Wintersport

Scheyer-Sieg als "Motivationsspritze" für ÖSV-Damen

Mit dem ersten Saisonsieg dank der Abfahrts-Sensation durch Christine Scheyer in Zauchensee ist Österreichs Ski-Damen ein Befreiungsschlag gelungen.

Scheyer überraschte alle und erlöste das ÖSV-Team. SN/GEPA pictures
Scheyer überraschte alle und erlöste das ÖSV-Team.

Damenchef Jürgen Kriechbaum bezeichnet den Premierensieg der Vorarlbergerin als "Motivationsspritze", stieg aber auch etwas auf die Euphoriebremse.

"Der Sieg war schon eine schöne Überraschung", sagte der Damen-Rennsportleiter und zeigte sich vor allem von der Herangehensweise der jungen Rennfahrerin angetan. "Was und vor allem wie sie das abgeliefert hat, ist recht beeindruckend. Sie hat eine ohnehin schon sehr gute Trainingsleistung dann im Rennen fast noch einmal getoppt. Das war schon besonders."

Kriechbaum gefällt auch, wie sich Scheyer trotz zweier Kreuzbandrisse immer wieder Schritt für Schritt nach vorne gearbeitet hat und wie sie sich auf die Rennen einstellt. "Sie schafft es, den Dingen auf den Grund zu gehen und befasst sich gleichzeitig nur mit Sachen, die sie schneller machen. Das ist auch eine bestimmte Art von Cleverness."

Die junge Rennläuferin setze sich intensiv mit dem Sport auseinander. "Sie blendet Dinge, die hemmende oder bremsende Wirkung haben, aus." Talent, körperliche Fitness und eben diese clevere Herangehensweise, "das ist eine wirklich gute Mischung."

Scheyer ist Head-Fahrerin, nutzt aber wie Mirjam Puchner das Pool-Verbandsservice, in dem mittlerweile auch Edi Unterberger eine wichtige Rolle spielt. Der höchst erfahrene Servicemann hat früher u.a. die Ski von Hermann Maier und Marcel Hirscher präpariert.

Dass die ÖSV-Damen nach den vielen Rücktritten und Verletzungen nun wieder eine neue und junge Siegläuferin in ihren Reihen haben, sei enorm wichtig, so Kriechbaum. Wobei ihm die Bezeichnung "Befreiungsschlag" etwas zu dick aufgetragen erscheint. "Wenn, dann war das schon Platz zwei von Conny Hütter in Val d'Isere oder die Superkombi-Abfahrt dort."

Kriechbaum sprach damit die Situation der fehlenden Podestplätze vor allem in den Technikbewerben an. Im Slalom ist man bekanntlich seit zwei Jahren ohne Podest, im Riesentorlauf passierte zuletzt in Maribor ein historischer Tiefschlag.

"Es tun alle so, als ob die ganzen Ergebnisse bescheiden wären", verwehrte sich Kriechbaum aber gegen eine eingeschränkte Sichtweise. "Vielleicht an Podiums, ja. Aber wenn man eine Steffi Brunner oder eine Kathi Truppe sieht, da sind viele gute Dinge dabei."

Deshalb habe er das Bisherige auch nie so enttäuschend erlebt. "Wenn eine Brunner in Killington auf Podestkurs ausfällt, dann ist das halt so. Dann bin ich enttäuscht wegen dem Ergebnis, aber nicht wegen der Leistungen."

Aber ein Sieg sei natürlich immer etwas Besonderes. "Das ist vor allem für die anderen eine gescheite Motivationsspritze. Sie sehen, dass es höchste Zeit ist, auch ein Schäuferl zuzulegen."

Das WM-Team für St. Moritz ist um eine Läuferin gewachsen, geht man davon aus, dass Anna Veith, Michaela Kirchgasser, Katharina Truppe, Bernadette Schild, Stephanie Brunner und nun Scheyer fix sind. Im Speed ist aber auch nach Zauchensee nach wie vor viel offen.

Da kämpfen von Puchner über Nicole Schmidhofer, Ramona Siebenhofer, Stephanie Venier, Tamara Tippler bis Rosina Schneeberger oder Elisabeth Görgl auch ohne Hütter sechs bis sieben Damen um Startplätze. Entscheiden wird sich das an den kommenden Speed-Wochenenden in Garmisch und Cortina. Kriechbaum: "Da muss man die Resultate einfach abwarten, sie stellen sich selbst auf."

Quelle: APA

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