburg/erich spiess
Bgm. Saalbach Alois Hasenauer, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Peter Schröcksnadel ÖSV und Bartl Gensbichlaer

An den handelnden Personen - und vor allem an deren Anzahl - kann es nicht gelegen haben, wenn Saalbach-Hinterglemm am morgigen Donnerstag beim FIS-Kongress in Costa Navarino (Griechenland) den Zuschlag für die alpine Ski-WM 2023 nicht bekommen sollte: Landeshauptmann Wilfried Haslauer persönlich kam am Dienstag nach Griechenland gereist, um in einer recht emotionalen Präsentation dem FIS-Vorstand die Vorzüge der Salzburger Ski-Region näherzubringen. "Skisport trifft unser Herz", meinte Haslauer und warb solcherart um den Zuschlag.

"Eine Ski-WM ist genau unsere Kragenweite und es freut mich, dass die ganze Salzburger Landesregierung einstimmig hinter dem Zuschlag und den finanziellen Garantien dafür steht", meinte er zuvor. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten wie diesen. Dennoch warnte Haslauer vor zu viel Optimismus: "Wir sind nicht der Favorit, aber wir werden bis zum Schluss kämpfen." Dies wird vor allem ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel machen, der am Freitag übrigens für weitere vier Jahre (bis 2022) für den FIS-Vorstand kandidieren wird - ein deutliches Signal, dass er beim Zuschlag bis mindestens 2023 weitermachen wird.

Unterstützt wird Saalbach in Griechenland praktisch von der ganzen ÖSV-Spitze von ÖSV-Präsident Schröcksnadel und Generalsekretär Klaus Leistner abwärts bis hin zur österreichischen Botschafterin in Athen, Andrea Ikić-Böhm, und vielen ehemaligen Klasse-Rennläufern: Alexandra Meissnitzer führte durch die Präsentation, Petra Kronberger, Michael Walchhofer oder der aktive Hannes Reichelt waren im Auditorium. Danach übergaben Kinder aus dem Skiclub Saalbach Schoko-Herzen an die FIS-Vorstände mit dem Aufdruck "Danke für Ihre Stimme" - ein Geschenk, das unter zehn Euro wert und damit auch in Zeiten strenger Compliance-Regeln möglich ist.

Zentraler Punkt in der Saalbacher Präsentation war das Wort "one": ein Ziel, ein Bewerber, eine Nachhaltigkeit. Ein klarer Hinweis auf den französischen Gegenkandidaten Courchevel-Méribel, der mit zwei Orten, zwei Rennstrecken, zwei Zielräumen, zwei Pressezentren etc. in die Bewerbung geht.

Kosten scheinen bei den Franzosen eher eine untergeordnete Rolle zu spielen, denn im letzten Moment zauberte man das Trumpf-Ass freier Eintritt aus dem Ärmel. "Das stimmt grundsätzlich, denn es gibt freien Eintritt bei allen nicht nummerierten Plätzen. Bei Sitzplätzen und VIP-Plätzen verlangen auch wir Eintritt", relativierte Frankreichs Ski-Präsident Michel Vion im SN-Gespräch. Die Herren-Bewerbe sollen in Courchevel stattfinden (wo man noch eine Abfahrtsstrecke bauen muss), die Damen-Bewerbe in Méribel. Dagegen kommt Saalbach-Hinterglemm mit einem Berg aus, alle Bewerbe sollen auf dem Zwölferkogel stattfinden.

Detail am Rande: Während Saalbach bei der Präsentation auf mehrere Personen gesetzt hat, ließen die Franzosen einzig eine Dame sprechen - und die kam just aus Salzburg: Claudia Riegler, ehemalige Weltcupläuferin und seit ihrer Hochzeit mit Abfahrtsolympiasieger Antoine Dénériaz in Annecy (FRA) daheim, ist das Gesicht der Präsentation aus Frankreich. "Als ich gehört habe, dass Saalbach unser einziger Gegenkandidat ist, da ist mir kurz der Atem gestockt - aber ich wünsche meinen engsten Landsleuten alles Gute."

An der Kongress-Gerüchtebörse werden derzeit die Franzosen als Favoriten gehandelt - weil Österreich in den letzten Jahren sehr viele Großereignisse (Schladming 2013, Hochfilzen 2015) hatte bzw. in Kürze haben wird (Seefeld 2019). "Wenn man sich nicht bewirbt, dann kann man halt auch nix gewinnen", meinte Salzburgs Ski-Präsident Bartl Gensbichler zu diesen Gerüchten ganz hemdsärmelig. Die Entscheidung fällt Donnerstag im FIS-Vorstand und wird ab 19 Uhr (MEZ/live ORF Sport+) verkündet.

Für Saalbach-Hinterglemm hat sich die nicht ganz billige WM-Bewerbung marketingmäßig und medial bis jetzt auch schon ausgezahlt: Dieser Tage kam ein Kooperationsangebot des deutschen Fußballmeisters FC Bayern München, das man wohl annehmen wird.


Traumwetter und ein Fünf-Sterne-Resort: Wer glaubt, dass beim FIS-Kongress alles in Urlaubsstimmung abläuft, der irrt. Einige heikle Punkte sind dennoch zu umschiffen. Da wäre zunächst die Startnummernregel bei den Herren-Abfahrten: Die Läufer (vertreten durch Hannes Reichelt) wollen freies Wahlrecht zwischen Nummer 1 und 30 je nach Weltranglistenplatz, die FIS will die aktuelle Reihenfolge (die Top 10 wählen einen Platz zwischen 1 und 19) beibehalten.
Richtig Konfliktpotenzial hat jedoch die Werbung auf dem Ski: Damit haben (jeweils auf ein Jahr befristet) die Skispringer angefangen, nun wird über den Alpinbereich diskutiert. Aber: Die Verbände reklamieren die Werbefläche für sich, was den Skifirmen nicht gefällt. Zudem baut in Deutschland das Institut für Sportforschung (FES) eigene Sprungski - die Marke Fischer hat daraufhin angekündigt, Springer aus Ländern, die selbst Sprungski bauen, nicht mehr zu beliefern. Da droht ein weitreichender Konflikt.

(SN)

Aufgerufen am 24.05.2018 um 02:37 auf https://www.sn.at/sport/wintersport/saalbach-hofft-auf-zuschlag-fuer-ski-wm-skisport-trifft-unser-herz-27996865

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